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Lokales "Ich wollte etwas Nützliches tun" - eine Dresdner Krankenschwester in Afrika
Dresden Lokales "Ich wollte etwas Nützliches tun" - eine Dresdner Krankenschwester in Afrika
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23:14 09.09.2015

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Von Monika Löffler

Dafür opferte sie nicht nur ihren Urlaub, sondern plünderte auch noch ihr Konto und zahlte für Kost und Logis auf dem Schiff.

"Wow!", denke ich, als ich sie treffe, die Frau hat Modelqualitäten: Sie ist groß, schlank, hübsch und von einer umwerfenden Herzlichkeit. Lydia Kügler ist 26 Jahre alt und seit vier Jahren Krankenschwester in der chirurgischen Abteilung des St.-Joseph-Stifts. "Ich hatte durch Urlaub und wegen der vielen Stunden auf meinem Zeitkonto zwei Monate frei. Da wollte ich etwas Nützliches tun. So habe ich mich auf einem Hospitalschiff von Mercy Ships beworben", erzählt sie. "Vom 5. März bis 30. April war ich dann Schwester auf der chirurgisch-orthopädischen Station auf der ,Africa Mercy' im Hafen von Lomé, der Hauptstadt von Togo."

Über 400 Helfer auf einem Schiff

"Mercy Ships" ist eine internationale Hilfsorganisation, die seit 1978 private Hospitalschiffe in Entwicklungsländern betreibt. Auf der "Africa Mercy" engagieren sich ehrenamtlich pro Jahr 1200 Menschen - Mediziner, Techniker, Agrarwissenschaftler und viele andere Berufsgruppen - aus über 40 Nationen. Sie leisten sowohl medizinische Hilfe als auch Unterstützung bei Bau- und Landwirtschaftsprojekten. Finanziert wird "Mercy Ships" durch Geld- und Sachspenden und die ehrenamtlichen Mitarbeiter an Bord.

"Ich war mit über 400 Helfern auf dem Schiff - Amerikaner, Kanadier, Europäer, Neuseeländer, dazu die einheimischen Patienten. Da war die Verständigung manchmal kompliziert", erinnert sich Lydia Kügler. "Vor den Sprachbarrieren hatte ich die größte Angst. Als Krankenschwester etwas falsch zu verstehen kann fatale Folgen haben. Aber das funktionierte alles gut."

Ein Krankenhaus an Bord

An Bord der "Africa Mercy". befinden sich Operationssäle, Krankenbetten und eine komplette Intensivstation. Natürlich ist alles den Bedingungen auf einem Schiff angepasst. "Zum Beispiel gibt es keine fahrbaren Betten, die würden bei hohem Seegang von allein rollen", erzählt Lydia Kügler. "Das macht den Transport der Patienten schwierig. Manchmal war das richtig Schwerstarbeit."

Ansonsten funktioniert der Betrieb wie in einem Krankenhaus. Gearbeitet wird im Drei-Schicht-System. "Die medizinische Versorgung in Togo ist schlecht. In den Städten bemüht man sich um einen besseren Standard, aber in den Dörfern sagt noch immer der Medizinmann, was zu tun ist." Deshalb lege "Mercy Ship" auch sehr viel Wert auf Aufklärung und Hygiene. Zudem haben einheimische Ärzte die Möglichkeit, auf dem Schiff ge- meinsam mit den Ärzten zu operieren und sich so weiterzubilden. Die Crew behandelt unter anderem Tumorerkrankungen im Mund-Kiefer- und Gesichtsbereich, Lippen-Kiefer-Gaumenspalten, vaginale Fisteln, Leistenbrü- che, Augenkrankheiten, aber auch Verstümmelungen und Brandwunden. Viele leben jahrelang mit schweren Verletzungen - Arztbesuche können sie nicht bezahlen.

"Wir versuchen alles, damit die Menschen wieder ein normales Leben führen können. Für viele sind wir die letzte Hoffnung. Irgendwie erfahren sie sogar in den abgelegensten Dörfern, dass das Hospitalschiff im Hafen liegt. Dann kommen so viele, dass fast ein Fußballstadion voll wird. Wir müssen dann checken, wem wir helfen können und wem nicht." Denn die Nachbehandlung ist oft schwierig. Nach einer Operation muss garantiert sein, dass die Patienten weiter versorgt werden, zur Nachkontrolle kommen und ihre Medikamente bekommen - das ist nicht immer möglich.

Sensation: der Wasserspender

Die Menschen sind arm, das Leben hart - in Afrika gehen die Uhren anders. "Das Schiff und all die medizinischen Geräte beeindrucken natürlich die Menschen", sagt die Krankenschwester. "Das Highlight war aber der Wasserspender, aus dem 24 Stunden täglich frisches, sauberes Wasser fließt." Für Europäer eine Selbstverständlichkeit - in Afrika eine Sensation. Wasser ist dort eine Kostbarkeit, genau wie viele andere Dinge, die für Mitteleuropäer ganz normal sind. "Aber auch wenn es ihnen noch so schlecht geht, sie haben eine überwältigende Lebensfreude. Es wird viel getanzt und gesungen - aber vielleicht ist das auch nur ein gewisser Selbstschutz", vermutet sie.

Die Patienten, beschreibt Lydia Kügler, seien sehr dankbar, gelassen. Sie passen sich den Regeln an und haben ein wahres "Gottvertrauen". Aber sie sind auch sensibel. "Sie wollen sich nicht anmerken lassen, dass sie viele Dinge nicht kennen, nicht wissen, wie ein Dusche oder eine Toilette funktioniert oder wie man mit Messer und Gabel isst. Das ist ihnen peinlich. Da muss man sehr behutsam sein. Toleranz spielt eine große Rolle", sagt sie.

Lydia Kügler arbeitet wieder im St.-Joseph-Stift, denkt aber noch oft an Afrika, das Schiff, ihre Kollegen und die Menschen in Togo. "Es war ein anstrengender, aber wunderschöner ,Urlaub' und eine tolle Erfahrung - so was mache ich wieder."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.08.2012

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