Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales „Ich gebe den Kampf gegen den Krebs nicht auf“
Dresden Lokales „Ich gebe den Kampf gegen den Krebs nicht auf“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:41 19.01.2018
Ehrensenator Jürgen Preiss-Daimler (r.), seine Frau Beatrix und Prof. Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU.  Quelle: Anja Schneider
Dresden

 Krebs begleitet Heinz-Jürgen Preiss-Daimler (der selber nur mit Jürgen Preiss-Daimler unterzeichnet) schon fast ein Leben lang. Seine Mutter starb an dieser Krankheit, als er acht Jahre alt war. 1990 verlor er seine zweite Frau und 2005 seinen Sohn Kai-Uwe durch Krebs. Seit 2009 leidet er selbst an Nieren- und mittlerweile auch an Lungenkrebs, hat schon 22 Eingriffe hinter sich gebracht. Doch den Kampf gegen den Krebs aufgeben – das werde er auch in Zukunft nicht, sagte er gegenüber DNN. Er bleibt damit seinem Lebensmotto treu: „Geht nicht, gibt’s nicht.“

Jürgen Preiss-Daimler hat mit der P-D Group ein Firmenimperium aufgebaut, das „heute zu den 500 besten Unternehmen der deutschen Wirtschaft“ zählt, wie er selbst nicht ohne Stolz sagt. In Deutschland, Lettland, Russland, England und jetzt auch in den USA beschäftigt „P-D“ – so ist auch der Spitzname des Firmengründers – nach eigener Aussage 3961 Arbeitnehmer.

„Die P-D Group ist Hersteller von Glasfasern und Feuerfestprodukten“, so der 78-Jährige. 1971 hat er als selbstständiger Bauunternehmer in Minden begonnen und ab 1976 zahlreiche große Bauaufträge auch in der DDR übernommen, zum Beispiel in Dresden für Robotron. Nach der Wende kaufte er in Größenordnungen Firmen von der Treuhand. Aber nicht, um sie sterben zu lassen, sondern um sie fit für die Marktwirtschaft zu machen.

Stichwort PD-Group

„Die P-D Group ist Hersteller von Glasfasern und Feuerfestprodukten weltweit. Kein Airbus fliegt und kein Auto und Boot fährt ohne unsere Glasfaser - Materialien. Auch sind in jedem Handy 8g Glasfaser eingebaut. Glasfasermaterialien sind auch in der Herstellung von Geräten unverzichtbar“, so Jürgen Preiss-Daimler. Seine Unternehmensgruppe produziert, wie er sagt, „in Deutschland, Lettland, Russland, England und ab Januar 2018 auch in den USA“.

In Sachsen gehören die Werke P-D Glasseiden GmbH in Oschatz, die Feuerfest-Werke Wetro, die P-D Industrie Gesellschaft und die P-D Management & Consulting und P-D Cable Systems in Grumbach/Wilsdruff dazu. Diese Firmen beschäftigen in Sachsen zur Zeit 738 Arbeitnehmer. Weltweit mache die P-D Gruppe einen Jahresumsatz von ca. 486 Millionen € und beschäftige 3961 Arbeitnehmer.

Bereits 2013 regelte der Firmenchef seine Nachfolge. Er übergab 65 Prozent der Geschäftsanteile an seine Frau, 5 Prozent an seinen Sohn, 20 Prozent teilte er unter den fünf engsten und leitenden Mitarbeitern auf.

Quelle: Preiss-Daimler

Zum Osten hat Jürgen Preiss-Daimler also schon seit jeher eine enge Beziehung. Zu Dresden offenbar ganz besonders, wo er in der Vergangenheit arbeitsbedingt zeitweise die Woche über wohnte. Nun lebt er schon geraume Zeit mit seiner aus dem Osten stammenden Frau Beatrix in Wilsdruff, hat dorthin auch den Stammsitz seines Unternehmens verlegt.

Den nicht zu übersehenden palastartigen Gebäudekomplex mit viel Türkis entwarf er selbst. Türkis sei die Farbe seiner Hoffnung, sagte er den DNN 2014 in einem Interview. Hoffnung und Unterstützung will er auch anderen geben. Und das tut er schon seit vielen Jahren mit großzügigen Spenden für verschiedene Projekte.

