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Im Dresdner Zoo wächst die Sorge um die Vögel

Geflügelpest Im Dresdner Zoo wächst die Sorge um die Vögel

Seit Mitte November muss der Zoo seine 530 Vögel wegen der Geflügelpest wegsperren. Die Besucher bekommen daher einen Großteil der Vögel nicht zu sehen. Zwölf Tiere, vor allem Enten, sind deshalb bislang gestorben. Je länger die Stallpflicht gilt, desto mehr wächst die Gefahr, dass der gesamte Vogelbestand geschwächt wird.

Die Flamingos im Zoo dürfen noch immer nicht ins Freie.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Seit Mitte November muss der Zoo seine 530 Vögel wegen der Geflügelpest wegsperren. Die Besucher bekommen daher einen Großteil der Vögel nicht zu sehen. Unklar ist, wie lange die Stallpflicht noch andauert. Zwölf Tiere, vor allem Enten, sind deshalb bislang gestorben. DNN beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema.

Wie gefährlich ist die Geflügelpest?

Das Virus vom Typ H5N8, der im Moment grassiert, macht die Tiere sehr schnell krank. „Wenn dieser Geflügelpest-Virus in einen Geflügelbetrieb eingeschleppt wird, muss damit gerechnet werden, dass die Tiere, vor allem Hühner, schnell und in großer Zahl erkranken und auch verenden“, erklärt Zootierarzt Dimitri Widmer. Ähnlich könne das auch den Wildvögeln ergehen, die sich draußen infizieren. Allerdings seien sie unterschiedlich stark empfänglich für dieses Virus. „Nicht alle Vögel sterben gleich, manche haben sich zwar infiziert, erkranken aber nicht daran.“ Widmer zufolge sind vor allem Greifvögel und Reiherenten bislang daran verstorben. „Aber auch tote Schwäne und Gänse hat man gefunden“, zählt er auf.

Woher kommt das Virus?

Man mutmaßt, dass sich die Geflügelpest oder Vogelgrippe über den Vogelzug jetzt im Winter verbreitet. „Das können Wildvögel sein, die aus Asien kommen und das Virus über Russland Richtung Europa einschleppen“, nennt der Zootierarzt ein Beispiel. Wo sich die Wildvögel infiziert haben, darüber kann nur spekuliert werden. „Mit Sicherheit spielt die Massentierhaltung eine Rolle“, vermutet Widmer. Überall dort, wo viele Tiere auf engem Raum gehalten würden, habe das Virus leichtes Spiel. „Außerdem werden viele Eintagsküken von China nach Europa transportiert“, nennt Matthias Hendel, Kurator für die Vögel, einen weiteren Verbreitungsweg.

Eine Stockente, die man Mitte Januar tot an der Elbe in Kaditz fand, hatte die Geflügelpest. Was bedeutet das für den Zoo?

Der Zoo liegt zwar nicht im Sperrbezirk, aber aller Wahrscheinlichkeit nach im Beobachtungsgebiet. „Wir haben allerdings noch keine Information vom Veterinäramt darüber“, so Widmer. Doch Beobachtungsgebiet hin oder her, seit Mitte November müssen ohnehin Vögel in ganz Sachsen im Stall bleiben bzw. unter Planen gehalten werden. „Für uns würde sich also nichts ändern“, erklärt Hendel.

Welche Vorsichtsmaßnahmen hat der Zoo getroffen?

Im Zoo leben nach Informationen des Kurators 530 Vögel in 95 Arten. Sie alle sind jetzt in 25 Tierhäusern bzw. abgedeckten Volieren untergebracht. „Die Maschen dieser Volieren müssen so eng sein, dass sich kein Spatz hinein verirren kann“, betont Hendel. Außerdem seien Planen über die Volieren gespannt worden, damit kein Kot von einem vorüber fliegenden Vogel in den Käfig gelangen kann. Die Zugänge zu den gekennzeichneten Volieren dürfen nur die Pfleger betreten, die die Vögel versorgen. Vor den Eingängen stehen Desinfektionswannen für die Schuhsohlen. Außerdem müssen die Pfleger Gummihandschuhe und -überschuhe anziehen. „Und wir verzichten seit November aus reinem Selbstschutz heraus auch auf Vogeltransporte“, ergänzt Zootierarzt Widmer.

Wer stellt fest, ob ein Tier die Geflügelpest hat?

