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Lokales Jedes zweite Unfallopfer in Dresden ist ein Radfahrer
Dresden Lokales Jedes zweite Unfallopfer in Dresden ist ein Radfahrer
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08:09 07.10.2017
Eine betrunkene Autofahrerin hatte im Frühjahr eine Radlerin auf dem Bischofsweg angefahren und schwer verletzt. Radler sind selten in Unfälle verwickelt. Wenn doch, erleiden sie oft Verletzungen.  Quelle: Archiv/Roland Halkasch
Dresden

23 Falschradler haben Polizisten der Dresdner Fahrradstaffel am Donnerstag auf der Marienbrücke erwischt. Innerhalb einer Stunde. Man könnte das für einen traurigen Spitzenwert halten, für Polizeipräsident Horst Kretzschmar ist es Alltag. Das ist eine Erkenntnis aus der zweiten öffentlichen Sitzung des Kriminalpräventiven Rats im Plenarsaal des Rathauses. Dazu hatte das Gremium, das einen regelmäßigen Austausch zwischen Stadt, Polizei und weiteren Akteuren über Fragen der Ordnung und Sicherheit organisiert, nach einer ersten öffentlichen Veranstaltung geladen, bei der viele Fragen zum Verkehr im Allgemeinen und Radfahrern im Besonderen offen blieben.

Dass es sich um ein gravierendes Problem handelt, machte Kretzschmar eingangs deutlich. Demnach sind Radler zwar an nur acht Prozent aller Unfälle in Dresden beteiligt, gehören aber bei fast der Hälfte aller Unfälle mit Personenschaden zu den Geschädigten. In absoluten Zahlen: 1316 Unfälle mit Radlern hat es 2016 gegeben, bei 1026 trugen die Radfahrer Verletzungen davon. „Deswegen konzentrieren wir uns auch auf sie“, sagte Kretzschmar. Etwa mit der zwölfköpfigen Fahrradstaffel, die aus mit Pedelecs ausgerüsteten Verkehrspolizisten besteht.

Über 1000 verletzte Fahrradfahrer

Das müsse man relativieren, meint Dresdens Radverkehrsverantwortliche Nora Ludwig. Gemessen an der Vielzahl Dresdner Radfahrer nehme sich die Zahl der Unfälle gering aus. Drei im vergangenen Jahr bei Unfällen in Dresden verstorbene Radler, dazu 160 Schwer- und 863 Leichtverletzte sind jedoch zu viel. „Wenn man die absoluten Zahlen sieht, vergeht einem die Lust, sich auf den Sattel zu setzen“, sagte Kretzschmar.

Er hat drei Kardinalsünden ausgemacht, auf die Verkehrspolizisten bei fortgesetzten Kontrollen das Hauptaugenmerk legen: Das Fahren in der falschen Richtung, bei Ampelrot und ohne Beleuchtung in der Dunkelheit. Zahlen der Fahrradstaffel belegen das. So wurden bei Kontrollen im vergangenen Jahr 534 Falschfahrer erwischt, 203 Radler saßen auf einem technisch mangelhaftem Rad, 185 fuhren trotz rotem Ampellicht. Hinzu kamen 19 mit dem Handy telefonierende Radler.

Polizei setzt auf Umdenken und Aufklärung

Laut Polizeipräsident Kretzschmar wird bei Kontrollen nicht auf Repression gesetzt. Zum einen hoffen die Radpolizisten auf ein Umdenken bei den Erwischten. „Wir ahnden vor allem Wiederholungstäter“, sagte Kretzschmar. Zum anderen muss die Polizei offenbar echte Aufklärungsarbeit leisten. „Viele sind sich ihrer Rolle als Verkehrsteilnehmer nicht bewusst“, sagte Kretzschmar. So erfahre mancher staunend, dass die Straßenverkehrsordnung auch für Radler gelte, und Gehwege – wenn überhaupt – nicht in beide Richtungen zu befahren sind. Radverkehrsverantwortliche Ludwig will deswegen die Öffentlichkeitsarbeit verbessern. Durch Neueinstellungen im Planungsamt könne man das nun in Angriff nehmen.

Ludwig sieht bei einem Teil der häufigen Vergehen auch die Stadtverwaltung in der Verantwortung. So sei gebe es bei allen Dresdner Brücken Probleme mit der Anbindung an Radwege. „Das wissen wir und da arbeiten wir daran“, sagte sie. Abhilfe soll unter anderem das im Frühjahr beschlossene Radverkehrskonzept schaffen, in dem alle Problemstellen erfasst sind. Darüber hinaus wird an einem Radwegekonzept gearbeitet, das schnelle und sichere Radlerrouten ausweist. Gleichzeitig erhofft sich Ludwig durch ein gemeinsam mit der Technischen Universität Dresden gestartetes Forschungsprojekt neue Erkenntnisse, bei dem in Dresden mit dem Rad zurückgelegte Wege per GPS-Daten von Smartphones erfasst werden. Daraus soll eine Radwegekarte entstehen, die das tatsächliche Bewegungsverhalten der Radler erfasst.

Fußgänger und Radfahrer trennen?

Das gehört nach Meinung von Klaus Kummer vom Seniorenbeirat eingeschränkt. „Fuß- und Radverkehr sind zu trennen“, formulierte er eine nach Einschätzung des Seniorenbeirats häufig von Senioren erhobene Forderung. Was die Radverkehrsverantwortliche Ludwig für eine Errungenschaft hält, nämlich dass die meisten Fußgängerzonen von Radlern befahren werden können, ist für Kummer ein Gräuel. „Zum Beispiel die Prager Straße: Dass dort Radfahrer mitmischen können, das muss man doch schon hinterfragen“, sagte er. Wenn Radfahrer geschützt werden müssen, weil sie anders als Autofahrer keine Knautschzone haben, so gelte das für Fußgänger erst recht.

Unklar ist, wie mit Pedelecs und E-Bikes verfahren werden soll. „Die Geschwindigkeit der Radfahrer ist immens hoch, hat mit dem, was vor 20 Jahren üblich war, nichts mehr zu tun“, sagt Polizeipräsident Kretzschmar. Es fehle an Regelungen des Bundes, wie mit den modernen Gefährten rechtlich zu verfahren sei.

Von Uwe Hofmann

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