Firmen- und Wohnsitz von Preiss-Daimler in Wilsdruff. Quelle: Dietrich Flechtner

Seine 2013 gegründete P-D Stiftung Medical Equipment and Research, in die er einen „substanziellen Teil seines Immobilienvermögens einbrachte, ist eine der aktivsten 500 Privatstiftungen in Deutschland“, so Prof. Manfred Wirth, Direktor der Klinik und Poliklinik für Urologie am Dresdner Uniklinikum. Er war neben Prof. Heinz Reichmann, dem Dekan der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus, und Prof. Michael Albrecht, Medizinischer Vorstand des Uniklinikums, am Donnerstag einer von drei Laudatoren der Technischen Universität Dresden.

Denn diese verlieh im Dülfer-Festsaal Heinz-Jürgen Preiss-Daimler für sein außerordentliches Engagement die Würde eines Ehrensenators. Eine nicht alltägliche, sehr hohe Auszeichnung. Sie sei „ein Zeichen unserer Verbundenheit, unseres Respekts und unseres tief empfundenen Dankes“, so TU-Rektor Prof. Hans Müller-Steinhagen bei der Begrüßung. Zum Ehrensenator wurden zuletzt 2011 Bankier Henry Arnhold, 2004 Achim Mehlhorn (1994-2003 Rektor der TU Dresden) und im Jahr 2000 Günter Blobel (Biochemiker und Nobelpreisträger) ernannt.

Heinz-Jürgen Preiss-Daimler habe sich an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus und am Universitätsklinikum um die medizinische Forschung verdient gemacht, als Mäzen die onkologische Forschung unterstützt, heißt es von der TU. „Die Finanzierung des Hochleistungscomputertomografen ,,Somatom Force“ und die Übernahme der Kosten für notwendige Baumaßnahmen sind bis heute an der TU Dresden ohne Beispiel. Dieser enorme Beitrag verbessert die kardiologische und Gefäß-Diagnostik am Medizinstandort Dresden und bietet eine ausgezeichnete Grundlage für Forschungsvorhaben.“ „Den Computertomographen der Extraklasse hätte sich das Uniklinikum sonst nie leisten können“, so Prof. Wirth im Rahmen der Festveranstaltung.

Der wissenschaftliche Nachwuchs im Bereich der Onkologie werde von der Preiss-Daimler-Stiftung durch die jährliche Vergabe von zwei Forschungsstipendien an der Medizinischen Fakultät Carl Gustav Carus gefördert. Gleichzeitig stehe der Unternehmer seit mehreren Jahren in einem regen technologischen Austausch mit dem Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik sowie dem Institut für Textilmaschinen und Textile Hochleistungswerkstofftechnik der Fakultät Maschinenwesen.

Heinz-Jürgen Preiss-Daimler zeigte sich von der Ehrung und den sehr persönlichen Worten, die nicht nur seine Leistungen würdigten, sondern auch seine Persönlichkeit, „seine Wärme und Nähe“, die er im Umgang mit den Menschen ausstrahle, „völlig aufgelöst und überwältigt. Die Berufung ging mir ans Herz“. Da er das sächsische, das lettische und das Bundesverdienstkreuz bereits erhalten habe, betrachte er „diese Auszeichnung für sein Lebenswerk als höchste Auszeichnung. Auf welche ich sehr stolz bin.“

Er wolle mit seinem Engagement „als Dank für das Glück und den Erfolg in meinem Leben etwas zurückgeben“, anderen kranken Menschen helfen und dem Uniklinikum zu besseren Behandlungsmöglichkeiten verhelfen. „Mögen mir noch viele Jahre vergönnt sein, damit ich noch lange unterstützen kann“, so Preiss-Daimler.