„Jedes Tier, das bei uns stirbt, schicken wir an die Landesuntersuchungsanstalt, dort wird es dann seziert“, nennt Widmer den Verfahrensweg. Das Ergebnis liegt meist binnen eines Tages vor. Sollte sich der Verdacht tatsächlich bestätigen, schickt das Amt seinerseits Proben an das Friedrich-Löffler-Institut. Das bestätigt den Fall dann amtlich und informiert das Veterinäramt, das sich wiederum schleunigst im Zoo melden würde. „Prophylaktische Untersuchungen machen wir aber nicht“, ergänzt der Tierarzt.

Welche Vogelarten leiden besonders unter der Stallpflicht, die bereits zweieinhalb Monate währt?

„Unsere Pelikane und Flamingos sind es gewohnt, sich im Winter nur etwa einen Monat lang nicht im Freien aufzuhalten“, berichtet Kurator Hendel. Diese Zeit sei jetzt deutlich überschritten worden. Dramatisch sei die Situation auch für die Gänsegeier, die derzeit relativ eng nebeneinander hocken. Betroffen seien letzten Endes alle Vögel, die sonst normalerweise das gesamte Jahr über draußen sind und jetzt in kleinen Ställen sitzen. „Das betrifft Watvögel wie beispielsweise die Rotschenkel, aber auch alle Enten und Gänse wie Ringelgänse und Eiderenten, die das Wasser brauchen und die klare Luft draußen“, sagt Hendel.

Was für Folgen hat das für die Tiere?

Ein Problem ist, dass jetzt die Brutzeit langsam startet. „Bei den Enten mussten wir Weibchen und Männchen trennen, weil es große Tumulte gab“, berichtet Hendel. Problematisch sei die Situation für Singvögel. „Wenn der Wind unter die Abdeckung fährt, knallt die Plane auf die Voliere“, erklärt er. Das bedeute puren Stress für die Singvögel.

Wie reagieren die Vögel?

Sie würden nicht mehr so gut fressen und sich verstecken, hat Widmer beobachtet. „Zwölf tote Tiere haben wir bisher gefunden“, berichtet er. Das seien vor allem Eider- und Spießenten, aber auch zwei Flamingos, ein Roter Ibis und ein Sandregenpfeifer gewesen. Hinzu kommt, dass im Zoo auch immer mal wieder Ratten zugange sind. „Im Freien könnten die Enten aufs Wasser ausweichen, drinnen rennen sie in Panik gegen das Gitter“, berichtet Hendel. Die meisten verendeten Tiere seien sehr mager gewesen.

Wie lange halten die eingesperrten Tiere noch aus?

„Mit zunehmender Dauer wächst bei uns natürlich so langsam auch die Sorge, dass alle unsere Vögel schwächer werden und wir mit mehr Todesfällen rechnen müssen“, so Widmer. Dennoch: Mit einem Massensterben rechnet er nicht, selbst wenn die Vögel jetzt noch zwei Monate eingesperrt bleiben.

Wie geht es jetzt weiter?

Vor zwei Wochen hat der Zoo Ausnahmegenehmigungen für die Gänsegeier, die Watvögel, für die Roten Ibisse und die Singvögel beantragt. Doch dann kam die tote Stockente vom Kaditzer Elbufer dazwischen. „Wenn wir tatsächlich im Beobachtungsgebiet liegen, wird es schwierig mit der Ausnahmeregelung“, befürchtet der Kurator. Ärgerlich sei, dass in anderen Bundesländern nur Geflügel und Laufvögel, in Sachsen aber sämtliche Vögel im Stall bleiben müssen. „Ein Glück, dass wir nicht mehr 30, sondern nur noch 5 Pinguine haben und im Sommer die Hälfte unserer 80 Ibis-Vögel an andere Zoos abgegeben haben“, findet Hendel.

Wie kommen die Pfleger mit der Situation klar?

„Wir leben permanent mit der Anspannung, dass wir irgendwann einmal die erste tote Ente im Zoo finden, bei der dieses Virus nachgewiesen wird“, so Widmer. So langsam mache sich Frustration breit, weil keiner wisse, wie lange das noch so geht. „Schön ist das nicht“, resümiert der Zootierarzt.

Zum wievielen Mal musste der Zoo seine Vögel wegsperren?

Zum zweiten Mal. 2006 war ein toter toter Trauerschwan mit dem Vogelgrippen-Virus direkt im Zoo gefunden worden.

Von Katrin Richter

Dresden, Tiergartenstraße 1 51.03692 13.75344
Dresden, Tiergartenstraße 1
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