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Lokales Im Herbst wird die Schallschleuse am Kulturpalast gebaut
Dresden Lokales Im Herbst wird die Schallschleuse am Kulturpalast gebaut
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12:04 07.07.2018
Die Schallschleuse fügt sich an die Gestaltung des Kulturpalasts an. Sie soll den Lärm von nächtlicher Be- und Entladung nach Veranstaltungen reduzieren. Quelle: gmp architekten
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Dresden

Der Vorgang dürfte einmalig sein: Ein privates Unternehmen baut auf einer öffentlichen Fläche einen Anbau an eine öffentliche Einrichtung. Ein öffentliches Unternehmen übernimmt den Anbau nach Fertigstellung und betreibt ihn. In wenigen Wochen beginnen die Arbeiten für die Schallschleuse am Kulturpalast, kündigte jetzt Berndt Dietze an, Geschäftsführer der Dresdner Baywobau-Niederlassung. Damit wird das letzte Kapitel im sogenannten „Fensterstreit“ am Neumarkt geschrieben.

Visualisierungen des Quartier VII/I. Die Arbeiten haben noch nicht begonnen Quelle: Visualisierung: Baywobau

Drei Neumarkt-Quartiere liegen direkt neben dem Kulturpalast: Quartier VI mit Bauherr USD, Quartier VII/I der Baywobau und Quartier VII/II der Bauherren Kimmerle. VII/II ist fertiggestellt, VI befindet sich im Bau, bei VII/I haben die Arbeiten noch nicht begonnen. Und das, obwohl die Baywobau laut Dietze bereits im August 2017 den Bauantrag eingereicht hat. Der städtebauliche Vertrag mit der Stadt über die Fassadengestaltung, die von Architekturinitiativen und Fachleuten in den höchsten Tönen gelobt wird, ist unterzeichnet. „Der Bauantrag wird noch geprüft“, heißt es aus dem Ressort von Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen).

Dietze würde gerne im November mit dem Aushub der Baugrube beginnen, doch diese Pläne musste er verschieben. Im Februar 2019 werde der Bau von VII/I beginnen, kündigte er an. Im November dieses Jahres starten die Vorarbeiten für die Schallschleuse, so Dietze. Das Quartier und die Schleuse, sie sind untrennbar miteinander verbunden.

Wie putzt man Fenster, die sich nicht öffnen lassen?

In den Quartieren rund um den Kulturpalast sind bei Kimmerle Wohnungen entstanden und werden bei USD und Baywobau Wohnungen entstehen. Wohnungseigentümer und -Mieter sind eine geschützte Gattung: Bestimmtem Lärm dürfen sie nicht ausgesetzt werden. Wenn kräftige Bühnenarbeiter nachts vor oder nach Konzerten Technik in den Kulturpalast hineinwuchten oder herausstemmen, geht es laut zu. Das kann Anwohnern nicht zugemutet werden. Schließlich gibt es ja Lärmschutz-Richtlinien.

Streng genommen hätte kein Wohnungsbau in den Quartieren stattfinden dürfen. Bürogebäude wären rechtlich möglich, aber aus vielen Gründen nicht zu vermarkten gewesen. Die Stadt hatte eine listige Idee, doch rechtssicheren Wohnungsbau am Neumarkt zu ermöglichen. „Festverglasung“ hieß das Stichwort. Wenn der Anwohner das Fenster nicht öffnen kann, hört er auch keinen Lärm. So weit, so logisch, nur wer kauft sich in bester Lage für teuer Geld eine Wohnung, bei der er eine Hubbühne bestellen muss, wenn er die Fenster putzen will?

Im November wird das Fundament gelegt

Bauherr Dietze ist ein praktischer Mensch und suchte eine Lösung, bei der die Anwohner die Fenster öffnen können, ohne Lärm zu hören. Er kam auf die Idee, eine Schallschleuse zu errichten, in der sich die Bühnenarbeiter austoben können, ohne dass viel nach außen dringt. Das Architekturbüro gmp, das den Kulturpalast umgebaut hat, warf eine Lösung für das denkmalgeschützte Gebäude aufs Papier, Schallschutzgutachten belegen die lärmmindernde Wirkung des Häuschens an der Kulturpalast-Rückfront. Alles gut, Festverglasung unnötig, Fensterstreit Geschichte.

So soll die Schleuse von vorne aussehen. Quelle: gmp architekten

Dietze hat viel in seinem Leben gebaut. Die Schallschleuse war eine besondere Herausforderung. Allein die Vorbereitungen kosteten zwei Jahre. Jetzt ist sich der Unternehmer mit Axel Walther, Geschäftsführer der städtischen Tochter Kommunale Immobilien Dresden (KID), Eigentümerin des Kulturpalastes, einig: Im November wird das Fundament für die Schleuse gelegt. Die Arbeiten sind alles andere als profan, weil der Zugang zu den Bühnenbereichen des Kulturpalastes gewährleistet sein muss. Ende August, Anfang September 2019 soll die Schallschleuse fertig sein. „Wir können nur in Teilabschnitten arbeiten“, so Dietze.

Eine Million Euro kostet das Bauwerk, Dietze trägt den Löwenanteil, Kimmerle und USD beteiligen sich. Die Baugenehmigung für die Schleuse liegt jetzt vor und der Unternehmer hofft, dass die Stadt auch bald für Quartier VII/I grünes Licht gibt.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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