Volltextsuche über das Angebot:

24 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Ines Geipel spricht in Dresden über das staatliche Doping-System in der DDR

Zeitgeschichte Ines Geipel spricht in Dresden über das staatliche Doping-System in der DDR

Prof. Ines Geipel, Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe e.V. (DOH) kommt am 13. März nach Dresden zu einer Veranstaltung über staatliches Doping in der DDR. Gegenüber DNN erklärt sie, warum auch 25 Jahre nach der Wende noch immer viele Menschen unter den Machenschaften zu DDR-Zeiten leiden.

Voriger Artikel
Reaktion auf Morddrohungen und Beleidigungen gegen Dresdner OB Hilbert
Nächster Artikel
"Forum Frauenkirche" im MDR-Livestream

Ines Geipel ist heute Schriftstellerin und Professorin an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ .

Quelle: Foto: Archi/dpa

Dresden. Prof. Ines Geipel, Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe e.V. (DOH) kommt nach Dresden zu einer Veranstaltung über staatliches Doping in der DDR. Gegenüber DNN erklärt sie, warum das Thema mehr als 25 Jahre nach der Wende noch immer aktuell ist und wie Menschen weiterhin unter den Machenschaften zu DDR-Zeiten leiden.

Wie schätzen Sie die Situation der Doping-Opfer ein, widerfährt ihnen heute seitens des Staates ausreichend Fürsorge?

Für die übergroße Zahl der Dopingopfer ist die Lebenssituation katastrophal. Die Schäden sind drastisch und multipel: von Organschäden, Skelettschäden, schweren psychischen Schäden, Tumoren bis hin zu Schäden in der zweiten Generation. Auch die Todesliste ist lang und steigt stetig. Die DDR hatte 1974 ein Zwangsdopingsystem etabliert und an die 15 000 Kinder und zumeist Jugendliche mit männlichen Sexualhormonen gedopt, das alles konsequent ohne jede Aufklärung. Entsprechend groß ist das Desaster. Die Wunde blüht heute erst auf.

Wie bewerten Sie in diesem Zusammenhang die Einrichtung des zweiten Hilfsfonds, um welche finanziellen Mittel geht es dabei und welche Probleme sehen Sie bei dem Fonds gegebenenfalls noch?

Das Zweite Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz ist nach einem langem Kampf des DOH im Sommer 2016 von der Bundesregierung verabschiedet worden. Es sieht Hilfen in Höhe von 10,5 Millionen Euro an 1000 Geschädigte vor. Das heißt, der Einzelne hat ein Anrecht auf 10 500 Euro. Der Fonds ist gut und richtig, aber nicht genug. Kaputte Körper und Seelen brauchen nachhaltige Hilfen. Deshalb ist eine politische Rente für die Opfer absolut dringend.

Was kann die Veranstaltung in Dresden für die Doping-Opfer leisten, was erwarten Sie einmal von der Veranstaltung mit der Podiumsdiskussion und vom anschließenden Beratungstag für die Doping-Opfer. Gibt es da Erfahrungen von ähnlichen Veranstaltungen?

Die Doping-Opfer-HIlfe veranstaltet in Kooperation mit den Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen an allen ehemaligen DDR-Sportzentren diese Art von Informationsveranstaltung. Da das DDR-Staatsdoping konspirativ war und oft mit viel Druck, Gewalt und Sadismus durchgesetzt wurde, ist der Aufklärungsbedarf nach wie vor immens. Es gibt noch immer viel Scham und auch viele Ängste im Hinblick auf dieses Thema. Diese Veranstaltungen helfen, genau das abzubauen. Alle, die in diesem System harsche Erfahrungen gemacht haben, haben ein Recht auf Unterstützung, sowohl was die Entschädigung angeht, aber auch in medizinischer oder juristischer Hinsicht. Aber zuallererst geht es um Vertrauen.

Womit kann jemand bei dem Beratungstag rechnen, der sich gegebenenfalls als Doping-Opfer sieht? Oder anders gefragt, nutzen nicht inzwischen alle möglicherweise Betroffenen so viele Jahre nach der Wende längst Beratungsangebote?

Die DDR-Geschichte mag alt sein, aber ihre Schäden sind überaus aktuell. Wir sind mittendrin in der Evaluierung. Im Jahre 2000 gab es 19 Doping-Opfer, das 1. Doping-Opfer-Hilfegesetz hatte 194 Personen entschädigt, jetzt sprechen wir beim zweiten Doping-Opfer-Hilfegesetz – DOHG – von 1000 Neufällen und ein Ende ist nicht abzusehen. Experten sprechen schon jetzt von 5000 Betroffenen. Für diese Beratungen braucht es spezielle Kenntnisse, des Dopings, der DDR-Geschichte, von Krankheitsgenesen und den Möglichkeiten deutscher Behörden. Aber zuerst und im Kern geht es immer um die einzelne, konkrete Geschichte. Der gilt es gerecht zu werden.

Vortrag und Opferberatung

Prof. Ines Geipel ist heute Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe e.V. Zu DDR-Zeiten war die gebürtige Dresdnerin Weltklassesprinterin beim Sportclub Motor Jena. Weil ihr DDR-Rekord bei der 4x100-Meter-Staffel durch Doping zustande gekommen war, ließ sie inzwischen ihren Namen aus der Rekordliste streichen. Bei einer Veranstaltung , findet in der Gedenkstätte ein Beratungstag für Doping-Opfer mit Beratern des Doping-Opfer-Hilfe e.V. statt. Hier können sich Interessenten zwischen 10 und 16 Uhr beraten lassen.


www.bautzner-strasse-dresden.de

Von Ingolf Pleil

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Lokales
27.06.2017 - 08:33 Uhr

Sicherheitsbehörden können die Absicherung des Spiels aufgrund des G-20 Gipfels in Hamburg nicht gewährleisten

mehr
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
Wettersponsor

Das Wetter in und um Dresden präsentiert Ihnen die Toskana-Therme Bad Schandau.