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Lokales Im Drogenrausch fast getötet – 32-Jähriger wird in Entzugsanstalt untergebracht
Dresden Lokales Im Drogenrausch fast getötet – 32-Jähriger wird in Entzugsanstalt untergebracht
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08:37 06.06.2018
Das Gericht sprach Steffen V. vom Vorwurf des versuchten Totschlags frei. Quelle: dpa
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Dresden

„Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff. Volle Kraft voraus auf das nächstbeste Riff“, sang Udo Jürgens einst. Der Angeklagte, Steffen V., ist zwar musikbegeistert – mit einem Freund hatte er sogar ein eigenes Tonstudio – aber sicher kein Jürgens-Fan. Trotzdem agierte er genau wie in dem Lied. Auch er war der Meinung, dass er alles im Griff hat – vor allem seine jahrelange Drogensucht. Bis ihn das Leben eines Besseren belehrte.

Jahrelang probierte er so ziemlich alles aus

Diese Lehrstunde endete im Juni vergangenen Jahres fast in einer Katastrophe. Denn im Drogenrausch brachte Steffen V. seine Lebensgefährtin beinahe um. Wegen versuchten Totschlags stand der 32-Jährige nun vor dem Landgericht.

Steffen V. ist ein intelligenter junger Mann, absolvierte mit Erfolg sein Fach-Abi und studierte dann Elektrotechnik. Er hatte eine Lebensgefährtin, mit ihr ein Kind, das er sehr liebt. Sie hatten gerade eine neue Wohnung in Trachau bezogen. Doch der 32-Jährige hatte ein großes Alkohol- und ein noch größeres Drogenproblem. Jahrelang probierte er so ziemlich alles aus: Amphetamine, LSD, halluzinogene Pilze und anderes.

Die Drogen zeigten ihre Wirkung. Gelegentlich hatte Steffen Aussetzer, sah „Fratzen“ oder fühlte sich verfolgt. Immer öfter gab es deshalb Streit mit seiner Freundin. Aber Steffen V. war der Meinung, dass er seine Drogensucht im Griff hat, keine Ratschläge, keine Hilfe und keine Therapie braucht, alles alleine schafft und selbst regeln kann.

Ein Riesenirrtum – oder wie der Vorsitzende Richter sagte – ein großer Denkfehler. Nicht er hatte die Drogen im Griff, sondern die ihn. Nur glaubte dies der Angeklagte in seiner Selbstüberschätzung nicht.

Ohne Behandlung ist das Rückfallrisiko sehr hoch

Er griff weiter zu Drogen – vor allem zu „Speed“ – und lebte in seiner eigenen, mittlerweile verschrobenen Welt. In die wollte er seine Familie „mitnehmen“. „Du musst mir vertrauen“, sagte er am 28. Juni 2017 zu seiner schon schlafenden Frau, setzte sich auf sie und versuchte ihr durch schnelles Drehen des Halses das Genick zu brechen. Sie konnte zunächst aus der Wohnung fliehen, er zog sie wieder hinein und schlug mit einem schweren Brieföffner auf sie ein – bis ihn schließlich Nachbarn überwältigten.

Die äußeren Verletzungen der 31-Jährigen sind verheilt, psychisch leidet die junge Frau noch immer unter dem Vorfall – und das wird wohl auch so bleiben, denn so etwas vergisst man nie.

Steffen V. räumte die Tat ein, auch wenn man ihm, der alles nur bruchstückhaft und in Wortfetzen schilderte, kaum folgen konnte. Aufgrund seines langjährigen Drogenkonsums leidet er an einer krankhaften Psychose und war zur Tatzeit nicht schuldfähig – deshalb sprach ihn das Gericht auch vom Vorwurf des versuchten Totschlags frei.

Die Kammer ordnete allerdings seine Unterbringung in einer Entzugsanstalt an, da vom Angeklagten, wenn er auf freiem Fuß ist, möglicherweise weitere Straftaten ausgehen könnten. Ohne Behandlung ist das Rückfallrisiko sehr hoch.

Von Monika Löffler

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