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Lokales Hochwasser in Dresden: Elbe sinkt langsam aber stetig
Dresden Lokales Hochwasser in Dresden: Elbe sinkt langsam aber stetig
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17:59 09.09.2015
Der Fährgarten Johannstadt improvisiert während der Flut. Quelle: dpa
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Weiterhin sind in Dresden knapp 5000 Menschen ohne Strom. In Laubegast und Pillnitz im Osten sowie Gohlis und Cossebaude im Westen stehen viele Häuser noch immer unter Wasser. 2600 Menschen in Dresden mussten evakuiert werden. Nach Angaben von Experten erlebt Dresden das drittgrößte Elbehochwasser aller Zeiten - nach 1845 und der Flutkatastrophe 2002.

„Sinkende Pegelstände bedeuten keine Entspannung“, sagt auch Landespolizeipräsident Rainer Kann am Freitag in Dresden. Denn das Grundwasser in der Stadt steigt stetig an. Deswegen warnen Stadt und Feuerwehr auch, vollgelaufene Keller ohne Rücksprache mit einem Statiker auszupumpen. Aufträge zum Leerpumpen nimmt die Leitstelle der Feuerwehr unter Telefon 112 entgegen.

Wasser weicht nur sehr langsam zurück

Zudem fließen die Wassermassen nur zentimeterweise ab. Bis die höchste Warnstufe vier aufgehoben werden kann, könnte es eine Woche dauern. Die tschechischen Rückhaltebecken wie die Talsperre Orlik und das Becken von Litomerice seien zwar Sachsens „Lebensversicherung“, so der Hochwasserexperte im Umweltministerium, Martin Socher. „Ohne sie wären es viele hundert Kubikmeter mehr pro Sekunde“, betonte er. Die Becken seien aber randvoll. Und da in Tschechien zu Wochenbeginn weitere starke Regenfälle erwartet werden, müssen sie nun nach und nach abgelassen werden. Daher sei das Niveau in der Elbe nun über mehrere Tage auf einem sehr hohen Stand, erklärte Socher.

Das Elbe-Hochwasser 2013 in Bildern

Für Dresden bedeutet dies, dass viele Anwohner weiter auf eine Rückkehr in ihre Häuser warten müssen. Zudem müssen die Deiche und Sandsackwälle kontinuierlich beobachtet werden. Feuerwehr, Bundeswehr und THW sind durchgehend im Einsatz. „Die Deiche weichen auf und verlieren an Standsicherheit“, warnte Umweltminister Frank Kupfer (CDU).

Polizei fährt verstärkt Streife

Die Dresdner Polizei geht zum Schutz vor Plünderern verstärkt in den evakuierten Gebieten auf Patrouille. Wie die Polizei am Freitag mitteilte, ist die Kontrolle der Zufahrtswege zu den überschwemmten Stadtteilen ein Schwerpunkt der kommenden Tage. Bislang seien aber keine Plünderungen bekannt. Auch die Deiche will die Polizei weiterhin kontrollieren, um Katastrophentourismus zu verhindern. Zwar sind viele Deiche und Sandsack-Wälle abgesperrt. Viele Schaulustige hindert dies aber nicht, die durchweichten Wälle zu erklettern.

DNN-Spendenaufruf: Hilfe für Hochwasseropfer

Nach vier Stufen kommt die Elbe: Trotzdem erholen sich viele Jugendliche weiter auf der Freitreppe am Königsufer. Quelle: Stephan Lohse
Die Stimmung ist in weiten Teilen der Stadt entspannt. Die Dresdner Hotels sind gut gebucht, auf der Prager Straße ist von Hochwasser-Stimmung nichts zu spüren, selbst auf der Brühlschen Terrasse, direkt über dem Hochwasser, sind die Freisitze gut belegt. Zudem feiern viele Helfer ihren Sieg über das Hochwasser, beispielsweise am Samstag zum 45. Geburtstag des Bärenzwingers, der dieses Mal trocken blieb. Dort wurde bereits am Freitag mit den Einsatzkräften gefeiert, dass der Damm hält.

