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Lokales Kampf um die Gartenkrone
Dresden Lokales Kampf um die Gartenkrone
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09:22 07.12.2018
Gartenbauingenieur Volker Croy. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Der nächste Kleingärtnertag am 16. März 2019 wird spannend. Die Wahl des Vorstandes des Stadtverbandes Dresdner Gartenfreunde e.V. steht an. Und diesmal gibt es nicht nur einen Kandidaten für das Amt des 1. Vorsitzenden, sondern zwei. Bis jetzt. Vielleicht werden es auch noch mehr. Denn bis zum Kleingärtnertag seien noch Bewerbungen möglich. Das sagt jedenfalls Frank Hoffmann, seit 2011 der 1. Vorsitzende des Stadtverbandes der Gartenfreunde, gegenüber DNN.

Er selbst stelle sich erneut der Wahl. Gegen ihn tritt Volker Croy an. Der Gartenbauingenieur ist Kleingartenfachberater und Vorsitzender des 2017 neu gegründeten KGV „Gänseblümchen“ e.V.. Croy gilt als Querdenker, engagiert sich auch für Gemeinschaftsgärten auf städtischen Flächen, und hat sich durch seine unverblümte Art und sein Verständnis vom naturnahen Gärtnern im Kleingarten nicht nur Freunde gemacht.

Mehr Obst statt 50:50

In einem Schreiben an alle Vereine des Stadtverbandes, das Volker Croy am Freitagabend versandte, stellt er nicht nur dar, was er gern verändern möchte, sondern geht auch mit der Arbeit des jetzigen Vorstandes hart ins Gericht. Er wirft diesem Vorstand und dem 1. Vorsitzenden „ein fragwürdiges Führungsverständnis ohne klar erkennbare Strategien und ohne Visionen für die Entwicklung unseres Verbandes“ vor. Croy will „diesem Stillstand ein Ende ...setzen“ und führt auch aus wie.

Zum einen ist er der Überzeugung, dass es überholt ist, von den Kleingärtnern zu fordern, Obst und Gemüse im Verhältnis von 50:50 anzubauen. Denn gerade berufstätige Kleingärtner, die nicht jeden Tag gießen gehen können, müssten auch die Möglichkeit haben, das Anbauverhältnis zugunsten von Obst zu verschieben.

Croy ist der Ansicht, dass ein entsprechender Stadtrat-Beschluss auch eine Verschiebung der Verhältnisse oder sogar eine Aufhebung des Gemüseanbauzwangs ermöglichen könnte. Aber „niemand sei bisher an die Stadträte mit Vorschlägen zur Änderung der Aufteilung herangetreten“.

Im Gegenzug könne man als Ausgleich für eine Änderung dieser Festlegung Naturschutzmaßnahmen in den Kleingärten wie kleine Teiche mit flacher Uferzone, große Obstbäume, Staudenrabatten, breite Hecken und immergrüne Gehölze anbieten. Laut Croy habe die Stadt durchaus ein Interesse an solchen Naturschutzmaßnahmen. Diese müssten „nicht mal neu geschaffen werden, sondern nur erhalten. Sie sind schon vorhanden. Sie werden nur gerade vom Stadtverbands-Vorstand bekämpft.“

„Das Umweltamt ist momentan nicht gut auf die Kleingärtner zu sprechen"

Was meint Croy damit? „Der Landesverband der Kleingärtner hat festgelegt, dass keine neuen Thujahecken mehr gepflanzt werden dürfen. Er hat nicht gesagt, dass alte Thujahecken herausgerissen werden müssen. Das verlangt aber der Stadtverband von seinen Mitgliedsvereinen. Dabei schadet man damit den Vögeln, die den Winter über hier bleiben. Denn sie brauchen immergrüne Gehölze als Rückzugsorte“. Croy versteht auch nicht, warum Obstbäume keinesfalls höher als vier Meter werden dürfen und warum Form- und Zierhecken zwischen den Gärten entfernt werden müssen, wenn der Grenzabstand von zwei Metern nicht eingehalten ist. In kleinen Parzellen sei das ein Problem.

