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Lokales Hochhausbewohner setzen sich gegen WiD-Hochhaus zur Wehr
Dresden Lokales Hochhausbewohner setzen sich gegen WiD-Hochhaus zur Wehr
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07:27 02.08.2018
Der Neubau soll am Standort einer stillgelegten Kita (rot) an der Florian-Geyer-Straße entstehen. Im Areal gibt es bereits drei 16-Geschosser. Quelle: Anja Schneider
Dresden

In Johannstadt regt sich Widerstand gegen Hochhausbaupläne der städtischen Wohnungsbaugesellschaft „Wohnen in Dresden“. Die WiD will an der Florian-Geyer-Straße einen Komplex aus einem 16- und einem Siebengeschosser errichten. Mit 132 Sozialwohnungen ist es das mit Abstand größte Einzelprojekt der Stadttochter. „Wir haben nichts gegen den Bau von Sozialwohnungen an dieser Stelle, aber in diesen Ausmaßen lehnen wir ihn ab“, sagt Doris Müller. Sie bewohnt einen der 16-Geschosser in der Nachbarschaft, die die Wohnungsgenossenschaft Johannstadt (WGJ) in den 1970er Jahren auf dem elbnah gelegenen Grundstück errichtet hat. Von den Bauplänen der WiD auf dem Gelände einer stillgelegten Kindertagesstätte hat sie aus den DNN erfahren. „Niemand hielt es für nötig, uns zu informieren, auch der Vorstand der WGJ hat von nichts gewusst“, kritisiert sie.

Die Mieterinitiative: Peter Jeschke, Sigfried Müller, Siegfried Beyer, Elvira Jeschke und Doris Müller (v.l.) wollen den Neubau so nicht hinnehmen. Quelle: Anja Schneider

Dabei haben die alteingesessenen Johannstädter durchaus etwas zum Thema zu sagen, wie sie unter Beweis stellen. Nachdem die ersten Infos durchgesickert waren, haben sie das Gespräch mit WiD-Chef Steffen Jäckel gesucht, mit dem Johannstädter Quartiersmanager Matthias Kunert gesprochen, Kontakte zur Stadtpolitik geknüpft. Die Genossenschaftler fühlen sich alleingelassen von ihrer Stadt und wollen sich so einfach nicht abspeisen lassen. Eine gemeinsam verfasste Petition haben 197 Bewohner der in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Hochhäuser an Florian-Geyer-Straße und Pfeifferhannsstraße unterschrieben und an den Stadtrat versandt. Der Petitionsausschuss werde sich am 15. August in nichtöffentlicher und am 5. September in öffentlicher Sitzung damit auseinandersetzen, teilt die Stadtverwaltung auf Anfrage mit.

Mieter sehen Frischluftversorgung gefährdet

Was kritisieren die Hochhausbewohner? Zum einen den Standort. Dort habe die Genossenschaft bereits zu DDR-Zeiten ein Hochhaus errichten wollen, dann aber davon abgesehen, erinnert sich Peter Jeschke. Wie Doris Müller lebt er seit reichlich 40 Jahren in seiner Hochhauswohnung, hat gemeinsam mit seiner Frau die damals obligatorischen Aufbaustunden geleistet. „Untersuchungen hatten damals ergeben, dass durch einen Hochhausbau an dieser Stelle die Frischluftversorgung gekappt wird“, sagt er. Im Zusammenspiel mit den umliegenden Gebäuden entstünde eine Sackgasse. Im Stadtplanungsamt hat man von derartigen Bedenken noch nichts gehört. Zwar habe man die Frischluftversorgung nicht untersucht, sehe jedoch keine Anhaltspunkte für eine problematische Situation. „Der Standort liegt nicht im Bereich einer Kaltluftschneise“, heißt es.

Die Abstände werden eingehalten

Im Übrigen verweist man im Stadtplanungsamt auf die eingehaltenen Mindestabstände zwischen den bestehenden Gebäuden und dem Neubau. Ein Argument, das gewichtig ist. Denn für den Bau des Hochhauskomplexes ist trotz seiner Dimension kein Bebauungsplan nötig. Baurecht kann nach dem Paragraphen 34 des Baugesetzbuches hergestellt werden, was in aller Regel ein schnelles Verfahren bedeutet, solange alle Mindestabstände eingehalten werden. „Und das tut man inzwischen, nachdem anfängliche Pläne zu wenig Abstand vorsahen“, wie Hochhausbewohner Siegfried Beyer sagt. Insofern weist das Stadtplanungsamt auch weitere mit dem Standort verbundene Kritik, etwa an der Beschattung des neuen Kolosses auf Nachbargebäude, mit Verweis auf das eingehaltene Regularium von sich.