Aufräumen beginnt - Schäden in Milliardenhöhe

An ersten Stellen beginnt bereits das Aufräumen. Sachsenweit wird mit Milliardenschäden gerechnet, aber nicht in der Dimension von 2002. Es habe deutlich längere Vorwarnzeiten und damit eine bessere Vorbereitung gegeben, sagte Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) mit Blick auf die Unternehmen. In den Hochwasserregionen dürfen die Geschäfte an diesem Sonntag öffnen, unter anderem Dresden macht davon Gebrauch. Auch das LKW-Fahrverbot am Sonntag ist aufgehoben. Allerdings sind noch immer einige Hauptstraßen gesperrt, darunter die B6 im Dresdner Westen, das Blaue Wunder und die Niederwarthaer Brücke.

Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) dankte dem Bund in Berlin für die zugesagte Soforthilfe von 100 Millionen Euro für die Überschwemmungsgebiete. Für den Wiederaufbau seien aber weitere Mittel nötig. Bund und Länder müssten nun zusammenstehen - ähnlich wie nach der verheerenden Flut von 2002. Die Umweltminister der Länder werden nach der Hochwasserkatastrophe in weiten Teilen Deutschlands eine Fehler- und Schwachstellen-Analyse vorlegen und rufen eine Sonderkonferenz dazu ein.

Die Elbe steht weiter bei deutlich mehr als 8 Metern. Quelle: Stephan Lohse
Der Freistaat gibt den vom Hochwasser betroffenen Kommunen, Landkreisen und kreisfreien Städten Geld zur anstehenden Entsorgung von Müll und Schlamm. Die Soforthilfe im Gesamtumfang von 30 Millionen Euro steht ab Montag zur Verfügung, sagte Bernd Engelsberger vom Finanzministerium am Freitagabend in Dresden. Sie werde als Pauschale nach dem voraussichtlichen Bedarf ausgezahlt. Es gehe um eine schnelle, unkomplizierte Unterstützung, damit der Schlamm schnell aus den Städten komme, sagte Innenminister Markus Ulbig (CDU).

Auszahlung der Soforthilfe läuft an

In Dresden begann am Freitag die Auszahlung der Flut-Soforthilfe. Wie die Stadt mitteilte, öffnen die Ortsämter Leuben, Altstadt, Neustadt und Ortschaft Cossebaude wie die Zahlstellen in Cossebaude, Leuben und dem Rathaus auch am Wochenende. Auch das Bürgertelefon unter der Rufnummer (03 51) 488 76 66 sowie die Koordinierungsstelle für die Bürgerhilfe unter Telefon (03 51) 488 10 60, Mobil (01 72) 367 07 00 sind am Wochenede erreichbar.

Für vom Hochwasser betroffene Bürgerinnen und Bürger zudem stehen folgende Krisen- und Seelsorgeangebote zur Verfügung: Rund um die Uhr ist die Seelsorge-Koordinierungsstelle beim DRK Dresden besetzt. Wenn Betroffene die Telefonnummer 8 50 02 39 wählen, wird sie ein Seelsorger an die Pfarrer, die in der Nähe der Anrufer sind, vermitteln. Rund um die Uhr erreichbar ist die Telefonseelsorge der Diakonie unter (0 80 01) 11 01 11 und (0 80 01) 11 02 22.

Auf den Sandsackplätzen Lockwitz und Cossebaude werden keine Sandsäcke mehr gefüllt. Kleine Mengen Sandsäcke können aus der dortigen Bevorratung noch abgeholt werden. Abgegeben werden können kontaminierte Sandsäcke bei der Firma Amand auf der Maxener Straße und auf der Deponie am Hammerweg. Ab Montag ist auch das städtische Abfall-Info-Telefon unter (03 51) 488 96 33 geschaltet. Zentrale Sperrmüllplätze in besonders betroffenen Vierteln sind laut Stadt in Vorbereitung.

sl / dpa

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