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Lokales Im Abseits: Warum die Fußballer vom USV TU keinen neuen Sportplatz finden
Dresden Lokales Im Abseits: Warum die Fußballer vom USV TU keinen neuen Sportplatz finden
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07:33 24.01.2019
Mehr als 100 Mitglieder zählt die Abteilung Fußball vom USV TU Dresden. Was ihnen fehlt, ist ein eigener Platz zum trainieren und spielen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Entscheidend is’ auf’m Platz. Der Fußballer Alfred Preißler sah es ganz pragmatisch. Entscheidend ist allerdings, überhaupt ei­nen Platz zu ha­ben. Ein Dilemma, dass die Fußballer vom Sportverein USV TU Dresden sehr gut kennen. Denn be­reits seit neun Jahren entscheiden die Kicker ihre Spiele gewissermaßen auf fremden Plätzen – mangels eigener Spielstätte. Dahinter steckt ei­ne Geschichte, die nicht nur den Investitionsbedarf im Ver­einssport offenlegt, sondern auch die Schwierigkeiten, die Belange aller Dresdner unter ei­nen Hut zu bringen.

Der USV TU Dresden hat Tradition. 1949 ge­gründet, zählt der Verein heute mit 4000 Mitgliedern in 29 Abteilungen zu den größten Sportvereinen in der Stadt. Ruderer und Doppelolympiasieger Karl Schulze ist der wohl bekannteste Sportler mit Vergangenheit im Verein. Er trägt zwar die Technische Universität im Na­men, ist aber völlig un­ab­hängig von der Hochschule. Der Verein bietet in vielen Bereichen gute Be­dingungen, verfügt über einen Tennisplatz, ein Bootshaus und betreibt eine alte, städtische Sporthalle. Was hingegen fehlt, ist ein eigener Fußballplatz.

Spiele und Training auf fremden Plätzen

Noch bis 2010 waren die Fußballer vom USV auf einem Sportplatz oberhalb der Nöthnitzer Straße, di­rekt neben den Turnhallen der TU zu Hause. Den Platz hatte die Stadt da­mals je­doch aufgegeben – wegen des schlechten Zustands, wie es aus dem Rathaus heißt. Seitdem absolvieren die Fußballer vom USV ihre Trainingseinheiten und Punktspiele auf fremden Plätzen, sind aktuell im Sportpark Ostra untergekommen. „Wir sind dort aber nur Mitnutzer“, sagt Kris Jendrzejewski, Geschäftsführerin beim USV. Eine Identifikation mit der Sportstätte, ein richtiges Vereinsleben mit eigenen Räumen sei dort aber nicht möglich.

126 Mitglieder hat die Fußballabteilung aktuell, neben ei­ner Herrenmannschaft gibt es auch Teams im Kinder- und Jugendbereich. Und die Nachfrage ist groß. „Wir brauchen deshalb mehr denn je einen neuen Platz“, sagt Kris Jendrzejewski. Die Stadt, so sagt sie, habe damals zugesagt, „dass wir schnellstmöglich et­was anderes bekommen“. Doch das ist leichter gesagt, als getan.

Bedarf als dringend eingestuft

Im Rathaus ist das Anliegen des Vereins bestens bekannt. „Der vereinsinterne Bedarf für eine Vereinssportanlage wird als dringend eingeschätzt“, bestätigt die Stadtverwaltung auf Nachfrage. In einer Berechnung ermittelte die Stadt, dass aktuell mindestens zehn zusätzliche Großspielfelder in Dresden benötigt werden. Besonders prekär ist die Si­tuation in der Südvorstadt, also dort, wo die USV-Fußballer bis 2010 be­heimatet waren. „Dort gibt es zur Ausübung der Sportart Fußball keine Mö­glichkeiten“, erklärt Rathaussprecherin Anke Hoffmann.

