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Lokales Hochwasser in Dresden: Elbepegel steigt weiter
Dresden Lokales Hochwasser in Dresden: Elbepegel steigt weiter
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18:09 09.09.2015
Am Terrassenufer versucht die Feuerwehr, die Fluten aufzuhalten. Quelle: Stephan Lohse

Teilweise wurde hier der Strom abgestellt. Die Marke von 8 Metern soll noch am Abend überschritten werden. Die Behörden gehen davon aus, dass der Pegel 9 Meter überschreiben könnte. Ein erster Wasserscheitel wird für die Nacht erwartet. Da aus Tschechien aber weitere Wassermassen kommen, bleibt die Lage bis zum Wochenende ernst.

Für Mittwochabend  prognostiziert das Landeshochwasserzentrum für den Pegel Schöna

einen Wasserstand bis zu 11,30 m. Im gleichen Zeitraum werden am Pegel Dresden bis zu 8,60 m, in Riesa bis zu 9,65 m und in Torgau bis zu 8,70 m erwartet. Weitere Wassermassen aus Tschechien könnten die Pegel weiter steigen lassen.

Feuerwehr richtet neue Sandsackstellen ein

Am Dienstagabend hat die Feuerwehr zusammen mit dem THW und der Bundeswehr neue Orte für den Sandsackbau eingerichtet.  An der Salzburger Straße wurde ein Sandsackverbau durch das THW und die Bundeswehr errichtet. Zum Schutz der Innenstadt errichtete die Feuerwehr am Terrassenufer / Steinstraße einen Sandsackverbau. Hier helfen 160 Feuerwehrleute aus Hamburg, die eigens nach Dresden gekommen sind.

Im Bereich der Meußlitzer und der Österreicher Straße werden ebenfalls Sandsäcke gefüllt. Zudem sichern Feuerwehrleute das Schloss Pillnitz mit Sandsäcken. Ein Verbau mit Big-Bag-Systemen wird in Altstetzsch (Flensburger Straße) errichtet, um das Einfliesen der Elbe nach Stetzsch zu verhindern. In Cossebaude am Bad errichten Soldaten der Bundeswehr einen Sandsackverbau.

An der Moritzburger Straße / Eisenberger Straße wird ein Sandsackverbau zur Leipziger Straße errichtet.

An vielen Einsatzstellen unterstützen Bürger die Einsatzkräfte. Obwohl es keinen Aufruf zur Hilfeleistung gab, greifen sie einfach mit zu, berichtet die Feuerwehrwehr von der Unterstützung der Dresdner.

In verschiedenen Stadtteilen wurden Anwohner evakuiert. Zunächst mussten am Montagabend rund 400 Gohliser ihre Häuser verlassen. Dort waren Arbeiten an einem Damm nicht rechtzeitig fertig geworden, weswegen die Sicherheit gefährdet war. Laut Stadtverwaltung war der Deich in der Nacht gesichert. Am späten Abend mussten zudem Anwohner aus Zschieren evakuiert werden, in der Nacht zu Dienstag traf es dann Anwohner in Laubegast. Hier waren rund 200 Anwohner der Östereicher Straße und der Linzer Straße betroffen.

In Gohlis liefen am Dienstag ab 11 Uhr die Dämme über, die Elbe ergießt sich in Richtung des Alten Ortskerns. Auch in Tolkewitz und Laubegast ist die Lage weiter kritisch. Der Alte Elbarm läuft nach und nach voll. Die Stimmung vor Ort ist bedrückt. Zahlreiche Anwohner packen und fliehen, Polizei, Feuerwehr und Bundeswehr sind im Einsatz. Am Nachmittag sollen weitere 400 Anwohner evakuiert werden.

Baustopp an der Waldschlößchenbrücke

Das Elbehochwasser hat auch die Bauarbeiten an der Dresdner Waldschlößchenbrücke gestoppt. „Das ist zu gefährlich“, sagte Stadtsprecher Kai Schulz am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa. Die Baustelle sei gesichert, das Bauwerk selbst nicht in Gefahr. Schäden könnten nur durch Treibgut entstehen, das an die Pfeiler getrieben werde. Der anschwellende Fluss umspült bis in die Elbauen hinauf die Brückenfüße. Es ist der erste Flut-Härtetest für die Konstruktion, die mittlerweile nahezu komplett das Wasser überspannt.

Entwarnung an der Weißeritz

An der Weißeritz entspannte sich die Lage am Dienstag hingegen. Am Mittag wurde die höchste Warnstufe vier aufgehoben, teilte die Stadtverwaltung mit. Es gilt nur noch Warnstufe zwei. 2002 hatte die Weißeritz verheerende Schäden verursacht. Diesmal blieb der Fluss hingegen in seinem Bett.

Der Verkehr in Dresden ist durch die Fluten stark beeinträchtigt. Zahlreiche ufernahe Straßen sind gesperrt, unter anderem das Terrassenufer und die Holzhofgasse, die als Umleitungsstrecke der Bautzner Straße diente. In der Nacht wurde zudem das Blaue Wunder für den Autoverkehr gesperrt. Nur Fußgänger dürfen die Brücke noch passieren.

An zahlreichen Schulen fällt bis Donnerstag der Unterricht aus, auch viele Kindertageseinrichtungen sind geschlossen. Die Stadt hat alle Sportstätten und Bäder bis einschließlich Sonntag gesperrt. Nach Amts- und Landgericht schloss am Dienstag auch das Oberlandesgericht seine Türen. Die Stadtverwaltung sagte alle Gremiensitzungen ab. Das Bürgerbüro in der Theaterstraße wurde ebenfalls geschlossen. Zum einen werden hier die Keller beräumt, zum anderen will die Stadt vorsichtshalber sämtliche Daten sichern.

Innenminister warnt vor Pegelanstig

Sachsens Innenminister Markus Ulbig rechnete am Dienstag nicht mit einer baldigen Entspannung. Erst in der kommenden Nacht werde der Hochwasserscheitel Prag erreichen. Bis zum Wochenende werde das Hochwasser Dresden noch beschäftigen. "Wir rechnen mit einem Pegel von 9 Metern plus X", so Ulbig. Bei der Jahrhundertflut 2002 waren es 9,40 Meter. Unterdessen besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Nachmittag Pirna und verschaffte sich selbst einen Eindruck des Katastrophengebietes.

Kulturveranstaltungen fallen aus

Auch die Dresdner Theater müssen auf die angespannte Hochwassersituation reagieren. Wie die Semperoper mitteilte, kommt es aufgrund der aktuellen Hochwassergefährdung zu Änderungen im Spielplan. Die für Donnerstag geplante Vorstellung von Orlando findet um 19 Uhr in einer eingeschränkten szenischen Variante statt, da die Anlieferung der benötigten Kulissenteile nicht gewährleistet ist. Der William Forsythe Ballettabend am Freitag sowie „Die Zauberflöte“ am Sonntag können wie geplant aufgeführt werden. Die Semperoper lässt am Dienstag die vorstellung von "Prinz Bussel" ausfallen, auch im Schauspielhaus wird Dienstag und Mittwoch nicht gespielt.

sl/dpa

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Hunderte Helfer kämpfen in Dresden gegen das Hochwasser. Neben der Feuerwehr sind beispielsweise bis zu 3000 Soldaten der Bundeswehr in Sachsen im Einsatz. In der Landeshauptstadt waren die Soldaten am Dienstag vor allem in Laubegast vor Ort, um den Stadtteil vor der totalen Überflutung zu retten.

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