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Lokales Ist das der Neustädter Markt 2050?
Dresden Lokales Ist das der Neustädter Markt 2050?
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06:18 15.02.2019
Der Siegerentwurf zeigt, wie eine mögliche Bebauung des Neustädter Markts aussehen könnte. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Architekten und Planer aus verschiedenen Ländern haben ihre Ideen für eine mögliche Bebauung des Neustädter Markts und Königsufers Dresdnern und einer Fachjury präsentiert – der Siegerentwurf von Professor Bernd Albers, Architekt in Berlin und dem in Berlin und Zürich ansässigem Landschaftsarchitekten Professor Günther Vogt hat den Wettbewerb um freiraum- und städteplanerische Ideen für Dresdens letztes unbebautes Filetstück gewonnen.

Die aktuelle Bebauung um den Neustädter Markt und das Königsufer ähnelt einem Streifzug durch die Geschichte. Vom Blockhaus über das Narrenhäusel bis zum Hotel Bellevue und die Häuserzeile der Hauptstraße vereint das prominente Dresdner Fleckchen verschiedenste Baustile auf engem Raum – eine große Herausforderung für die Planer.

„Der Siegerentwurf vermittelt ein schlüssiges Gesamtbild zwischen neu und alt“, gibt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Die Grünen) das Juryurteil wieder. Außerdem habe der Entwurf mit einer ruhigen aber gleichzeitig spannenden Raumkante Richtung Elbufer überzeugt, die durch Höhensprunge interessant wirke. Die Architekten und Jury empfehlen eine zweistufige Entwicklung für die Gestaltung des Neustädter Markts und des Königsufers. Das könnte in der ersten Phase umgesetzt werden:

Zwischen Augustusbrücke und Finanzministerium

Noch handelt es sich bei der Stadt- und Freiraumplanung für das Areal um eine langfristige Vision. Auch wie die Gebäude aussehen könnten, muss in weiteren Architekturwettbewerben entschieden werden. Den konkreten Anfang könnte der Wiederaufbau des Narrenhäusel machen. Der Kaufinteressent arbeite gerade an verschiedenen Entwürfen, die sich an das historische Vorbild anlehnen, bericht Schmidt-Lamontain.

Das Narrenhäusel soll künftig eine Einheit mit dem Gebäude in Rücklage bilden. Quelle: Anja Schneider

Erst wenn der Bauentwurf beschlossene Sache ist, wird das Grundstück verkauft. „Wir wollen sicher sein, dass das Narrenhäusel auch wirklich wiederaufgebaut wird“, sagt der Baubürgermeister. Das Narrenhäusel soll künftig eine Einheit mit dem Gebäude in Rücklage bilden und nicht als Solitär stehen.

Die im Ideenentwurf vorgesehen neu errichteten Gebäude zwischen der Köpckestraße und dem Königsufer sollen sich ebenfalls im Grundriss an ehemalige Gebäude anlehnen – aber mit einem deutlich vergrößertem Innenhof. Der traditionelle Gegensatz „Altstadtufer mit harter Kante und das Neustadtufer landschaftlich auslaufender“ soll beibehalten werden – die Idee von Albers und Vogt sieht etwa historisch angelehnte Pavillons vor.

Rechts der Augustusbrücke könnten historisch angelehnte Gebäude mit Innenhöfen entstehen. Noch weiter rechts (nicht abgebildet) soll eine Gasse als Sichtachse zur Frauenkirche geschaffen werden. Quelle: Anja Schneider

Eine Gasse soll eine direkte Sichtachse von der Köpckestraße auf die Frauenkirche sicherstellen und so Alt- und Neustadt optisch miteinander in Bezug stellen.

Der Jägerhof östlich des Neustädter Markts soll durch ein kleines Gebäude aufgewertet werden. Der Entwurf sieht auch vor, den jetzigen Parkplatz zu bebauen. „Das soll den Boulevard-Charakter der Köpckestraße vom Carolaplatz aus unterstreichen“, sagt die Abteilungsleiterin Innenstadt des Stadtplanungsamts Anja Heckmann.

Der Parkplatz des Jägerhof soll nach der Idee der Architekten bebaut werden. Quelle: Anja Schneider

Für den beliebten Radlerstopp „Augustusgarten“ gibt es noch keine konkreten Pläne. „Der Eigentümer habe aber bereits eine Idee“, gibt Heckmann bekannt.

Zwischen Japanischem Palais und Augustusbrücke

Eine Hotelerweiterung in Richtung des Japanischen Palais wäre möglich, um der auslaufenden Großen Meißner Straße mehr Boulevard-Charakter zu verschaffen. Die Jury merkte in der Konzeptbeurteilung an, es müsse eine Überprüfung stattfinden, wie nah eine Hotelerweiterung an das Japanische Palais heranrücken dürfe.

„Das Blockhaus soll sichtbar bleiben und keine Konkurrenz bekommen“, erklärt Heckmann. Richtung Elbe könnten sich nach Vorstellungen der Planer Gärten anschließen.Die westlich des Blockhauses gelegenen Bürgerhäuser könnten teilweise rekonstruiert werden, um ihre ursprüngliche räumliche Wirkung auf den Neustädter Markt zurückzugewinnen Für Gebäude, die neu errichtet werden könnten, gelte: Sie dürfen nicht höher sein als das jetzige Dach des Hotel Bellevue, sagt Planungsamtmitarbeiterin Christina Eppers

.

