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In Dresden werden Trabis zu e-Flitzern

e-Mobilität In Dresden werden Trabis zu e-Flitzern

In Weixdorf wird die Vergangenheit neu belebt: Matthias Bähr verwandelt kultige Trabis in innovative e-Flitzer. Begonnen hat alles als Hobby in der heimischen Garage. Nun finden seine umgerüsteten Trabis deutschlandweit neue Besitzer.

Mit dem Bausatz von Citysax kann das eigene Auto mit Verbrenner-Motor zum e-Flitzer werden

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. In Weixdorf wird die Vergangenheit neu belebt: Matthias Bähr verwandelt kultige Trabis in innovative e-Flitzer. Begonnen hat alles als Hobby in der heimischen Garage. Nun finden seine umgerüsteten Trabis deutschlandweit neue Besitzer.

Wie für viele Menschen hat auch für Bähr die Wende eine ganz neue berufliche Orientierung hervorgebracht. Der gelernte Flugzeugmechaniker fand sich nach dem Fall der Mauer durch verschiedene Zufälle plötzlich als Eigentümer einer Gebäudereinigung wieder. Für seine Reinigungskräfte schaffte er 2003 elektrische Citroens an. Es war die Zeit, als es die ersten e-Autos auf die Straße schafften, berichtet der 56-jährige Bähr. Doch dem elektrischen Auto wurde keine glorreiche Zukunft prognostiziert und auch die Fördermittel blieben aus.

Doch Bähr merkte schnell, dass die Nachfrage nach e-Autos keineswegs nachließ. Im Gegenteil: 2003 meldete der Geschäftsmann eine e-Autovermietung an, die elektrische Citroens unter anderem an den Frankfurter Flughafen vermietete.

Die e-Motor Entwicklung erfolgte in der eigenen Garage

Nachdem Citroen die Produktion eingestellt hatte und wieder auf klassische Verbrenner setzte, musste eine Lösung her, wenn der Dresdner weiter auf eine elektrische Autoflotte seiner Gebäudereinigungsfirma bauen wollte. Zusammen mit Dirk Hunnecke und Dieter Schulze tüftelte das Trio nach Feierabend in Garagen an einer Möglichkeit herkömmliche Verbrennermotoren gegen e-Motoren auszutauschen. Im Jahr 2009 war das erste e-Auto aus Dresden produktionsreif. Der „Citysax“ ist ein umgerüsteter Chevrolet Matiz, bei dem der Verbrennermotor durch eine Adapterplatte mit E-Motor ersetzt wurde. Bis 2011 wurden 23 Stück produziert.

Bähr und sein Team mussten sich entscheiden: Entweder alles auf die Produktion des Citysax setzten oder an Sonderanfertigungen für Autofans tüfteln. Die Entscheidung nahm Bähr die deutsche Bürokratie ab. Um als Autohersteller ein zugelassenes Fahrzeug produzieren zu können, braucht es vor allem viel Geld für die anfallenden Versicherungsprämien. Das war das Ende der Citysax-Produktion und der Anfang vieler Umbauten für Autofans.

Bisher hat Bährs Team sieben Trabis den e-Antrieb eingebaut

Neben Geländewagen und Liefertransportern wurden in Dresden seit 2012 bisher sieben Trabis auf e-Antrieb umgestellt. Der e-Antrieb für das DDR-Auto kostet rund 10 000 Euro, das ist etwa genauso teuer, wie ein gebrauchtes e-Auto beim Händler. Für Bastler hat Bähr ein DIY-Paket parat, mit dem der eigene Trabi in der Garage umgerüstet werden kann.

Bevor es auf die Straße geht, muss der Trabi zum TÜV. Mittlerweile ist die hiesige Dekra durch Bährs Tätigkeit auf umgerüstete e-Autors spezialisiert und wird von Prüfern in der ganzen Republik zu Rate gezogen. Nach dem Umbau weicht der typische Trabi-Sound der Stille. Der e-Motor wird unter der Motorhaube verbaut. Mit einer zusätzlichen Batterie im Kofferraum kommt der Trabi mit einer Ladung etwa 100 Kilometer weit – bei einer Höchstgeschwindigkeit von 100 Km/h.

Auf langen Strecken wird der Wohnwagen zum Batterielager

Mit seinem e-Trabi hat Bähr auch schon die Alpen bezwungen. Sein Trick: Im Wohnwagen hat der Tüftler eine zweite Batterie eingebaut, um die Reichweite zu erhöhen.

„Deutschland holt gerade auf“ beschreibt Bähr die Lage auf den Straßen. Fast hätten die Autohersteller den gleichen Fehler begangen, wie einst Nokia mit den Smartphones, zieht der gelernte Flugzeugtechniker den Vergleich. „Die dachten auch, das Smartphone würde sich nicht durchsetzen“. Aber das e-Auto wird die gleiche Karriere hinlegen wie die Smartphones, prophezeit der Trabiliebhaber Bähr.

Von Tomke Giedigkeit

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