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Lokales Hundevorfall in Gorbitz: Angeklagte hetzte ihr Tier nicht auf Äthiopierin
Dresden Lokales Hundevorfall in Gorbitz: Angeklagte hetzte ihr Tier nicht auf Äthiopierin
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17:51 12.09.2018
Symbolfoto Quelle: dpa
Dresden

Eine Hunde-Attacke auf eine junge Äthiopierin in Dresden-Gorbitz sorgte Anfang des Jahres bundesweit für viel Aufregung. Die Besitzerin des Hundes und ihr Begleiter sollen am 9. Januar die Frau an einer Straßenbahnhaltestelle zunächst rassistisch beleidigt haben. Dann habe die 23-Jährige ihren Hund auf die Frau gehetzt, wodurch die Äthiopierin verletzt worden sei. Es wurde sogar berichtet, dass sich das Tier in ihre Hüfte verbissen habe. Die Emotionen kochten hoch, Politiker verurteilten diese Tat aufs Schärfste. Dresden stand mal wieder in den Schlagzeilen.

Der Fall landete bei den Beamten des Landeskriminalamtes, da man von einer fremdenfeindlichen Tat ausging. Es wurde wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Bald merkten die Beamten allerdings, dass da vieles nicht zusammenpasste. Es gab zu viele Widersprüche zwischen den Aussagen und den Ermittlungen. Nach Zeugenbefragungen und dem Anschauen der Überwachungskameras der Verkehrsbetriebe relativierte sich das Ganze dann. Am Mittwoch stand Jennifer T. vor dem Amtsgericht – wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Die 23-Jährige wollte an jenem Tag mit ihrem Freund in die Bahn einsteigen, aus der die Äthiopierin und ihre Begleiter ausstiegen. Dabei kam es am Eingang zu einem lauten Streit zwischen dem Freund der Angeklagten und einem Begleiter der Geschädigten, der wohl beim Aussteigen etwas trödelte. Jennifer T. saß zu der Zeit schon mit ihrem Hund an der Leine in der Bahn. Das Tier hatte einen Ball im Mund, ließ ihn aus der Bahn kullern, die 23-Jährige ließ die Leine los, lief nach draußen um den Ball zu holen. Das Tier folgte ihr, lief weiter und sprang die Geschädigte von hinten an, die zu Boden fiel und sich dadurch am Knie und den Händen verletzte. So steht es in der Anklage.

Die Zeugenaussagen waren auch am Mittwoch sehr unterschiedlich – so konnte auch nicht genau geklärt werden, ob der Hund die Frau zu Boden gestoßen hat oder sie schon vorher hingefallen war, wie die Angeklagte und eine Zeugin erklärten. Während einige davon sprachen, dass der Hund die Frau von hinten angesprungen hat, sagte eine Zeugin, die junge Frau hätte gekauert, sich das Knie gehalten und wahnsinnig laut geschrien, erst dann sei der Hund auf sie zugestürmt und hätte sie von vorn angestoßen. Auch die Geschädigte selbst machte andere Angaben als früher. Von Bisswunden war keine Rede mehr, allerdings hätte er ihre Jacke kaputt gemacht.

Die Angeklagte, die sich zunächst nicht äußern wollte, bestätigte dann die Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. „Es tut mir wirklich leid“, entschuldigte sie sich. Das hätte die 23-Jährige schon vor Ort tun und die Situation erklären sollen, dann wäre die Sache vielleicht nicht so aus dem Ruder gelaufen. Aber sie war einfach weggegangen. „Ich habe erst in den Medien erfahren, was da passiert sein soll.“ „Warum haben Sie der Frau am Boden nicht geholfen“, fragte die Nebenklägerin. „Ich wusste nicht wie. Ich hatte den Hund und wusste nicht, wie sie reagiert, wenn sie solche Angst vor Hunden hat“, erklärte Jennifer T. Wenn sie den Hund im Griff und an der Leine gehabt hätte, wäre wohl auch eine „sichere“ Entschuldigung drin gewesen.

Ein „Beiß“, „Fass“ oder anderen Befehl an den Hund, die Äthiopierin anzugreifen, da waren sich im Gerichtssaal alle einig, hat es nicht gegeben. Das Verfahren gegen Jennifer T. wurde mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft vorläufig eingestellt. Sie muss 300 Euro Schmerzensgeld an die Geschädigte zahlen.

Von Monika Löffler

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