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07:30 14.03.2018
Die Modistin Katrin Westhäusler arbeitet in ihrem Atelier der „Modista Manufaktur“ an einem neuem Hut. Manche Maschinen für den traditionellen Handwerksberuf werden heute kaum noch hergestellt. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Ein Dämpfer, ein Holzkopf, eine Schere, ein Fläschchen mit chemischer Steife und eine Prise Menschenkenntnis – So fertigt die Modistin Katrin Westhäusler in der „Modista Hut-& Mützenmanufaktur“ in Dresden aus den Materialien in ihren Händen Hüte für verschiedene Anlässe.

Seit 2010 kreiert die Hutmacherin Unikate für den Kopf. Dazu gehören Panama-Hüte aus Stroh, klassische Hüte mit verschiedenen Krempen und ausgefallene „Fascinator“, die mit oder ohne Haarreif ins Haar gesteckt werden. Eine Besonderheit sind spezielle Mützen für Frauen mit einer Krebserkrankung, die den Haaransatz kaschieren sollen.

Durch Erkrankung Wiedereinstieg in traditionelles Handwerk

Gelernt hat die Dresdner Hutmacherin das Feintäschnerhandwerk. Doch der Ausbildungsbetrieb ging während ihrer Lehre Konkurs. „Na dann lernen Sie doch Modistin“, empfahl ihr die Dame vom Arbeitsamt. Wie viele Menschen heute, konnte sich auch Westhäusler damals nichts unter dem Begriff vorstellen. Doch die Materialvielfalt und Möglichkeiten zur kreativen Gestaltung gefielen ihr.

Nach dem Abschluss 1994 fand sie zunächst keine Anstellung in ihrem Beruf. Die Wende brachte eine Krebserkrankung. „Mit 32 Jahren wollte ich mich mit den vorhandenen Haarersatzmöglichkeiten nicht anfreunden“, erinnert sich die 44-Jährige. Mit ihren Kenntnissen aus der Ausbildung entwickelt sie spezielle Mützenmodelle für Frauen, die an Haarausfall leiden. Sie kaschieren den Haaransatz und sorgen optisch für Volumen.

Viele Arbeitsgeräte stammen aus Geschäftsaufgaben

In dem Atelier der Hutmacherin liegen Stoffballen, Regale voller Kopfformen aus Holz, Krempenformen und Nähmaschinen. Viele Arbeitsgeräte hat Westhäusler bei Ebay erstanden. „Oft aus Geschäftsaufgaben“, erzählt sie.

Für sehr feste Stoffe verwendet die Hutmacherin eine alte Riemennähmaschine von Pfaff. Die müsste aber erst einmal frei geräumt werden, denn auch hier stehen mit Fascinatorn geschmückte Puppenköpfe. Das Nähen mit historischen Maschinen liegt im Trend. Auch der Dresdner Maßschneider und Wirtschaftspreisträger Thomas Küchler setzt auf die robusten Maschinen.

Die Arbeitsabläufe der verschiedenen Kopfbedeckungen sind dabei ganz unterschiedlich. Während bei einer Mütze zuerst die Schnittentwicklung, der Zuschnitt und das Zusammennähen der Teile erfolgt, wird bei einem Filzhut der Rohling mit heißem Wasserdampf bearbeitet und dann über eine Holzform gezogen. Nach dem Trocknen wird er durch die Hutsteife gefestigt. Diese entsteht durch ein chemisches Gemisch aus Blattschellack und Brennspiritus.

In der Ecke steht eine besonders rare Maschine. „Der Hutweiter ist ein Dachbodenfund. Diese Maschinen werden gar nicht mehr hergestellt“, berichtet die Modistin.

Ein Highlight sind die Rennen auf der Galopprennbahn

Der Hut ist kein alltäglicher Bedarfsgegenstand. Im Winter musste deshalb auch der italienische Hutfabrikant Borsalino Insolvenz anmelden, obwohl die „Mafiosi-Hüte“ Filmgeschichte schrieben. Auch die Modistin kann von ihrem Handwerk allein nicht leben,. „Ich bin Hutmacherin in Teilzeit“, sagt sie. Ein Highlight sind die Pferderennen auf der Galopprennbahn, denn dort ist das alte Handwerk willkommen für neue Moden. Auch der Dresdner Hutball im Parkhotel zeigt, dass Hüte und kreative Kopfbedeckungen sich immer noch großer Beliebtheit erfreuen.

Für manche hat der Gang zum Hutmacher dem typischen Friseurbesuch in emotionalen Zeiten bereits den Rang abgelaufen. „Immer wenn ich Eheprobleme habe, brauche ich einen neuen Hut“, verriet eine Kundin der Modistin. Da dürfte sie kein Problem haben, denn „es gibt keine Hutgesichter, sondern zu jedem Körper einen Hut“, sagt Westhäusler. Es kommt nicht nur auf die Gesichtsform an, sondern auf den gesamten Körper. Vertraut man der britischen Vogue wird diesen Sommer der Turban als Kopfbedeckung sein Comeback feiern.

„Das Hutmachen soll nicht in Vergessenheit geraten“

Das Handwerk der Modistin ein alter Hut? Eher nein. „Die Nachfrage steigt“, sagt Westhäusler. Trotzdem waren Hutmacher schon damals „ein Handwerk am Rand“, berichtet sie aus ihrer Lehrzeit und hofft, dass es nie in Vergessenheit geraten wird.

„Modista Hut-& Mützenmanufaktur, Ullersdorfer Straße 36, www.modista.de, Nächste Veranstaltung: 5. Mai Rennen auf der Galopprennbahn Dresden.

Von Tomke Giedigkeit

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