Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales In Dresden grassiert die Bienenseuche
Dresden Lokales In Dresden grassiert die Bienenseuche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:55 06.02.2018
Amerikanische Faulbrut der Bienen. Das Foto zeigt die sogenannte Streichholzprobe, bei der der zersetzte Brutzelleninhalt - ehemalige Bienenmaden - als schleimige Masse erkennbar wird. Quelle: Dr. Christoph Otten

Um die Gesundheit der Bienen ist es in Dresden schlecht bestellt. Denn bislang hat man die Amerikanische Faulbrut der Bienen – eine gefährliche Bienenseuche – offenbar nicht im Griff. Das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt der Stadt Dresden selbst spricht von einem „massiven Ausbruchsgeschehen“. Derzeit würden im Stadtgebiet neun aktive Sperrbezirke existieren. „Bienenverluste rühren aber auch aus Bienenkrankheiten wie die Varroose her, diese Milbenerkrankung ist zumeist die Ursache für Völkertotalverluste.“

Imkerverein: Vier Sanierungsmaßnahmen zu wenig

Auf DNN-Anfrage antwortet die Stadt, dass im vergangenen Jahr 89 klinisch positive Befunde bei der Untersuchung auf Amerikanische Faulbrut erhoben worden seien. „Diese Fälle traten bei 4 Imkern auf.“ Und: „Sanierungen bei einzelnen Imkern in den Sperrbezirken führen nicht zum gewünschten Erfolg der Keimfreiheit der Bienenvölker, es müssen in den Sperrbezirken simultan ablaufende, groß angelegte Sanierungsmaßnahmen bei allen Imkern eines Sperrbezirkes durchgeführt werden.“ Vier große Sanierungen aller vorhandenen Sperrbezirke seien geplant.

Sperrbezirke in Dresden aufgrund der Amerikanischen Faulbrut - einer Bienenseuche. Stand 2.2.2018 in Dresden. Quelle: Themenstadtplan Dresden

„Die reichen nicht“, ist Tino Lorz, Vorsitzender des Imkervereins Dresden e.V. überzeugt. Aus Sicht des Vereins werde es „neun große Sanierungswochenenden in diesem Jahr geben“ und es sei in diesem Jahr eine „massive Kraftanstrengung“ erforderlich, um noch die Kurve zu bekommen. Aber der Imkervereinschef ist froh, dass jetzt amtlicherseits endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden. Denn „das vergangene Jahr hat das Veterinäramt nahezu ungenutzt verstreichen lassen“. Er vermutet, dass das „personell dünn besetzte Amt angesichts anderer Seuchen wie der Geflügelpest einfach überfordert war und der Bekämpfung der Bienenseuche nicht genügend Priorität eingeräumt wurde“. Ähnlich äußerte sich Konrad Geipel, Obmann für Bienenweide beim Landesverband Sächsischer Imker e.V., gegenüber DNN.

„In einem zum Sperrbezirk erklärten Gebiet muss das Veterinäramt zu jedem Imker gehen und von jedem Bienenvolk Proben entnehmen und untersuchen. Erst dann weiß man genau, wie viele Völker mit Sporen belastet bzw. erkrankt sind und die Imker können handeln. Diese Untersuchungen sind 2017 nur lückenhaft geschehen“, konkretisiert Lorz. „Deshalb gab es Ende des vergangenen Jahres große Proteste.“ Viele Imker hätten Dienstaufsichtsbeschwerden gestellt.

