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Lokales Im Frühling wird die erste naturnahe Kleingartenanlage in Dresden eröffnet
Dresden Lokales Im Frühling wird die erste naturnahe Kleingartenanlage in Dresden eröffnet
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07:51 14.12.2017
Volker Croy. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Schnurgerade geharkte Wege, ordentlich eingefasste Beete, kurz geschnittener gepflegter Rasen, Möhren und Kohlrabi in Reih und Glied, kein Unkräutlein hat die Chance, zur Blüte zu kommen. Läuse werden weggespritzt. Bi 58 – manchmal noch aus DDR-Zeiten stammend – gilt als Allheilmittel. So stellen sich viele einen Kleingarten vor. Volker Croy nicht.

Der Gartenbauingenieur engagiert sich bei Gemeinschaftsgartenprojekten, ist selber Kleingärtner und seit geraumer Zeit auch Fachberater. Mit seiner Art zu Gärtnern ist er in den vergangenen Jahren bei anderen Schrebern immer wieder angeeckt. Denn er stellt nicht nur in Frage, was andere „schon seit 30 Jahren so machen“.

Mit seiner in den Augen anderer Kleingärtner unordentlichen Parzelle, auf der zwischen Obst und Gemüse und in den Ritzen seines Betonweges Kräuter – vermeintliches Unkraut – wucherten, zog er sich immer wieder Unmut zu. Auch ein schief stehendes Hochbeet, Totholz für Insekten und die Strategie Croys, dem wuchernden Giersch mit Blumenwiesen das Licht zu rauben und damit zum Absterben zu bringen, sorgte für Unmut.

Das soll jetzt anders werden. Denn Ende April wird Dresdens erste naturnahe Kleingartenanlage eingeweiht. Das verkündete Frank Hoffmann, Vorsitzender des Stadtverbands „Dresdner Gartenfreunde“ e.V., jüngst bei den Dresdner Umweltgesprächen im Rathaus. Volker Croy soll – sobald alle Verträge abgeschlossen sind – als Vorsitzender des neu gegründeten Vereins mit dem Namen „Gänseblümchen“ Verantwortung tragen.

Areal der neuen naturnahen Kleingartenanlage, die am Bierweg in Dresden entstehen soll. Quelle: Volker Croy

Die neue Sparte entsteht gegenwärtig auf einer 6000 Quadratmeter großen städtischen Grünfläche am Bierweg in Zschachwitz. „Das Areal ist hergerichtet, Wasser- und Stromanschlüsse sind fertig“, freut sich Croy. 16 bis 17 Gärten mit Größen zwischen 200 und 320 Quadratmetern soll es geben, etwa für ein Drittel der Parzellen sind schon Interessenten gefunden. Auch ein Imker ist mit von der Partie und ein Projekt zur Kinder- und Jugendförderung.

Doch was will man im neuen Verein anders machen? „Wir wollen kinderfreundlich sein und naturnah gärtnern. Bei uns sind Wiesen mit Wildblumen, die Grashüpfern noch ein Zuhause, den Bienen Nahrung sowie den Schmetterlingen die Möglichkeit der Fortpflanzung bieten, erwünscht“, so Croy.

Der Hauptweg werde als gemähte Wiese mit Plattenpfad gestaltet. Zudem seien an den Zäunen im Außenbereich Totholz- bzw. Dornenhecken und im Inneren der Anlage Hecken aus Obstgehölzen statt Zäunen vorgesehen. Die Lauben werden nur 16 Quadratmeter groß sein und nicht auf gegossenen Platten, sondern auf Punktfundamenten stehen, um eine Bodenversiegelung zu verhindern. „Außerdem soll es auf einer Parzelle pro 50 Quadratmeter Fläche einen Obstbaum geben. Das muss kein Hochstamm mit ausladender Krone sein, es zählt auch Spalierobst“, erklärt der Croy. „Es wird bei uns verwachsener, natürlicher und damit in so manchen Augen wahrscheinlich unordentlich aussehen.“

Gartenexperte Volker Croy. Quelle: Dietrich Flechtner

Da die Gesamtanlage für einen Gemeinschaftskompost zu klein sei, sei jeder Kleingärtner im Verein „Gänseblümchen“ angehalten, auf seiner Parzelle alle Gartenabfälle selbst zu kompostieren. „Unser Ziel ist, kein Grüngut aus der Anlage zu bringen oder gar wegzuwerfen“, erklärt der Fachberater. „Unkraut kann man durch Solarisation oder Gärung keimunfähig machen.“ Alte Obst- und Gemüsesorten sollen im Verein angebaut werden. In Sachen Artenschutz will man mit dem Umweltamt zusammenarbeiten. Und für die Mitglieder des Vereins heiße „Ruhezeit“ zum Beispiel an Feiertagen nicht, dass sie gar nichts tun dürfen, sondern nur, „dass sie keinen Krach machen sollen“. Die Gartenordnung sage, „es gibt keinen Kinderlärm“, die Geräusche von Kinderstimmen (egal wie viel und wie laut) seien jederzeit beschwerdelos hinzunehmen. Das dürfte vor allem junge Familien freuen.

„Ein sehr mutiger Weg“, fand Frank Hoffmann, Vorsitzender des Stadtverbandes der Gartenfreunde Dresden, jüngst beim Dresdner Umweltgespräch. Denn das Wissen um Zusammenhänge sei die eine Seite, die Toleranz aufzubringen, nicht jedes Insekt, jede Wühlmaus als Feind zu betrachten, die andere. Neben dem Wettbewerb um die „Schönste Kleingartenanlage Dresdens“ soll es 2018 auch eine Aktion „Natur sucht Garten“ geben. „Sie soll den Blick öffnen für die Möglichkeiten, die es gibt, im Garten behutsam mit der Natur umzugehen.“ Und da gibt es in Dresdner Kleingartenanlagen durchaus schon gute Beispiele.

Von Catrin Steinbach

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