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Lokales Infinus-Skandal: Behördenweiten Ermittlungen aus
Dresden Lokales Infinus-Skandal: Behördenweiten Ermittlungen aus
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20:34 09.09.2015
Von Reiner Richter
Das Klingelschild von Infinus in Dresden: Die Firma hatte alle Vorwürfe zurückgewiesen. Quelle: Sebastian Kahnert

Mittlerweile sind weitere Beschuldigte ins Visier der Ermittler geraten. Wann eine Anklage erhoben werden kann, ist derzeit aber noch unklar.

Im Finanzskandal rund um die Dresdner Finanzgruppe Infinus kommen auch rund zwei Monate nach einer bundesweiten Razzia neue Details ans Licht. Mittlerweile gibt es Ermittlungen gegen insgesamt zehn Beschuldigte. Der Verdacht lautet in allen Fällen Anlagebetrug. In Verkaufsprospekten für Wertpapiere sollen falsche Angaben zur Vermögens- und Ertragslage gemacht worden sein. Unter anderem geht es um Geschäfte mit Goldsparplänen.

Sechs Verdächtige sitzen bereits seit November in Untersuchungshaft. Mittlerweile hat sich die Zahl der Beschuldigten auf zehn erhöht. Bei den zwei Beschuldigten, die nun hinzugekommen sind, handelt es sich laut Recherchen der Sächsischen Zeitung um einen Dresdner Steuerberater und einen Wirtschaftsprüfer aus Nürnberg. Zudem sollen sich die Forderungen der Gläubiger laut dem Bericht inzwischen auf rund eine Milliarde Euro belaufen, womit sich der Fall zu einem der größten Finanzskandale in Deutschland ausweitet.

Den Verdächtigen wird vorgeworfen, bei der Ausgabe von Orderschuldverschreibungen falsche Angaben zur Vermögens- und Ertragslage von Emittenten gemacht zu haben. Es geht nach Angaben der Dresdner Staatsanwaltschaft um mindestens 400 Millionen Euro, das Geld von 25 000 Anlegern. Das Unternehmen soll die Kunden beim Vertrieb von riskanten Geldanlagen betrogen haben. Geprüft wird unter anderem, ob es dabei ein sogenanntes Schneeballsystem gab, das heißt, Zahlungen an Anleger durch die Einlagen von Neukunden finanziert worden sind. "Wir glauben, dafür Anhaltspunkte zu haben", sagte der Dresdner Oberstaatsanwalt Lorenz Haase. Die Ermittlungen würden aber sicher noch "einige Zeit in Anspruch nehmen". Laut Haase wurde ein Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben, mit dem das Finanzgebaren und die Zahlungsflüsse in dem Fall durchleuchtet werden sollen. Dieses Gutachten müsse abgewartet werden und zeigen, ob sich die Vorwürfe bestätigten.

Das Ganze war im vorigen Jahr mit einer anonymen Anzeige ins Rollen geraten, woraufhin die Staatsanwaltschaft den Fall prüfte und Vorermittlungen aufnahm, was schließlich in die Durchsuchung mehrerer Büros der Infinus-Gruppe Anfang November mündete. Dabei wurden Beweismaterial und Vermögenswerte beschlagnahmt, sämtliche Konten wurden gesperrt. Daraufhin meldeten mehrere Firmen, darunter die MAS Finanz AG, die MAS Vermögensverwaltungs GmbH, die Prosavos AG und die Future Business KgaA (FuBus), Insolvenz an. Inzwischen sind aus dem Firmengeflecht von Infinus gegen 17 Unternehmen vom Amtsgericht Dresden vorläufige Insolenzverfahren angeordnet worden.

Infinus hatte noch im November 2013 sämtliche Vorwürfe zurückgewiesen. Vorstandsmitglied Kewan Kadhodai zeigte sich "ratlos" und bezeichnete die Vorwürfe als "haltlos und durch nichts zu begründen". Er teilte nach der Razzia mit: "Gerade in so einem sensiblen Bereich wie dem unseren ist es unausweichlich, nicht nur absolut auf dem Boden der Gesetze, sondern auch aufs Engste mit den zuständigen Behörden wie beispielsweise auch der BaFin zusammenzuarbeiten."

Die Infinus-Gruppe ist ein Verbund von Firmen, die aus Gründungen von ehemaligen Versicherungsmaklern aus dem Raum Dresden hervorgegangen sind. Als Emissionshaus, Haftungsdach für mehr als 2500 freie Anlagevermittler und Allfinanzvertrieb mit konzerneigenen und fremden Produkten hatte sich das Unternehmen bundesweit einen Namen gemacht. Nach einem Bericht der Online-Ausgabe des Fachmagazins Fonds-professionell kämpft das Infinus-Haftungsdach indes mit einem Vermittlerschwund. Seit der Razzia seien mehr als 120 Infinus-Vermittler bei der Finanzaufsicht BaFin abgemeldet worden, heißt es. Derzeit arbeiteten noch rund 750 Vermittler für das Haftungsdach.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 14.01.2014

Romy Richter

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