Amerikanische Faulbrut der Bienen. Das Foto zeigt die sogenannte Streichholzprobe, bei der der zersetzte Brutzelleninhalt - ehemalige Bienenmaden - als schleimige Masse erkennbar wird, so Dr. Christoph Otten, Fachzentrum Bienen und Imkerei des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum Westerwals-Osteifel. Quelle: Dr. Christoph Otten

Ende Januar fand im Plenarsaal des Dresdner Rathauses ein Meeting zur Situation der „Amerikanischen Faulbrut“ in Dresden statt. „Jeder, der in Dresden Bienen bewirtschaftet, war persönlich eingeladen und das Angebot wurde gut angenommen, das heißt der Saal war voll“, berichtet Konrad Geipel. Veterinäroberrat Meißner habe die Veranstaltung eröffnet, „und bei dieser Gelegenheit wurden auch die vorgesehenen Termine für die einzelnen Sperrbezirke bekannt gegeben.“

Meilenstein bei der Sanierung

„Die Termine hatte der Imkerverein Dresden e.V. vorgeschlagen. Die Bienensachverständigen haben mit dem Amt die Termine bestätigt“, sagt Lorz. „Diese Absprache zwischen Amt und den Praktikern ist endlich der Meilenstein bei der Sanierung“, findet Geipel. „Immerhin ist die Seuche seit Mitte 2016 bekannt.“

„Im März finden nun in allen Sperrbezirken die Beprobungen statt. Im April werden die Ergebnisse vorliegen und dann starten die Sanierungen. Los geht es am ersten Mai-Wochenende in Cossebaude/Mobschatz/Briesnitz. Vom 25. bis 27. Mai ist die Hellersiedlung dran“, so Tino Lorz.

Amerikanische Faulbrut der Bienen (AFB). Das Foto zeigt eine nach einem AFB-Befall veränderte Brutwabe mit lückenhafter Brutfläche und löchrigen Zelldeckeln. Quelle: Dr. Christoph Otten

Der Dresdner Imkerverein hat sich mittlerweile – unterstützt von den Mitgliedern und durch Sponsoren – die nicht eben billige Ausrüstung für drei Sanierungsstrecken angeschafft. Denn die Sanierung der Bienenvölker sei sehr aufwändig. Möglich sei dies auch nur bei Völkern, die lediglich durch Sporen infiziert seien. „Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, bleibt zu dieser Jahreszeit nur, das Volk zu töten“, erklärt Imker Tino Lorz.

Auskochen der Gerätschaften zur Desinfizierung reicht nicht

Wie geht nun eine solche Sanierung vor sich? „Wichtig ist, die Beuten, Rähmchen und Werkzeuge aller betroffenen Imker eines Sperrbezirkes auf einen Schlag zu desinfizieren. Dafür kommen alle an einem Platz zusammen. Teilweise müssen die Beuten ausgebrannt werden, Rähmchen und sämtliche Imkergerätschaften werden mit Ätznatronlauge ausgekocht. Denn ein einfaches Auskochen mit Wasser reicht nicht. Die Sporen der Amerikanischen Faulbrut sind extrem widerstandsfähig“, erklärt Tino Lorz.

Für die groß angelegten Aktionen sucht der Imkerverein noch 20 freiwillige Helfer pro Sanierungswochenende. Der Imkerverein weist zudem darauf hin, dass alle Imker, die jetzt nicht in einem Sperrbezirk sind, selbst Proben entnehmen und auf den Befall durch die Amerikanische Faulbrut untersuchen lassen müssen. „Das wird das Veterinäramt anweisen, so die Auskunft bei der Versammlung im Rathaus“, sagt Lorz.

Statistik sagt, Zahl der Bienenvölker hat nicht abgenommen

Dass es zu dieser Extremsituation mit der Amerikanischen Faulbrut gekommen ist, schiebt der Vorsitzende des Imkervereins Dresden e.V. darauf, dass „im Gegensatz zum Beispiel zu Thüringen und Brandenburg in Sachsen leider ein amtliches Monitoring gesetzlich nicht vorgeschrieben ist“. Was heißt das? „In den anderen Bundesländern wird jeder Imker alle drei Jahre besucht und die Bienenvölker beprobt. So erkennt man die Krankheit schneller, kann sofort handeln und die Ausbreitung verhindern“, sagt der Chef des Dresdner Imkervereins.