Zum anderen findet Volker Croy es wichtig, dass mehr auf ein „anerkennendes Miteinander“ Wert gelegt werde. Dazu sei eine „Änderung der Kommunikationskultur des Vorstandes nötig und ein anderes Auftreten in den Vereinen und in der Öffentlichkeit“. Zudem solle der Stadtverband „wohlwollender mit den Vorsitzenden und Vorständen umgehen und auch helfen, deren Anerkennung in der Bevölkerung zu erhöhen.“

Des Weiteren müssten Umweltamt und Amt für Kultur als Partner gewonnen werden. „Das Umweltamt ist momentan nicht gut auf die Kleingärtner zu sprechen, da unsere Leistungen ihnen unbekannt sind.“ Volker Croy sieht gar eine „Flächenkonkurrenz zwischen Kleingarten und Naturschutz“. Er ist überzeugt, dass eine gezielte Zusammenarbeit und eine externe Bestandsaufnahme seltener Tiere (z.B. Schlangen, Zauneidechsen, Singvögel, Wildbienen) in den Anlagen ermöglichen würde, „bei Projekten und dem Schutz der Kleingärten auf die Unterstützung des Umweltamtes zurückzugreifen“, ist der Gartenbauingenieur überzeugt. Er hält auch eine engere Zusammenarbeit bei der Öffentlichkeitsarbeit, bei Bildungsangeboten und auch bei der Finanzierung von Projekten mit dem Gartennetzwerk für fruchtbringend.

Keine Kleingärten im Südpark

Zudem sei laut Croy mehr Engagement für den Erhalt von Kleingärten und die Schaffung neuer Gärten nötig. Der jetzige Vorstand des Stadtverbandes kämpfe nicht ausreichend um den Kleingartenerhalt, wenn die Stadtverwaltung „aus Hochwasserschutzgründen, Renaturierung, Straßenbau oder ähnlichem“ Gärten oder den Abriss der Lauben fordere. Lieber segne man eine Entschädigung ab. „Dann verschwinden ganze Anlagenteile. Teilweise bleiben große Flächen im Verein zurück, die er pflegen muss, ohne sie verpachten zu können, weil die Pächter dort wegen Gewässernähe nur Grabeland haben dürfen, aber keine Werkzeugschuppen oder ähnliches. Diese Praxis muss eingestellt werden, sonst verlieren wir immer mehr Gärten und die Belastung für Flächenpflege der Anlagen steigt.“

Nach Ansicht von Volker Croy gebe es noch viel mehr Stellen, wo Kleingartenanlagen errichtet werden können. Er bemängelt, dass der Stadtverband zum Beispiel bei der Entwicklung des Südparkes kein Veto einlege. „Dort sollen Streuobstwiesen, ein Gemeinschaftsgarten und andere gärtnerische Nutzungen hin, aber bisher keine Kleingärten.“

Mehr Unterstützung des Stadtverbandes fordert Volker Croy auch im Falle des Kleingartenvereins Hellersiedlung Nordhöhe. Dem wurde die Gemeinnützigkeit aberkannt. Aufgrund der besonderen Geschichte des Areals sollten laut Croy der „Stadtverband und sein Vorstand ...alles in Bewegung setzen, (um) den Verein bei der Wiedererlangung der kleingärtnerischen Gemeinnützigkeit zu unterstützen und für eine politische Lösung über den Stadtrat und die zuständige Bürgermeisterin kämpfen“.

Die Liste der Vorschläge ist noch lang. Fachberater Volker Croy denkt z.B., dass Neugärtner mit Anleitungsheften unterstützt werden könnten. Er wirft den Vorschlag in den Ring, mit hiesigen Gärtnereien zu sprechen, dass Pflanzen, die für den Kleingarten geeignet sind, besonders ausgewiesen werden.

Frank Hoffmanns Ansicht zu den Vorwürfen und der Arbeit des Stadtverbandes lesen Sie hier.

Von Catrin Steinbach

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