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Lokales Info-Abend zur denkmalgeschützten 49. Grundschule Dresden: Stadt versprach unhaltbaren Sanierungsbeginn
Dresden Lokales Info-Abend zur denkmalgeschützten 49. Grundschule Dresden: Stadt versprach unhaltbaren Sanierungsbeginn
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20:33 09.09.2015
Bernhard Sterra vom städtischen Denkmalamt überraschte Schulleiter Uwe Schmidt (l) mit einer Denkmal-Tafel für die 49. Grundschule. Quelle: Tanja Tröger
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Die Bauplanungen stehen noch ganz am Anfang. Selbst ohne den Denkmalschutz-Status hätte die Modernisierung nicht, wie ursprünglich angekündigt, in den Sommerferien 2014 gestemmt werden können.

In einem einleitenden Fachvortrag erläuterte Historiker Daniel Fischer den Eltern und Lehrern, was die vermeintlich unbedeutende Neubau-Schule vom Typ „Dresden Atrium“ zu einem schützenswerten Objekt macht. Staunen sogar bei Schulleiter Uwe Schmidt: Seit 30 Jahren arbeite er in solchen Plattenbauten, aber noch nie habe er deren Besonderheiten so intensiv wahrgenommen, sagte der Direktor. Während die meisten Eltern Verständnis und Zustimmung äußerten, kritisierte ein Vater die Entscheidung der Experten. „Sie unterstellen ein öffentliches Interesse“, meinte er. Michael Müller vom sächsischen Landesamt für Denkmalpflege argumentierte, dass neben der architektur- und sozialgeschichtlichen Bedeutung des Baus auch die Menge von 122 Atrium-Schulen im Bezirk Dresden und der weitgehend ursprüngliche Zustand der 49. Grundschule für die Auswahl als Kulturdenkmal gesprochen hätten.

Städtische Ämter: „Wir sind eigentlich ein paar Wochen zu früh hier“

Viel mehr interessierte die Eltern jedoch, wie es nach der Unter-Schutz-Stellung im Oktober 2013 weitergeht. An der dringenden Sanierungsbedürftigkeit des Gebäudes, vor allem der maroden Fassade, der Fenster und der stinkenden Toiletten, ändert schließlich auch der Denkmalstatus nichts. Immer wieder fragten die Mütter und Väter deshalb nach Terminen und Zeitrahmen. Genauso oft betonten Denkmalschützer, Architekten, Schulverwaltungs- und Hochbauamt, dass sie noch keine konkreten Daten nennen könnten. „Wir sind eigentlich ein paar Wochen zu früh hier“, sagte Ines Neumer vom Hochbauamt, das im Dezember informiert wurde. Weil die Schule Kulturdenkmal sei, müsse zunächst untersucht werden, was wie erhalten werden soll und was verändert werden kann. Vor wenigen Tagen erst ist der Architekt Jörg Möser damit beauftragt worden. In enger Abstimmung mit den Historikern werde er die Richtlinien für die denkmalgerechte Modernisierung erarbeiten. Danach könne mit der Zeit- und Budgetplanung begonnen werden. „Wir befinden uns am Anfang eines Prozesses und bitten Sie um Geduld“, warb auch Bernhard Sterra vom städtischen Amt für Kultur und Denkmalschutz um Verständnis.

Hochbauamt: Sanierung im Sommer 2014 wäre unrealistisch gewesen

Mit einer konkreten Aussage überraschte Ines Neumer vom Hochbauamt dann doch alle Beteiligten: Auch wenn die 49. nicht zum Kulturdenkmal erklärt worden wäre, sei eine Sanierung in den Sommerferien 2014 nicht machbar gewesen. Diesen Termin hatte die Stadtverwaltung genannt, nachdem der Stadtrat im Herbst 2,5 Millionen Euro für die energetische Sanierung der Schule bereitgestellt hatte. Für einen so schnellen Baubeginn wäre die Planungszeit zu kurz gewesen, so Neumer. Das Geld werde aber nicht verfallen, versprach Daniel Ehlig, Sachgebietsleiter Schulbauten im Schulverwaltungsamt.

Ines Neumer (M) vom Hochbauamt und Daniel Ehlig (r), Sachgebietsleiter Schulbauten im Schulverwaltungsamt, wurden mit Fragen gelöchert. Quelle: Tanja Tröger
Dass die 2,5 Millionen Euro ausreichen, um das denkmalgeschützte Gebäude komplett zu sanieren, ist höchst unwahrscheinlich. Die Sanierung der 106. Grundschule habe beispielsweise etwa 5 Millionen verschlungen, so Schulleiter Schmidt gegenüber DNN-Online. Schulbauexperte Ehlig versprach aber auch, dass es keine abgespeckte Sanierung geben werde, wenn das Geld nicht reicht. Die erhofften zusätzlichen Geldquellen für die Denkmalsanierung hätten sich allerdings nicht aufgetan.

Sinnvolle Kompromisse erwartet

Der Informationsabend brachte alle beteiligten Ämter, Experten, Lehrer und Eltern erstmals zusammen, die Teilnehmer konnten drängende Fragen loswerden und diskutieren. Dass sowohl Architekt Möser als auch die Denkmalschützer wiederholt betonten, bei der Sanierung solle kein totes Museum, sondern ein modernes, gut nutzbares Gebäude entstehen, lässt gute Kompromisse erwarten. Auch für die viel zu kleine Turnhalle werde sich eine Lösung finden. Zwar umfasse der Denkmalschutz auch die Halle, aber es müsse sich noch zeigen, ob es sinnvoll sei, sie zu erhalten, sagte Landesdenkmalpfleger Müller.

In einem Vierteljahr wollen sich Ämter, Eltern und Lehrer wieder zusammensetzen – „dann sind wir schlauer“.

ttr

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