Nachdem er schon 2013 die Nachfolge in der P-D-Group regelte, führt er jetzt mit seinem Sohn Stefan den Konzern. Dieser wolle das, „was sein Vater in seinem Leben erarbeitet und erreicht hat, mit ganzer Kraft und voller Begeisterung fortführen“, ist der Senior glücklich. „Seit einem Jahr trete ich – auch aus gesundheitlichen Gründen – etwas kürzer“ und sein Sohn übernehme das Ruder nach und nach. „Dann soll im nächsten Jahr für mich Schluss sein.“ Aufsichtsratsvorsitzender will Heinz-Jürgen Preissler aber in einigen Firmen bleiben. Und dann sind ja noch akademischen Veranstaltungen und Sitzungen des Senats der Technischen Universität, zu denen Heinz-Jürgen Preissler nun als Mitglied der Universität eingeladen wird.

Lebenslauf

am 27. Juli 1939 als Sohn des Fabrikdirektors Max Heinrich Preiss-Daimler und dessen Frau Grete, geb. Kilian, in Breslau geboren

1943 in Berlin ausgebombt

wuchs bei seinem Patenonkel, welcher Pastor im Landkreis Iserlohn war, auf

nach Abschluss der Schule von 1955-1960 Ausbildung zum Wirtschaftskaufmann, plus Seminare

1966-1971 leitender Angestellter und Gesellschafter der Firma Trans-All Minden GmbH und Co. KG

ab 1971 selbstständiger Bauunternehmer in Minden, verwirklichte von 1976 bis 1990 zahlreiche große Bauaufträge in der DDR: Bau von Buna II Halle/Saale gemeinsam mit Uhde/Dortmund, Bau Konverterstahlwerk Eisenhüttenstadt mit Voest/Alpine, Neubau für Robotron in Dresden; Bau von mehr als 600 km Autobahn und Fernstraßen bundesweit seit 1996

1991 Gründung der Umweltschutz Ost Entsorgungsgesellschaft für Böden und Wasser mbH in Grumbach – heute P-D Industriegesellschaft mbH, Kauf und Übernahme von 17 Firmen von der Treuhandanstalt Berlin/BVS und Kauf, Übernahme und Sanierung des Chemieparks in Bitterfeld von 2001-2013

seit 1997 Aufsichtsratsvorsitzender der Valmiera Glasfaser AG und der P-D Refractories GmbH CZ AG, P-D Valmiera Glass Corp. USA

mehr als 15 Jahre Beiratstätigkeit bei der IKB und Landesbeirat bei der Commerzbank AG sowie Mitglied des deutschen Instituts für Wirtschaftsförderung in Berlin

1995 Diplom der Internationalen Ökologischen Akademie in Moskau

seit 2010 Träger des Sächsischen Verdienstordens

seit 2013 Träger des Bundesverdienstkreuz am Bande

seit 2014 Träger des Lettischen Verdienstkreuzes im Rang eines Kommandeurs

2013 Gründung der P-D Stiftung Medical Equipment and Research

Heinz-Jürgen Preiss-Daimler ist seit 2009 mit seiner Frau Beatrix verheiratet, er hat drei Kinder und vier Enkel. Zur Dynastie Daimler hat er „keine verwandtschaftlichen Beziehungen“, wie er sagt. „Mein Vater war zwar der Schwiegersohn von Gottlieb Daimler, ich stamme jedoch aus der zweiten Ehe und habe nur den Namen übernommen.“

Von Catrin Steinbach

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Einstimmig hat sich der Dresdner SPD-Vorstand am Mittwochabend gegen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen mit der Union ausgesprochen. Wie die Partei am Donnerstag mitteilte, sehe man keine ausreichende inhaltliche Grundlage für weitere Verhandlungen.

18.01.2018
Lokales Interessierte Eltern eingeladen - Tag der offenen Tür in der Integrations-Kita

Am Mittwoch, den 24. Januar lädt die bilinguale Integrations-Kindertagesstätte an der Maxim-Gorki-Straße 4 in Trachenberge zum Tag der offenen Tür ein.

18.01.2018

Im Januar und Februar werden im südlichen Bereich des Dresdner Hellers rund 20 Birken gefällt. Ursache ist der Schutz von geschützten Insektenarten.

18.01.2018