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Lokales Katastrophen-Juli für den Tourismus
Dresden Lokales Katastrophen-Juli für den Tourismus
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18:07 22.09.2016
Schönheit reicht nicht. Dresden braucht mehr kulturelle Höhepunkte, finden Touristiker. Quelle: dpa-Zentralbild
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Dresden

Dresden-Touristen haben im Juli 398 930 Übernachtungen gebucht. Das ist ein Minus von zehn Prozent im Vergleich zum Juli 2015. Diese Zahlen nannte jetzt die Dresden Marketing GmbH (DMG) auf Anfrage der DNN. Besucher aus Deutschland buchten 11,2 Prozent Übernachtungen weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Zahl der ausländischen Übernachtungsgäste sank um 6,3 Prozent.

Auf das Jahr 2016 gerechnet, ist die Zahl der Übernachtungen um 2,1 Prozent gesunken. Touristen aus dem Inland haben 3,7 Prozent weniger Übernachtungen gebucht als von Januar bis Juli 2015. Die ausländischen Gäste buchten 4,4 Prozent mehr Übernachtungen.

In der Bilanz der deutschen Top-Städte tauchen nur drei mit einem Minus auf: Köln mit minus 5,3 Prozent, Hannover mit minus 0,5 Prozent und eben Dresden. Die anderen verzeichnen Zuwächse: Nürnberg mit 10,8 Prozent sogar zweistellig, aber auch in Hamburg (5,7 %), Berlin (3,8 %), München (2,2 %) und selbst in Leipzig (4,6 %) werden Zuwächse verzeichnet.

Das Problem der Hotellerie zeigt ein Blick auf Zimmerauslastung und Zimmerpreise: In diesem Jahr waren die Dresdner Hotelzimmer nur zu 59,8 Prozent ausgelastet. Das ist mit Abstand der niedrigste Wert der Top-Städte. Hamburg liegt mit 77,9 Prozent vorne, aber auch in Leipzig liegt der Wert bei 70 Prozent. Der durchschnittliche Zimmerpreis beträgt in Dresden 73,40 Euro, auch hier ist die Stadt Schlusslicht unter den Top-Städten. In München liegt der Wert bei 130,30 Euro, in Leipzig bei 83,50 Euro. Der Ertrag pro Zimmer belief sich in diesem Jahr auf 43,80 Euro – erneut ist die Stadt Schlusslicht. Vorne liegt München mit 98 Euro, in Leipzig sind es 58,50 Euro.

Johannes Lohmeyer, Vorsitzender des Tourismusverbandes Dresden TVD), bezeichnete die Zahlen als „dramatisch“. Marc Arendt, Vorsitzender des Tourismusausschusses der Industrie- und Handelskammer Dresden, erklärte, er könne sich nicht an einen solchen gravierenden Einbruch erinnern. Beide warnten aber vor Panikmache. „Das wäre genau das, was wir jetzt nicht gebrauchen können“, so Arendt. „Die Zahlen sind mies, das können und wollen wir nicht schönreden. Aber wir wissen auch, was zu tun ist.“

Dresden bekomme zu wenig Kongresse, zählt Arendt eine Möglichkeit auf, die Bilanz zu ändern. „Wer Kongresse mit 1000 Teilnehmern haben will, muss Geld in die Hand nehmen.“ Geld, das wieder in die Stadtkasse fließe, denn: „Ein Kongressteilnehmer gibt im Durchschnitt 350 Euro pro Tag aus.“ Dresden brauche Höhepunkte, besonders an den Wochenenden. „Wenn an den Elbnächten Konzerte waren, ist auch im miesen Juli in meinem haus die Auslastung gestiegen“, so Arendt. Städte wie Halle, Leipzig oder Magdeburg seien viel weiter als Dresden und würden regelmäßige Reiseanlässe schaffen. „Wir können uns nicht nur auf die Frauenkirche verlassen. Wir müssen den Gästen etwas bieten“, so der Ausschussvorsitzende.

Die Initiative von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP), Übernachtungsgästen eine Art Rabattkarte anzubieten, sei ein erster Schritt, finden Lohmeyer und Arendt. „Aber daran müssen sich die staatlichen Einrichtungen des Freistaats, die Verkehrsbetriebe, der Einzelhandel und die Gastronomie beteiligen“, fordert Arendt. Dass die DMG eine Million Euro mehr pro Jahr erhalten soll, unterstützen Arendt und Lohmeyer. „Es darf aber nicht so sein, dass die DMG dann noch zusätzliche Aufgaben erhält“, fordert der TVD-Vorsitzende.

Schließlich müsse die Beherbergungssteuer korrigiert werden. Dresden erhebe deutschlandweit die zweihöchste Abgabe von den Touristen. „Und das in diesem preissensiblen Markt mit überwiegend inländischen Freizeittouristen“, so Lohmeyer. „Wenn da nicht korrigiert wird, wird bald weniger Bettensteuer fließen, weil die Gäste wegbleiben.“ Arendt bestätigt das: „Uns bricht das preissensible Busreisengeschäft weg. Da rechnen die Gäste mit jedem Euro.“

Der August – die offiziellen Zahlen liegen noch nicht vor – sei nicht ganz so schlimm wie der Juli gelaufen, glauben Arendt und Lohmeyer. Die Stadträte müssten die Weichen stellen, dass es in Zukunft besser wird. „Es geht ja nicht ur um die Hotels. Gästeführer, Einzelhändler, Gastronomen – alle leiden unter den schlechten Zahlen“, so Arendt.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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