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Lokales Wenn aus einem Erlebnis ein ganzes Buch wird
Dresden Lokales Wenn aus einem Erlebnis ein ganzes Buch wird
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08:13 31.07.2018
Daniel Antonio Bastidas Gutjahr hat sein erstes Buch geschrieben und hofft nun, dass ein Verlag das Werk druckt. Quelle: Lars Müller
Dresden

Seine gerade und korrekte Körperhaltung erinnert an einen Balletttänzer, sein sprachlicher Ausdruck und seine Umgangsformen deuten auf einen Jungen aus besten bürgerlichen Kreisen hin. Tatsächlich ist der 19-jährige Daniel Antonio Bastidas Gutjahr ein ganz lockerer Dresdner, dem Oberflächlichkeit ein Gräuel zu sein scheint.

Der junge Mann ist weltgewandt. Sein Vater ist Kampfsportlehrer in der Neustadt und stammt aus Concepción in Chile, seine Mutter kommt aus Langenweißbach am Rande des Erzgebirges und bildet an einer Berufsschule Erzieherinnen und Erzieher aus, erzählt er. Aufgewachsen ist Daniel, wie er sich kurz nennt, in der Dresdner Neustadt. Er hat beide Staatsbürgerschaften und als Kind auch zeitweise in Chile gelebt. Seit einem Jahr absolviert Daniel eine Ausbildung zum Physiotherapeuten, zuvor hat er sein Abi an der Bürgerwiese gemacht.

Die Geschichte von einem ideenlosen Kinderbuchautoren

Ein Medizinstudium steht im Raum. Als Arzt würde er ganzheitlich arbeiten wollen und sich mehr Zeit für seine Patienten lassen, als es der Kassensatz vorsieht, sagt er. Festlegen aber mag sich der junge Mann dennoch bisher nicht. Denn er hat auch ein Faible für die Schriftstellerei. Wenn Daniel aus seinem Leben und von seinen Plänen erzählt, wirft er Lebensweisheiten ein, die man gemeinhin einem Teeanger auch kurz vor der 20 eher nicht zutrauen würde. Sie klingen aber keineswegs auswendig gelernt, sondern scheinen wohl überlegt formuliert und zeigen wohl auch, dass er sich in Bibliotheken durch die Werke bekannter Philosophen gearbeitet hat. Freiwillig, aus Interesse in seiner Freizeit.

Ein gutes Jahr hat Daniel an seinem ersten Buch geschrieben - einer Novelle, in der ein ausgebrannter und ziemlich ideenloser Kinderbuchautor seine nächste Geschichte bei einem Obdachlosen zu stehlen versucht und dabei viel über sich selbst lernt. „Willst du was hören?“, fragt Daniel und schlägt sein gebundenes Manuskript auf. Freilich hat er vor dem Treffen am Elbufer schon eine Leseprobe geschickt, aber vorgelesen wirkt das Werk noch überzeugender.

Daniel Antonio Bastidas Gutjahr hat sich auch schon als Schauspieler in Kurzfilmen und am Societeatstheater ausprobiert. Seine Geschichte lebt von spannenden Sprachbildern. Er trägt sie vor, als stehe er auf einer Bühne vor großem Publikum, gestikuliert, betont die Sätze sensibel. Ein Hörspielredakteur würde den Dresdner wohl vom Fleck weg engagieren. Der Zuhörer, der sich darauf einlässt, wähnt sich mitten im Geschehen.

„Das Leben besteht aus Veränderungen“

Der junge Mann brennt für sein Werk. Mit 20 Verlagen stehe er in Kontakt, fünf hätten schon näheres Interesse signalisiert, sagt er. Und wenn es nichts wird? „Auch nicht schlimm.“ Das Leben sei dazu da, um neues auszuprobieren, erklärt er abgeklärt, als könne ihn nichts erschüttern. Er fühle sich, „wie ein Esel zwischen Wasser und Heu“: Beides sei verlockend und er wisse nicht genau, wo er zuerst zugreifen solle. Er meint das mögliche Medizinstudium und die Verlockung, vielleicht als Schriftsteller zu überzeugen.

Die Idee für das Buch beruht auf einem Erlebnis im Alaunpark. Eine augenscheinlich obdachlose Frau habe sich „mit ihrem Sternburg-Bier“ zu Daniel und einem Freund gesellt. Als 16-Jähriger habe er versucht, die Frau davon zu überzeugen, sie solle ihr Schicksal doch selbst in die Hand nehmen und ihr Leben ändern. Das sei wohl nicht gerade auf fruchtbaren Boden gefallen, resümiert er heute. Obwohl er die Frau nie wiedersah, hat er die Begegnung mit ihr auch nie vergessen. Entstanden ist das Buchmanuskript unter dem Titel „Zwei Männer am Rande des Tellers – Wie man von Gefallenen das Fliegen lernt“.

Falls weder das Buch zündet, noch das Medizinstudium klappt? Das Leben bestehe aus Veränderungen, meint Daniel, ohne dabei altklug zu wirken. „Man muss nicht aufhören ein Kind zu sein, um erwachsen zu werden.“ Solche Thesen sagt der junge Mann ganz beiläufig mitten im Gespräch. Er könne auch mit einem guten Freund als Fitnesstrainer arbeiten oder als Magier, schiebt er nach. Denkbar sei vieles. Er trainiert bei seinem Vater seit seiner Kindheit Kampfsport und hat entsprechend Durchhaltevermögen. „Kampfsport aber nur in der Freizeit, sonst ist mir mein Kopf zu schade“, sagt er und grinst. Gemeinsam mit einem Freund betreibt er das Hobby.

Alkohol und Drogen sind tabu

Zauberei mit Karten wiederum hat sich Daniel selbst beigebracht. Ein anderer Freund lag im Krankenhaus und hatte Langeweile und da haben sie sich an Kartentricks ausprobiert. Unlängst hat Daniel bei einem Weinabend mit einem sächsischen Winzer vor Publikum seine Kartentricks erstmals vor Publikum präsentiert. Mit Wein übrigens kann man dem schreibenden Sportfreak keine Freude machen. Gesunde Ernährung ohne Alkohol und Drogen sind ihm wichtig, ansonsten ist der junge Dresdner für fast alles offen, was das Leben bereit hält. „Warum nicht mal in einem Weinberg mithelfen“, sagt er, wirft seine Stirn in Falten und schaut, als habe er schon die nächste Geschichte für ein zweites Buch im Kopf. Einen Notizblock mit Stift hat er jedenfalls für spontane Ideen immer dabei.

Von Lars Müller

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