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Lokales Initiative „Kuscheln für den Weltfrieden“ verteilt am Freitag Free Hugs in Dresden
Dresden Lokales Initiative „Kuscheln für den Weltfrieden“ verteilt am Freitag Free Hugs in Dresden
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08:39 01.09.2017
Machen das Kuscheln vor: „Sinnesart“-Inhaberin Maria Buchmüller (r.) und die Sprecherin Linda Wawrzimek.  Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

 ZumWeltfriedenstag werden die Mitarbeiter des Zentrums für Berührungskunst „Sinnesart“ durch die Alt- und Neustadt ziehen, um Umarmungen an Fremde zu verteilen. „Mit der Aktion wollen wir Menschen für das Thema Berührungen im Alltag sensibilisieren“, sagt die Sinnesart-Sprecherin Linda Wawrzimek.

 Liebevolle Berührungen führen im Körper zu Entspannung und der Ausschüttung von Oxytocin und Dopamin, die Angst und Stress abbauen. „In Sachen Kuscheln steckt Deutschland verglichen mit anderen Kulturen noch in der Vorschule“, erklärt die Leiterin der Sinnesartstudios, Maria Buchmüller. Dabei zeigten die Erfahrungen der rund 13 festen und 40 freien Mitarbeiter, dass sinnliche Massagen die Ausgeglichenheit und Toleranz der Kunden steigerten. Seit der Eröffnung 2005 wurden in den Räumen von Sinnesart in Pieschen, Cotta und dem Hechtviertel bereits über 90000 Massagen durchgeführt, unter anderem auch zur unterstützenden Therapie bei Schmerz- und Suchterkrankungen. „Wir sind auf der Suche nach Fördergeldern, um unsere Erfahrungen auch wissenschaftlich zu beweisen“, sagt Buchmüller.

Um den Dresdnern die positiven Wirkungen des Kuschelns näher zu bringen, werden die Mitarbeiter heute und am 9. September am Nachmittag mit der Mission „Free Hugs“ vom Neumarkt über den Altmarkt zur Prager Straße ziehen. Morgen und am 8. September werden sie vom Albertplatz zum Alaunplatz laufen, sowie in der historischen Altstadt unterwegs sein, um Passanten „glücklich zu kuscheln“.

„Berührung ist die älteste Form der zwischenmenschlichen Kommunikation“

Zudem haben die Masseure von Sinnesart in Zusammenarbeit mit Sexualtherapeuten die Liebessprechstunde ins Leben gerufen. Jeden dritten Mittwoch im Monat können Interessierte ihre Fragen zu Liebe und Sexualität anonym im Live-Chat an Experten richten. „Was vielen Erwachsenen jungen Erwachsenen fehlt, ist Erfahrungswissen, das nicht im Biologieunterricht gelehrt wird“, erklärt Buchmüller. Daher fungierte das Massagestudio in einigen Fällen auch schon als Eheretter, wenn die Beziehung einzuschlafen drohte.

Von heute bis 15. September wird die Kuschel-Challenge stattfinden. Über zwei Wochen hinweg erhalten die Teilnehmer per E-Mail kleine Aufgaben, um Streicheleinheiten in ihren Alltag zu integrieren. „Dabei wollen wir uns klar vom Rotlicht-Milieu abgrenzen“, macht Buchmüller deutlich. Zu der Philosophie von Sinnesart gehören ganzheitliche Körpermassagen, wie die Tantrapraxis, aber keine sexuellen Handlungen im engeren Sinn. Trotzdem sieht sich die gelernte Therapeutin und Heilpraktikerin Buchmüller ihr Studio durch das neue Prostitutionsgesetz mit Sperrbezirken in Dresden akut gefährdet. Das Gesetz besagt, das im Umkreis von 200 Metern zu Kindereinrichtungen und religiösen Zentren kein Gewerbe mit Erotik bestehen darf. Buchmüller hofft auf eine Ausnahmeregelung für „nichtsichtbares Gewerbe“, um einem Umzug zu entgehen.

„Berührung ist die älteste Form der zwischenmenschlichen Kommunikation, seit jeher umarmen wir Traurige“, sagt die Inhaberin von Sinnesart. Warum zwischenmenschliche Berührungen in Deutschland so rapide abgenommen haben, ist unklar. Mögliche Gründe könnten ein gestiegenes Hygienebedürfnis und gesellschaftliche Konventionen, wie Händedruck statt Küsschen“ sein. Mit Massagen oder Seminaren für Singles oder Paare möchte Sinnesart vielen Menschen die Kunst der Berührung wieder näher bringen, „denn wir streichen zu oft über die Displays unserer Smartphones, statt über menschliche Haut“, sagt Wawrzimek. Dafür sucht das Studio aktuell noch homosexuell orientierte Männer.

Mehr Informationen über die Aktion „Kuschel dich glücklich“ sind unter www.sinnesart-seminarzentrum.de verfügbar.

Von Tomke Giedigkeit

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