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Lokales Johannstadt-Schulen fordern mehr Unterstützung von Stadt und Land
Dresden Lokales Johannstadt-Schulen fordern mehr Unterstützung von Stadt und Land
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17:29 26.06.2018
Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hatte bei einem Besuch der 1010. Oberschule Schulleiterin Juliana Dressel-Zagatowski keine Versprechungen gemacht, dafür aber für Aufmerksamkeit gesorgt. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Problemschulen zum attraktiven „Lernquartier“ umbilden – das fordert ein Positionspapier, das die Leitungen der 101. Oberschule und der 102. Grundschule im Verbund mit mehreren Akteuren in Johannstadt aufgesetzt haben. Dritter im Bunde ist das Abendgymnasium, das von der Oberschule nicht genutzte Räume belegt. Das zehnseitige Schreiben hat es durchaus in sich, bündelt Forderungen an Stadt und Land sowie Aufgaben, die beide Schulen sich selbst stellen. Es geht dabei um dringend nötige Gebäudesanierungen, Lehrerqualifizierung und bessere Unterrichtsbedingungen. Das Papier stellt nach der gescheiterten Ansiedlung der Universitätsschule im Gebäude der 101. Oberschule für den Standort so etwas wie die Flucht nach vorn dar. Bis 2022, so steht es im Papier, sollen die Forderungen verwirklicht sein.

Das Problem

Vor allem Grund- und Oberschule an der Pfotenhauerstraße teilen die gleichen Schwierigkeiten. „In beiden Schulen liegt der Anteil der Schüler, deren Muttersprache nicht deutsch ist, bei mehr als 60 Prozent“, sagt Sozialpädagoge Andreas Kochte-Donath. Die Schüler kämen aus 35 Nationalitäten. Das bringt neben den Sprachproblemen im Klassenzimmer vor allem solche im Elternhaus mit sich. „Die Eltern können ihre Kinder nicht so unterstützen, wie es vom deutschen Schulsystem eigentlich verlangt wird“, sagt Juliana Dressel-Zagatowski, Schulleiterin der Oberschule. Im Klassenzimmer treffen traumatisierte Flüchtlingskinder, die durch eine problematische Aggressionsbewältigung auffallen, auf Kinder aus Elternhäusern, in denen abfällig über andere, ebenfalls in der Klasse vertretene Nationalitäten gesprochen wird. Erschwerend kommt hinzu, „dass viele der deutschen Kinder schon in der fünften Klasse in staatlichen Ersatzfamilien leben, weil ihre Elternhäuser überfordert sind“, wie Kochte-Donath sagt. Aus der Gemengelage ergibt sich zum einen ein viel größerer Betreuungsbedarf als an anderen Schulen. Zum anderen haben beide Schulen trotz vieler gegenläufiger Aktivitäten inzwischen einen so schlechten Ruf, dass viele Eltern weite Umwege in Kauf nehmen, um ihre Kinder nicht dort zur Schule zu schicken.

Die Vorgeschichte

Die Probleme sind schon seit Längerem bekannt. Deshalb sollte die Ansiedlung der Universitätsschule neue Impulse bringen. In einem Modellprojekt sollte die 102. Grundschule zu einer internationalen Schule umstrukturiert werden. Dazu gibt es seit Mai 2017 ein Positionspapier, das aus der Schublade gekramt wurde, als der Stadtrat die Uni-Schule an die Cämmerswalder Straße umleitete. Gleichzeitig hatte das Gremium nämlich einen Konzeptvorschlag vom Schulverwaltungsamt gefordert, wie der Schulstandort Johannstadt weiterentwickelt werden könnte. Den haben beide Schulen auf Grundlage des Grundschul-Papiers in wenigen Wochen intensiver Arbeit entwickelt. „Eine Super-Geschichte“, lobte Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) bei einer Einwohnerversammlung am Montagabend. In deren Ergebnis kommt das Papier mit kleineren Ergänzungen nun in den Stadtrat. Der Ortsbeirat Altstadt hat zudem beschlossen, es in das stadtweite Entwicklungskonzept Insek aufzunehmen.

Die Forderungen

Sie gliedern sich in sechs Bereiche und sind teils sehr weitgehend. Im Grunde geht es vor allem darum, bauliche Missstände – etwa die undichte und hoffnungslos veraltete Turnhalle der Grundschule – zu beseitigen und mehr aus dem Campus der beiden benachbarten Schulen zu machen. Oberschuldirektorin Dressel-Zagatowski schwebt zudem ein bauliches Highlight vor, vielleicht in Form einer Glasbrücke, das eine neue, positiv besetzte Identität schaffen soll. Außerdem werden innovative Raumkonzepte gefordert, die etwa das Teilen und Zusammenlegen von Klassen erleichtern.

Inhaltlich ist vor allem der Freistaat verantwortlich, bei dem sich OB Dirk Hilbert (FDP) für die Ideen der Schulen einsetzen soll. Dabei geht es vor allem darum, den Pädagogen passende Rahmenbedingungen für ihre schwierige Arbeit zu geben. Zuallererst sollen Klassen in der Oberschule von 28 auf 24 Kinder begrenzt werden. Auch die Schulsozialarbeit soll aufgestockt werden. Zudem sollen Weiterbildungsmöglichkeiten geschaffen sowie Sprach- und Kulturmittler angestellt werden.

Außerdem wird die leichtere Anerkennung und Qualifizierung im Ausland gemachter Pädagogen-Abschlüsse gefordert. „Wir brauchen Lehrer aus den Herkunftsländern unserer Schüler“, sagt Direktorin Dressel-Zagatowski. Diese könnten leichter mit den Eltern kommunizieren und die Identität der teils traumatisierten Kinder stärken. Derzeit arbeiten ein türkischer und ein arabischer Lehrer an der Schule, beide in DaZ-Klassen, in denen Migranten Deutschkenntnisse vermittelt werden und beide, so wie Dressel-Zagatowski sagt, mangels Anerkennung ihrer Abschlüsse ohne faire Bezahlung.

Von Uwe Hofmann

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