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Lokales Hochwasser in Dresden: Wasserstand der Elbe erreicht 7 Meter - Warten auf neue Jahrhundertflut
Dresden Lokales Hochwasser in Dresden: Wasserstand der Elbe erreicht 7 Meter - Warten auf neue Jahrhundertflut
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18:06 09.09.2015
Schaulustige an der Dresdner Augustusbrücke Quelle: dpa

Bis zum Mittwoch wird ein hundertjähriges Hochwasser (HQ) 100 erwartet. Das Landesumweltministerium rechnet dann mit einem Elbpegel in Dresden von 9 Metern. Zudem wird in machen Häusern das steigende Grundwasser zum Problem.

Bereits jetzt sind flussnahe Teile der Stadt überspült. Der Elbradweg ist nahezu überall nicht mehr passierbar. Im Zentrum steht das Terrassenufer etwa einen Meter unter Wasser. In der Friedrichstadt ist die Flutrinne vollgelaufen. Für die Elbe wurde die höchste Hochwasserwarnstufe 4 ausgerufen. Zudem gilt für die Stadtteile Zschieren, Kleinzschachwitz, Laubegast, westliche Stadtteile von Gohlis, Cossebaude und Stetzsch Katastrophenalarm. Mehrere Schulen in der Stadt sind bis einschließlich Mittwoch geschlossen. Unter der Telefonnummer (03 51) 4 88 76 66 schaltet die Stadt seit 10 Uhr ein Bürgertelefon.

 

Derweil laufen die Flutschutzarbeiten auf Hochtouren. An vielen Stellen wurden am Montag mobile Schutztore und Zäune installiert, unter anderem in Mickten, wo sich Oberbürgermeisterin Helma Orosz selbst ein Bild machte. „Die derzeitige Situation erinnert stark an die Ereignisse im August 2002. Ich hoffe aber sehr, dass wir nicht ein ähnliches Szenario erleben, sondern dass die Pegel vorher fallen“, so die Oberbürgermeisterin.

Laubegast bereitet sich auf das Hochwasser vor. (Bild vom 3.6.2013) Quelle: Dominik Brüggemann
An anderen Stellen wurden hingegen Evakuierungen vorbereitet, unter anderem in zwei Altenheimen in Pillnitz und Zschieren. In Gohlis wurde am Montag über 400 Anwohnern aus dem Gohliser Ortskern evakuiert. Grund sind Arbeiten der Landestalsperrenverwaltung an den Deichen. 35 Feuerwehrleute waren hier am Nachmittag dabei, die Wälle zu sichern. Am Abend kündigte die Stadt an, dass auch in Zschieren Bürger, welche am Alten Elbarm auf der Wilhelm-Weitling-Straße wohnen, mit einer Evakuierung rechnen müssen.

Doch auch in der Innenstadt waren Auswirkungen zu spüren. Der Große Garten wurde gesperrt und stand teils unter Wasser. Im Zwinger wurden Kunstschätze aus den Kellern geräumt. Die nahe Semperoper wurde mit aufblasbarren Wällen und zahllosen Sandsäcken geschützt.

Im Stadtzentrum war es derweil ruhig. Kaum Autos waren auf den Straßen, lediglich Hunderte "Flut-Touristen" säumten die Elbbrücken und Absperrungen. Drumherum standen aber auch viele in Gummistiefeln und mit Schaufeln und Arbeitshandschuhen bewafffnet, die helfen wollten. So arbeiteten seit dem Montagmorgen teils Hunderte Helfer daran, den Studentenclub Bärenzwinger hochwassersicher zu machen.

Mehrere Straßen sind gesperrt. Darunter die B6 bei Cotta, die Kreuzung Ostra-Ufer/Weißeritzstraße/ Pieschener Allee, das Terrassenufer und die Reisstraße. Am Nachmittag kam auch die Holzhofgasse am Diakonissenkrankenhaus hinzu. Mitternacht wird das Blaue Wunders gesperrt.