Nur 80 Stellplätze müssen entstehen

Auswirkungen befürchten die Bewohner auch auf die Infrastruktur. „Wo sollen die alle parken“, fragt Siegfried Beyer. Man finde schon jetzt nur schwer einen freien Stellplatz im Quartier. Für den Neubau des Hochhauskomplexes kann die WiD bereits die neue Stellplatzsatzung anwenden, die Abminderungen für Investoren vorsieht, wenn Sozialwohnungen gebaut werden, Fahrradstellplätze vorgesehen sind und das Grundstück gut an den Nahverkehr angeschlossen ist – all das trifft bei dem Vorhaben in Johannstadt zu. Entsprechend müssen nur 0,6 Stellplätze je Wohnung gebaut werden. Diese 80 Parkplätze sollen laut Planungsamt „überwiegend im Untergeschoss“ entstehen.

Das geplante WiD-Hochhaus: An einen 16-Geschosser fügt sich ein siebengeschossiger Bau an. Insgesamt sollen 132 Wohnungen entstehen. Quelle: WiD/NHzwo

Zur Frage, warum der Bau so gewaltig ausfällt, äußert sich der Geschäftsbereich Gesundheit und Soziales, der Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann (Linke) untersteht, wie folgt: „Der gestalterische Ansatz des Entwurfs besteht darin, zwischen den drei bestehenden Hochhäusern und der gründerzeitlichen Bebauung zu vermitteln. Dabei komplettiert der hohe Teil des geplanten Gebäudes die vorhandene städtebauliche Figur der drei bestehenden Hochhäuser, der niedrigere Teil leitet in die Blockrandbebauung über.“ Was die Stadtverwaltung nicht mitteilt: Es geht auch um die Schaffung von Wohnkapazitäten, mit der die WiD beauftragt ist. Mangels geeigneter Grundstücke solle offenbar aus dem in der Johannstadt das Maximale herausgeholt werden, vermutet Siegfried Beyer. „Man hat in der Vergangenheit so viele Fehler in der Stadtplanung gemacht“, meint Peter Jeschke mit Verweis auf den Woba-Verkauf und das städtische Grundstücksmanagement, „und wir sollen es jetzt ausbaden.“

Eigentlich sollten elbnahe Hochhäuser abgerissen werden

Dabei war es vor Jahren noch undenkbar, dass so nah an der Elbe neue Hochhäuser entstehen. „Im Gegenteil, unsere Hochhäuser sollten ja abgerissen werden, da gab es eine richtige Kampagne“, erinnert sich Doris Müller. Diese Ansinnen hätten sich nicht nur auf das Hochhaus-Hotel „Am Terrassenufer“, sonder auch auf die Punkthochhäuser der Johannstadt bezogen. Das Argument: Sie stünden zu nah an den Elbwiesen und verschandelten den Blick auf die Altstadtkulisse. Die jetzige Kehrtwende kann Doris Müller nicht verstehen. „Warum gibt es kein Hochhauskonzept?“, fragt sie.

Anwohner sollen im Herbst informiert werden

Nur eine der Fragen, die zunächst unbeantwortet im Raum stehen bleibt, weil Stadtverwaltung und WiD in Sachen Bürgernähe eher zurückhaltend an der Florian-Geyer-Straße agieren. Im Herbst solle es einen Termin geben, bei dem vor allem die Bewohner der Hochhäuser im Quartier bei einer Veranstaltung informiert werden, heißt es aus Bürgermeisterin Kaufmanns Geschäftsbereich. „Dann sind doch alle Messen schon gelesen“, befürchtet Siegfried Beyer. In der Stadtverwaltung spricht man dagegen von einem frühen Planungsstadium. Außerdem habe die WiD noch keinen Bauantrag gestellt.

CDU-Stadtrat unterstützt Mieterinitiative

Vielleicht ist da noch Spielraum im Verfahren? Einen Unterstützer haben die Johannstädter jedenfalls bereits gefunden. CDU-Stadtrat Hans-Joachim Brauns haben ihrer Argumente überzeugt. „Ich unterstütze die Petition der Mieterinitiative ausdrücklich“, sagt er. „In städtebaulicher Hinsicht wird ein viertes Hochhaus zu einer erheblichen Verdichtung des Stadtraumes führen mit allen negativen Konsequenzen für Verkehr, Klima, sozialer Struktur und für das gesamte Stadtbild Dresdens. Noch vor Jahren diskutierte die Stadtpolitik aus guten Gründen den Abriss der drei bestehenden Hochhäuser. Mir ist vor diesem Hintergrund völlig unverständlich, warum die WID im 21. Jahrhundert die Sünden des sozialistischen Wohnungsbaus der 70er Jahre wiederholt.“

Von Uwe Hofmann

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