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Lokales Investoren klagen über absurde Standards beim Wohnungsbau
Dresden Lokales Investoren klagen über absurde Standards beim Wohnungsbau
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09:38 14.04.2016
Zu Gast bei den Immobilienmanagern: Linke-Fraktionsvorsitzender André Schollbach (3. von links) beim Immobilientag von Heuer Dialog.  Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden.

 Die Landeshauptstadt Dresden braucht bis zum Jahresende zwischen 2800 und 3800 Wohnungen für anerkannte Asylbewerber. Diese Zahl nannte Baubürgermeister Raoul Schmidt Lamontain (Die Grünen) beim Immobilientag von Heuer Dialog. Die Anerkennungsquote der Dresden zugewiesenen Flüchtlinge liege bei 65 Prozent. Die Stadt rechne damit, dass dieses Jahr 5100 dieser Flüchtlinge eine Anerkennung erhalten. „Es werden nicht alle in Dresden bleiben. Aber der Bedarf an Wohnungen wird nicht unerheblich sein“, so der Baubürgermeister.

Trotz aller Bemühungen der vergangenen Jahre, den Wohnungsbau anzukurbeln, sei die Zahl der Wohnungen in Dresden stagniert. 2003 habe es 295 000 Wohnungen gegeben, jetzt liege die Zahl bei 295 400. „Eine hohe Zahl an Wohnungen ist vom Markt weggefallen“, konstatierte der Baubürgermeister. Um dem Bedarf nach Wohnraum gerecht zu werden, müssten bis 2020 15 500 Wohnungen neu gebaut werden, mindestens 2600 pro Jahr.

Die Herausforderung liege darin, bezahlbare Wohnungen anzubieten. 65 000 von 296 000 Haushalten würden die Voraussetzungen für einen Wohnberechtigungsschein erfüllen, 30 000 Haushalte seien auf Hartz IV angewiesen. „Diesen Bedarf kann der freie Wohnungsmarkt nicht abdecken. Hier muss die Kommune nachsteuern“, erklärte Schmidt-Lamontain.

Linke-Fraktionsvorsitzender André Schollbach erläuterte auf dem Immobilientag, an dem vor allem Manager von Immobilienunternehmen und Investoren teilnahmen, die Grundzüge der von der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit geplanten kommunalen Wohnungsbaugesellschaft. Das Unternehmen soll kommunale Grundstücke im Wert von 50 Millionen Euro erhalten, so dass hohe Grundstückskosten kein Problem seien. Eine Woba müsse keine Rendite erwirtschaften, außerdem strebe die Stadtratsmehrheit eine Mischfinanzierung an: „Wohnungen in den oberen Etagen mit einem tollen Blick sollen zu marktüblichen Preisen vermietet werden, die in den unteren Etagen zu geringeren Mieten. Die höheren Standards subventionieren die normalen.“ Als Zielmiete nannte Schollbach einen Betrag von unter sieben Euro pro Quadratmeter.

Das könnten laut Christoph Gröner, Vorstandsvorsitzender der CG Gruppe AG, auch private Investoren anbieten, wenn die Baukosten in Deutschland nicht so immens hoch seien. „Wir werden mit absurden Vorschriften konfrontiert. Das Problem der Kosten werden wir nicht mit Mietpreisbremsen oder zinsgünstigen Krediten lösen.“ Die Zukunft des Bauens liege in der industriellen Vorfertigung von Gebäuden, sagte Gröner voraus. „Wir müssen in der Lage sein, zum halben Preis zu bauen. Die Politik ist gefordert.“

Das bestätigte Thomas Cromm, Vorstand der Revitalis Real Estate AG, die das Prager Karrée am Wiener Platz errichtet. Im Jahr 2000 hätten die Herstellungskosten noch 2200 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche betragen. 2015 seien es schon 3080 Euro gewesen. „Mit dem Jahreswechsel kamen noch einmal 300 Euro dazu, weil die nächste Stufe des Energieeinsparungsgesetzes in Kraft getreten ist“, so Cromm. Um vier Prozent Rendite zu erzielen, müsse er 11,33 Euro Miete pro Quadratmeter kalkulieren. „Das ist für die breite Bevölkerung nicht bezahlbar“, weiß der Projektentwickler.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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