Überall in der Stadt bereiten sich die Anwohner auch individuell vor. An mehreren Stellen in Dresden waren Sandsack-Abfüllstellen vorbereitet, die stark frequentiert wurden. In elbnahen Vierteln wie Laubegast begannen Anwohner, die Erdgeschosse ihrer Häuser zu räumen. Die Feuerwehr bittet alle, die helfen wollen, sich per Mail unter feuerwehr@dresden.de zu melden.

Für die Weißeritz wurde ebenfalls Warnstufe 4 ausgerufen. Quelle: Tanja Tröger
Neben der Elbe ist in Dresden vor allem die Weißeritz betroffen, für die ebenfalls Warnstufe 4 ausgerufen wurde. Vor allem der Zufluss aus der übergelaufenen Talsperre Malter bereitet den Einsatzkräften hier Kopfzerbrechen. Stand Montag 18 Uhr reichte das Flussbett jedoch noch aus. Laut Staddtverwaltung entspannte sich die Lage am späten Abend, Warnstufe 4 blieb aber bestehen. Auch am Lockwitzbach scheint das Schlimmste überstanden.

Voraussichtlich am Mittwoch wird der Höchststand der Elbe erwartet. Bis dahin drücken Wassermassen aus Tschechien in Richtung Dresden. Nach Prognosen von Freitag wird in Dresden ein Pegelstand von 9 Metern erwartet. 2002 waren es 9,40 Meter. Die Dresdner Polizei half am Montagmittag hauptsächlich der Feuerwehr mit Unterstützungsarbeiten aus. „Wir helfen beispielsweise beim Aufbau von Straßensperren“, berichtete ein Sprecher der Polizei.

Momentan bereiten die Beamten eine Führungsstabsstelle vor. Inzwischen sei auch der Dienst auf ein 12-Stunden-Schichtsystem umgestellt worden. Das Technische Hilfswerk (THW) Sachsen/Thüringen mit Sitz in Altenburg richtet seinen Fokus auf das Leipziger Umland. „Im Raum Dresden sind bislang 30 Leute im Einsatz“, berichtete ein Sprecher gegenüber DNN-Online. In Nossen helfen einige Mitarbeiter aus und in Dresden selbst ist ein THW-Berater im Krisenzentrum im Einsatz. „Wir sind schon stark ausgereizt“, so der Sprecher. Insgesamt seien aktuell 350 Helfer in Sachsen im Einsatz. Rund 40 Dresdner THW-Helfer rückten nach Bannewitz aus, da in Dresden die Situation noch verhältnismäßig ruhig sei.

Am Club Bärenzwinger wurden am Montagmorgen Sandsäcke gestapelt um das Lokal zu schützen. Quelle: Stephan Lohse
Derweil gilt seit dem Montagmorgen auch für das Obere Elbtal und Kommunen entlang der Weißeritz Katastrophenalarm. Evakuierungen würden vorbereitet, teilte das Landratsamt in Pirna mit. Betroffen sind die Touristenorte entlang der Elbe zwischen Heidenau und Bad Schandau sowie Gemeinden im Osterzgebirge. Nach derzeitigen Prognosen des Landeshochwasserzentrums solle die Elbe am Pegel Schöna am Vormittag auf sieben Meter und bis Mittwoch auf bis zu 11,05 Meter ansteigen.

„Wir wollen die Menschen für die extreme Hochwasserlage sensibilisieren, damit sie Vorsorge treffen“, sagte eine Sprecherin der Behörde. Wie viele Einwohner betroffen sind, konnte sie noch nicht sagen. In Bad Schandau begannen am Montag die Evakuierungen.

Auf dem Marktplatz von Bad Schandau in der Sächsischen Schweiz versuchten Anwohner und Geschäftsleute am Montag, ihre Gebäude hochwasserfest zu machen. Sie stellen Aluminium-Spundwände auf. Prognosen zufolge wird die Elbe die Stadt an der deutsch-tschechischen Grenze überfluten, drei Meter hoch soll das Wasser dann auf dem Marktplatz stehen. Das ist fast so hoch wie bei der Jahrhundertflut 2002. Die Stimmung in der Stadt schwanke zwischen Wut, Resignation und Sorge, sagt Bürgermeister Andreas Eggert.

sl / JV / dbr / dpa

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