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Im paraLiving in Dresden-Gruna werden junge pflegebedürftige Menschen betreut

Im paraLiving in Dresden-Gruna werden junge pflegebedürftige Menschen betreut

ParaLiving nennt sich das neueste Projekt von Kay Reiners, der mit dem Wasahaus und dem Zillehaus in Dresden-Strehlen bereits zwei Häuser zur Kranken- und Altenpflege betreibt.

Neu am paraLiving: der Schwerpunkt liegt auf jungen Menschen, die bedingt durch einen Unfall oder eine Krankheit nicht mehr alleine leben können.

Falk Wagner ist 33 Jahre alt, selbstbewusst, unternehmungslustig, ein bisschen eitel und Vater von zwei Kindern. Klingt im ersten Moment wie ein ganz normaler junger Mann, doch seit zehn Monaten ist Normalität für den gelernten Dachdecker zum Fremdwort geworden. "Ich hatte am 7. September 2012 einen Motorradunfall", berichtet Wagner. Nun ist er querschnittsgelähmt, spürt vom Hals abwärts nichts mehr. Lebenslang an den Rollstuhl gekettet, ist er nun auf ständige Hilfe angewiesen.

Es war ein Betriebsausflug mit zehn weiteren Kollegen, als der Unfall passierte. Die Motorradgruppe um Falk Wagner war gerade auf der S 2146 in Bayern von Waldmünchen in Richtung Cham unterwegs, als ein Kollege zu schnell um eine Kurve fuhr, in die Mitte der Fahrbahn geriet und dort mit einem entgegenkommenden Cabrio zusammenstieß. Der 33-jährige Falk versuchte auszuweichen, stürzte dabei von seiner Yamaha und überschlug sich mehrmals, bevor er in einem Maisfeld landete. "Der Unfallort war mit Trümmern übersät. Mittendrin zwei schwerst verletzte Motorradfahrer und ihre völlig zerstörten Maschinen", heißt es in der Mittelbayrischen Zeitung vom 7. September. Falk selbst kann sich an den Unfall kaum erinnern. Er weiß nur, dass er sein Leben einer Krankenschwester verdankt, die im 500 Meter entfernten Balbersdorf den Knall des ersten Zusammenstoßes gehört hatte und sofort zum Unfallort gefahren kam. "Ein Rettungshubschrauber brachte uns ins Uniklinikum Regensburg. Dort war ich vier Tage, bevor ich in die Klinik nach Kreischa verlegt wurde", sagt er.

Seit fünf Wochen wohnt Falk Wagner nun in Dresden im paraLiving an der Winterbergstraße 26, in unmittelbarer Nähe des Großen Gartens. Hier hat sich der ehemalige Projektleiter für Kommunikationstechnik sofort wohl und heimisch gefühlt. "Die Schwestern sind nett und auch mit Kay verstehe ich mich super", so Wagner. Auch die Zimmereinrichtungen sind hell und freundlich. Ein angrenzender Garten soll bald zum gemütlichen Verweilen in der Sonne einladen. Dennoch will der zweifache Vater nicht ewig im paraLiving bleiben. "Wie gesagt, es ist toll hier, aber ich will zurück zu meiner Familie." Ohne sie hätte Falk Wagner die ersten Wochen nach dem Unfall nicht überstanden. "Zugegebenermaßen habe ich, als ich das erste Mal aufgewacht bin und kein einziges Körperteil gespürt habe, gedacht 'Mist, du kannst dir nicht mal selbst das Leben nehmen' aber mittlerweile bin ich weit weg von diesen Gedanken", betont der 33-Jährige.

Er hat neuen Lebensmut gefasst, will wieder arbeiten gehen und seinen Alltag in den Griff bekommen. Zu diesem Selbstbewusstsein hat ihm vor allem seine Freundin verholfen, die sich nach dem Unfall intensiv um den 33-Jährigen gekümmert hat. "Leider hielt die Beziehung der Lähmung nicht stand. Meine Freundin war überfordert. Aber das mach ich ihr nicht zum Vorwurf, sie ist immer noch für mich da", so Falk Wagner. Er blickt positiv in die Zukunft: "Ich will noch so viel mit meinen Kindern und Freunden erleben." Kleine Hilfsmittel wie eine Mundmaus machen ihm das Leben bereits leichter. "Mit dem Gerät kann ich über den Mund meinen Computer steuern. Sobald ich wieder Excel-Tabellen erstellen kann, versuche ich auch wieder arbeiten zu gehen", meint der gelernte Dachdecker.

Seine Lebenseinstellung verdient wohl viel Respekt, nicht jeder kommt damit zurecht, im Rollstuhl zu sitzen. "Dabei bleibt es ja leider nicht. Ich kann beispielsweise nur noch über das Zwerchfell atmen, husten, niesen und Nase schnäuzen geht auch nicht mehr und von dem Toilettengeschäft will ich gar nicht erst anfangen", sagt Falk. Doch er hat sich damit arrangiert und auch seine Kinder haben sich daran gewöhnt, dass ihr Vater wohl nie wieder laufen kann. Die Familie hält zusammen und auch die Freunde von Falk sind für den 33-Jährigen da. "Mein Charakter und mein Wesen sind gleich geblieben, nur die Umstände haben sich geändert."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 10.08.2013

Steinmann, Nadine

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