Zudem ist es seiner Ansicht nach „laut wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mehr zeitgemäß, die Bienenvölker von Imkern, die in den Landkreis ein- und auswandern, amtlicherseits nur in Augenschein zu nehmen und keine Laborprobe zur Erstellung eines Gesundheitszeugnisses zu entnehmen und zu untersuchen.“

Biene beim Sammeln von Pollen und Nektar. Ohne Bienen müssten wir nicht nur auf Honig verzichten, sondern es gab auch einen akuten Mangel an Obst und Gemüse. Quelle: Boris Roessler, dpa/Archiv

Anhand der Zahlen aus der Stadtverwaltung ist bislang nicht belegbar, dass die Zahl der Bienenvölker in Dresden abgenommen hat. Im Gegenteil. Per 20.3.2017 sprach das Veterinäramt von 2887 Bienenvölkern und 428 Imkern, aktuell seien es 2939 registrierte Bienenvölker und 447 Imkeradressen. Allerdings ist ja auch noch nicht klar, wie viele Völker am Ende der Seuche zum Opfer fallen und wie hoch die Winterverluste sind. Verlässliche Zahlen wird es da wohl erst im April geben.

Zulauf von potentiellen Neuimkern beim Dresdner Verein hält an

Tino Lorz vom Dresdner Imkerverband verzeichnet ein anhaltendes Interesse von Dresdnern, Imker zu werden. „Unser Neuimkerkurs am 14. April mit 50 Plätzen ist nahezu ausgebucht.“ Er empfehle allen, die jetzt Imker werden wollen, mit der Anschaffung von Bienen noch ein Jahr zu warten und die Zeit inzwischen intensiv zu nutzen, um einen Neuimkerkurs zu besuchen und zu lernen. „Zum Beispiel auch Maßnahmen, wie man selbst dem Ausbruch von Seuchen vorbeugen kann. Das Desinfizieren der Ausrüstung und der komplette Wachsaustausch regelmäßig einmal im Jahr gehören da unbedingt dazu.“

Amerikanische Faulbrut

Die Amerikanische Faulbrut ist eine anzeigepflichtige Bienenseuche, die ausschließlich die Brut der Honigbiene befällt. Erreger ist ein sporenbildenden Bakterium. Durch sporenhaltiges Futter gelangt der Erreger in den Larvendarm und keimt hier aus. „Die Krankheit ist meist am Geruch zu erkennen, denn es stinkt wie alte Socken“, sagt Imker Konrad Geipel. Übrig bleibe von der Larve eine braune schleimige Masse, die später eintrockne und als Schorf in der Zelle liege. Diese braune Masse bestehe aus lauter Faulbrutsporen und ist hoch infektiös, da aus einer aufgenommenen Spore Milliarden neuer entstehen. „Solange das Volk noch Zellen putzt, schließt sich der Kreis von Aufnahme und Weitergabe, bis das Volk zusammenbricht“, so Geipel.

Quelle: LWG/Imkerverein Dresden

Von Catrin Steinbach

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Zwölf gute Taten vollbrachte die Vinci-Stiftung am Montagnachmittag in Dresden. Denn so viele Vereine profitieren von den insgesamt rund 129 000 Euro und können ihre Projekte für Kinder, Familien, Migranten und Einkommensschwache vorantreiben oder überhaupt erst einmal starten.

05.02.2018

Mit insgesamt 263 Einsätzen hat der Verein für „Krisenintervention & Notfallseelsorge Dresden e.V.“ 2017 einen Rekord verzeichnet. Im Vergleich zum Vorjahr, als die ehrenamtlichen Mitglieder 190 Mal ausrücken mussten, um psychosoziale Akutbetreuung zu leisten. Bisher war laut Vereinsstatistik das 2015 mit 216 Einsätzen des einsatzreichste Jahr.

05.02.2018
Lokales Tag der offenen Tür - Yoga und Shiatsu kennenlernen

Am 4. März können Interessierte Einblicke Meditation, Yoga, Shiatsu, Akupressur und vieles mehr beim Tag der offenen Tür der Integralen Praxis für Körper- und Selbstbewusstsein Moksha erlangen.

05.02.2018
Anzeige