Die Verwaltung hatte zunächst ei­nen Standort im Be­reich der Brache des alten HTW-Sportplatzes an der Strehlener Straße im Blick. Doch diese Idee zerschlug sich, weil der Ei­gentümer nicht mitspielte. Stattdessen kamen die Verantwortlichen auf eine andere Idee: Die Stadt hat nun ein Spielfeld mit Funktionsgebäuden im geplanten Südpark im Auge.

Bereits seit Monaten laufen im Rathaus die Planungen für den Südpark. Im Be­reich zwischen Nöthnitzer Straße, Bergstraße und Südhöhe will die Stadt auf fast 40 Hektar ei­nen Landschaftspark mit vielen Freizeitmöglichkeiten er­richten. In ei­nem frühen Entwurf hatten die Planer auch einen Sportplatz mit eingezeichnet, unweit der Bergstraße.

In einem früheren Entwurf für den Südpark war im südöstlichen Teil auch eine Fläche für den Vereinssport vorgesehen (im Bild rechts). Anwohner sind dagegen. Quelle: Landschaftsarchitekturbüro Dr. Eichstaedt-Lobers/LHD

„Den beteiligten Ämtern ist es wichtig“, so sagt Anke Hoffmann, „ein Großspielfeld mit Funktionseinrichtungen auf dem insgesamt 36 Hektar großen Gelände des Südparks zu platzieren.“ Der Standort selbst sei aber noch nicht abschließend festgelegt. Doch der Plan stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung.

Anwohner gegen Sportplatz

Bei der Planung für den Südpark setzt die Stadt auch auf die Mitsprache der Dresdner. Im Rahmen einer Planungswerkstatt konnten sie mitreden, plädierten unter an­derem für Streuobstwiesen, reichlich Sitzgelegenheiten und ein weitläufiges We­genetz. Doch schon bei einer Veranstaltung im März sprachen sich et­liche Arbeitsgruppen gegen einen Platz für den Vereinssport aus. Und auch bei einer Einwohnerversammlung im Juni bekräftigten einige der Anwohner ihre Sorgen. Sie fürchten Lärm durch den Trainings- und Spielbetrieb oder Probleme mit den im Umfeld ohnehin knappen Parkplätzen. Zugleich wurde auf die Versiegelung von Flächen verwiesen.

Auch der Plauener Stadtbezirksbeirat hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Im August stimmten die Mitglieder einstimmig für einen Änderungsantrag. Der sah die Streichung des Kapitels „Sportanlagen im Südpark“ vor. „Im Werkstattverfahren geht es ja vor allem darum, die Vorstellungen und Ideen der Bürger aktiv in ein Planungsverfahren einzubeziehen. Es ist wohl eines der besten Mittel der Bürgerbeteiligung. Wenn jedoch über die Ergebnisse eines solchen Verfahrens einfach hinweggeplant wird, verliert es seinen Sinn“, begründet SPD-Stadtbezirksbeirat Erik Zimmermann.

Endgültige Entscheidung steht aus

Beim USV ist indes die Enttäuschung groß. „Wir kön­­nen uns das kaum erklären“, sagt Kris Jendrzejewski. Es gehe lediglich um eineinhalb Hektar. Die Sorge vor einer Parkplatznot ist aus ihrer Sicht unberechtigt. „Viele Kinder kommen mit dem Bus oder dem Fahrrad“, so die Geschäftsführerin. Und: Im direkten Um­feld am Standort an der Bergstraße gebe es keine Wohnbebauung.

Eine endgültige Entscheidung ist bisher noch nicht gefallen. Im weiteren Planungsverfahren gehe es nun darum, die unterschiedlichen Belange abzuwägen, erklärt Anke Hoffmann. Die Fußballer vom USV können derweil nur abwarten – und sich an den ersten, weniger bekannten Teil des Preißler-Zitats halten: Denn „Grau is’ im Leben alle Theorie.“

Von Sebastian Kositz

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