Die Augustusbrücke wird aktuell saniert. Von oben ist das Blockhaus zu erkennen, das solitär erhalten bleiben soll. Auch der Inhaber des Augustusgartens hat schon eine Idee (lins der Brücke). Quelle: Jürgen-M. Schulter

In einer zweiten Entwicklungsphase nehmen die Planer Vogt und Albers den Neustädter Markt in den Fokus. Ihre Vision: mit einem barocken Platzraum den Neustädter Markt revitalisieren“. Albers hat bereits an Architekturwettbewerben für die Altstadt in Berlin und den Römer in Frankfurt teilgenommen. Vogt wirkte unter anderem an einem Wettbewerb für die Gestaltung der Außenanlagen des Tate Modern in London mit.

Auf und um den Neustädter Markt

Um dem Neustädter Markt mehr Flair zu verpassen, könnte die Straßenbreite der Großen Meißner Straße und der Köpckestraße verringert werden.

Köpcke- und Große Meißner Straße sollen schmaler werden. So entstünde Platz, den Neustädter Markt weiter zu bebauen, z.B. in Höhe der heutigen Springbrunnen. Quelle: ttr

Die Idee von Albers und Vogt sieht zwei Neubauten auf dem Neustädter Markt vor. „Die Frage ob auf dem Neustädter Markt gebaut wird muss grundsätzlich diskutiert werden“, sagt Schmidt-Lamontain.

Detailansicht einer möglichen Bebauung des Neustädter Markts. Quelle: Anja Schneider

Auch die Jury, die über verschiedene Entwürfe beriet, merkte an, dass eine Bebauung des Neustädter Markts keine kurzfristige Vision sei, sondern intensiv diskutiert werden müsse.

Nach den Ideen des Siegerentwurfs müssten die Brunnen versetzt werden, um eine Bebauung zu ermöglichen. Quelle: Anja Schneider

Nach den Ideen des Siegerentwurfs müssten theoretisch die Brunnen versetzt werden und der Platz erhielte eine klareren Charakter. Außerdem ist Heckmann wichtig, dass die aktuellen Nachkriegsgebäude entlang der Hauptstraße durch eine eventuelle Bebauung nicht in Frage gestellt würden.

Gastronomie, Büros und Wohnen?

Auf einen Zeitplan will sich noch keiner der Beteiligten festlegen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen muss der Bebauungsplan geändert werden, was mehrere Jahre in Anspruch nimmt. Zum anderen liegt nur ein sehr kleiner Teil von Neustädter Markt und Königsufer in städtischer Hand. „98 Prozent der Fläche gehört dem Bund, dem Freistaat oder privaten Eigentümern“, berichtet Matthias Horst vom Architekturbüro „Schubert + Horst“, das den Ideenwettbewerb betreut hat.

Blick auf den Neustädter Markt mit Blockhaus und Goldenem Reiter. Quelle: Dietrich Flechtner

„Die Stadt sieht Regelungsbedarf für diese Areal“, sagt Schmidt-Lamontain. Deshalb habe der Wettbewerb stattgefunden. „Aber wir können niemanden zwingen zu bauen“. Entscheidet sich ein Eigentümer zu bauen, obliegt es ihm Architekturwettbewerbe für den konkreten Hochbau durchzuführen.

Heckmann vom Stadtplanungsamt könnte sich in der exponierten Dresdner Lage Gastronomie, Büros, kleinteiligen Handel und Wohnungen vorstellen. Allerdings dürften die Bewohner nicht zu lautstärkeempfindlich sein oder ein entsprechendes Schallschutzkonzept muss greifen. „Die Filmnächte und Konzerte am Elbufer sollen bleiben“, sagt die Abteilungsleiterin des Stadtplanungsamts.

Visualisierung der möglichen Bebauung und Umgestaltung am Neustädter Markt und Königsufer. Quelle: BERND ALBERS Gesellschaft von Architekten GmbH Berlin mit Prof. Günther Vogt Landschaftsarchitekt

Premiere für umfassende Bürgerbeteiligung

Im März 2018 startete der Wettbewerb zu einer Konzeption für Königsufer und Neustädter Markt. Im September waren das erste Mal interessierte Dresdner aufgerufen, ihre Anmerkungen zu den insgesamt 28 Arbeiten verschiedener Architekten aus Europa abzugeben. Eine Jury aus Fachleuten, Politikern und ausgelosten Bürgern wählte fünf Entwürfe in die nächste Runde, die in einer Bürgerwerkstatt mit 150 Teilnehmern diskutiert wurden.

Dresdner geben ihre Meinung zu den Entwürfen bei der Ausstellung der Modelle ab. Quelle: Dietrich Flechtner

Anfang Februar waren erneut die Dresdner nach ihrer Meinung gefragt. „Von insgesamt rund 600 Dresdnerinnen und Dresdnern haben wir rund 2500 Notizen erhalten“, erklärt Eppers. Die Bürgerempfindungen hätten denen der Jury geähnelt. In 400 ausgefüllten Fragebögen schnitt der nun prämierte Siegerentwurf auch unter den Dresdner Meinungen am besten ab. Gelobt wurden die Blickachsen und der Historische Bezug. Doch auch hier wurde grundsätzliche Kritik an einer eventuellen Bebauung des Neustädter Markts geübt.

Die Kosten für die bisher umfangreichste Bürgerbeteiligung in die Stadtplanung belaufen sich voraussichtlich auf rund 100 000 Euro. Für ein Projekt wie dieses sei das angemessen, betonte Schmidt-Lamontain. Insgesamt könnte das Bürgerbeteiligungsprojekt für Wettbewerbe mit konkreter Bauabsicht beispielgebend sein, sagt Horst.

Ab dem 22. Februar zeigt eine Abschluss-Ausstellung im Zentrum für Baukultur im Kulturpalast neben dem Siegerentwurf auch die anderen Ideen und eine Dokumentation der Bürgerbeteiligung. Die Ausstellung ist dienstags bis sonnabends von 13 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Tomke Giedigkeit

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