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Im Dresdner Life Science Lab landen alle DKMS-Proben

Aus der Welt nach Dresden Im Dresdner Life Science Lab landen alle DKMS-Proben

Etwas unscheinbar sieht es aus, das Bürogebäude an der Blasewitzer Straße 43. Hinter den Mauern befindet sich eines der größten Labore weltweit für „HLA-Genotypisierung“. Die Experten untersuchen den Teil im menschlichen Erbgut, der für das Immun- und Abwehrsystem zuständig ist und finden Stammzellen-Spender für Leukämie-Kranke.

Die Medizinisch-technische Assistentin Annika Wagner belädt Paletten für die Polymerase-Kettenreaktion, bei der die Erbgut-Substanz DNA kopiert wird.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Etwas unscheinbar sieht es aus, das Bürogebäude an der Blasewitzer Straße 43. Doch hinter den Mauern befindet sich eines der größten Labore weltweit für „HLA-Genotypisierung“. Das heißt, die Experten dort untersuchen denjenigen Teil im menschlichen Erbgut, der für unser Immun- und Abwehrsystem (HLA) zuständig ist. Diese Informationen brauchen Mediziner, um passende Stammzellen-Spender für Leukämie-Kranke zu finden.

Die Proben aller potenziellen Knochenmark-Spender, die sich auf dem ganzen Globus bei der gemeinnützigen Gesellschaft „DKMS“ registrieren lassen, kommen hier an – rund 5000 sind das am Tag, in Spitzenzeiten über 7000. „1,3 Millionen Proben haben wir im vergangenen Jahr bearbeitet“, sagt Thomas Schäfer, der mit Dr. Vinzenz Lange die Geschäftsführung inne hat.

Dr. Vinzenz Lange und Thomas Schäfer

Dr. Vinzenz Lange und Thomas Schäfer

Quelle: Tobias Sauer

2001 ging es los, damals wurde das molekularbiologische Labor in Dresden an die DKMS angegliedert. Eine Handvoll Mitarbeiter kümmerte sich um die Analysen, heute arbeiten in dem „DKMS Life Science Lab“ mehr als 130 Personen. Und die sorgen unter anderem dafür, dass die Proben – sowohl Blut als auch Wattestäbchen mit Wangenschleimhautabstrichen, die per Post aus aller Welt geliefert werden – in Empfang genommen werden, einen Barcode erhalten und gescannt werden. Noch vor wenigen Jahren waren 70 Prozent der Proben Wattestäbchen und 30 Prozent Blut. Heute liegt dieses Verhältnis bei 90 zu 10. „Blut wird komplett verschwinden“, wagt Schäfer eine Prognose. Der Grund ist einfach: Man braucht kein Blut mehr, um die „Desoxyribonukleinsäure“ (DNS beziehungsweise englisch: DNA) mit den Erbgutinformationen eines Menschen herauszufiltern.

Sind alle Proben einsortiert – immer 96 auf einem Block – beginnt ein Prozess, den selbst Schäfer als „technologisch aufwendig“ beschreibt. Und das 24 Stunden am Tag, weshalb in den Labors auch immer Licht brennt, um die Kontrolle per Kamera sicherstellen zu können. Mithilfe einer chemischen Flüssigkeit also werden die Zellen aus dem Wattestäbchenkopf und dem Blut herausgelöst. Spezielle Eiweiße mit einem Metallkügelchen sorgen dann dafür, dass die DNA extrahiert wird. „Wir machen einen Magneten an und zack, bleibt nur noch die DNA des Spenders in der Flüssigkeit“, sagt Schäfer. Dann geht es an die Analyse, allerdings nur der DNA-Teilstücke, die auch wirklich gebraucht werden. Die relevanten DNA-Abschnitte werden herausgeschnitten, mit einem künstlichen Barcode versehen und mehrfach kopiert.

Jetzt kommt ein Gerät ins Spiel, dessen Arbeitsweise Schäfer als Magie bezeichnet. In einem von drei sogenannten HiSeq-Geräten landet die DNA von knapp 4000 Spendern mit jeweils 13 Parametern. Nach 72 Stunden in diesem Hightech-Wunder sind alle Daten analysiert.

Was bleibt, ist ein Berg aus digitalen Daten, die nun mit einer Spezialsoftware ausgewertet werden müssen. Erst dann hat jeder Spender sein eigenes Profil. 21 bis 28 Tage dauert diese Prozedur. „Für dringende Patientenproben machen wir dies deutlich schneller, aber für die normale Spendertypisierung ist dies leider zu teuer“, erklärt der Geschäftsführer. „Der Aufwand für die notwendigen Server kommt einem eigenen Rechenzentrum gleich“, ergänzt er. Abschließend erfolgt die Übermittlung der Typisierungsergebnisse zur DKMS nach Tübingen. Von Tübingen aus werden die Befunde schließlich an das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) in Ulm sowie an das National Marrow Donor Program (NMDP) in den USA übermittelt. Ab diesem Zeitpunkt steht der neue DKMS-Spender dem weltweiten Suchlauf für Blutkrebspatienten zur Verfügung.

Die Dresdner Forscher und Wissenschaftler kommen dabei nie mit Spendern in Berührung, sie erhalten aus Datenschutzgründen lediglich die Probe mit einer Nummer. Auch von Schicksalen Erkrankter erfahren sie nichts. „Wir arbeiten zwar hauptsächlich im Labor oder Büro, doch wir leisten einen wesentlichen Beitrag beim Kampf gegen Blutkrebs. Das motiviert das ganze Team“, so Schäfer.

Von Christin Grödel

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