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Hinter Mauern: Sportfest in der JVA Dresden

Hinter Mauern: Sportfest in der JVA Dresden

Da stimmte gestern einfach alles, beim diesem Sportfest auf dem Hammerweg. Das Wetter war perfekt, die Stimmung war bestens, es gab Eis und Kuchen und die "Athleten" zeigten, was sie körperlich so drauf haben.

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Volleyballturnier in der JVA.

Quelle: ml

Beim Kugelstoßen, Seilspringen oder Volleyball wurde hart, aber fair gekämpft und bei den pfiffigen Sachen, die etwas aus dem Rahmen fallen, wie "Traktorziehen" oder "Kanistertragen", gab es neben dem Sport auch noch viel Spaß. Wären die hohen Mauern nicht, würde man sich wie auf einem ganz normalen Sportfest fühlen.

Seit Jahren werden in der in der Justizvollzugsanstalt (JVA) auf dem Hammerweg solche Sportfeste veranstaltet und das mit Erfolg. "Das Interesse ist gigantisch", sagt Anstaltsleiter Ulrich Schwarzer. "Aus Sicherheitsgründen müssen wir aber die Teilnehmerzahl auf 150 beschränken, mehr ist einfach nicht machbar, auch wenn die meisten Gefangenen ganz friedliche Bürger sind." Die JVA auf dem Hammerweg ist gut gefüllt, die meisten Insassen sind Deutsche. "Wir haben zwar viele Nationen hier, aber davon nur jeweils ganz wenig Leute. Von den 800 Insassen sind gerade einmal 20 Polen und das in Grenznähe. Wer also sagt, dass in unserem Gefängnis die meisten Häftlinge Ausländer sind, irrt", erklärt Schwarzer.

Organisiert wird das Sportfest vom Hammerweg e. V., einer Organisation von ehrenamtlichen Helfern, die sich um die Gefangenen kümmern. Hermann Blumhardt zum Beispiel ist seit vier Jahren dabei, begleitet Gefangene beim Ausgang und kümmert sich um solche, die keinen Kontakt zu ihrer Familie haben. "Auch die wollen einmal mit jemanden reden, und dann höre ich ihnen zu. Die freuen sich richtig darauf und ich habe etwas zu tun", erzählt der 69-Jährige. Sabine Thomas, die sogar im Vorstand ist, ist über Medienberichte auf den Hammerweg e. V. gekommen. "Zuerst habe ich über das Internet Kontakt aufgenommen und jetzt bin ich sehr oft hier. Berührungsängste habe ich nicht."

Die Gefangenen wissen diese Hilfe zu schätzen. "Ohne den Hammerweg e. V. wäre ein solchen Sportfest gar nicht möglich, dass könnten wir gar nicht organisieren", erklärt Dietmar K. von der "Gefangenenmitverantwortung", einer Art Betriebsrat der Häftlinge. Die fünf Mitglieder werden von den Insassen gewählt und sind ein Vermittler zwischen Gefangenen und der Anstaltsleitung. Sie geben Anregungen oder tragen die Kritik der Häftlinge weiter. Mehmet S. ist der Chef und das seit vier Jahren. Warum er einsitzt, will er nicht sagen, aber er hofft in zwei bis drei Jahren rauszukommen. Dann will der ehemalige Lehrer ein Restaurant eröffnen. Das Sportfest findet er toll. "Es ist eine Abwechslung im tristen Alltag. Wir sind ja doch viel allein und hier ist man zusammen und kann sich richtig auspowern."

Er selbst hält nicht so viel vom Sport, machte gerade einmal beim Ringewerfen mit. Ihn ziehe es mehr zur Kunst. Mit der Theatergruppe der JVA studierte er schon einige Stücke ein. "Wir haben da sogar Aufführungen mit 50 Leuten gemacht. 25 waren Häftlinge, 25 Darsteller kamen von draußen, das hat richtig Spaß gemacht." Im September soll ein neues Stück einstudiert werden, er freut sich schon darauf.

Auch Ulrich Schwarzer findet die Theatergruppe gut. "Da wachsen manche über sich hinaus. Leute, die sich sonst kaum artikulieren können, lernen sich auszudrücken und vor allem Disziplin. Unsere beiden Kunsttherapeutinnen, die die Stücke mit den Gefangenen einstudieren, sind da ganz schön streng und lassen nichts durchgehen."

Die JVA bietet den Gefangenen viele Möglichkeiten, sich zu beschäftigen oder weiterzubilden - Schule, Ausbildung und auch Arbeit. Im Juni ist zwar per Gesetz die Arbeitspflicht für Strafgefangenen weggefallen, die Warteliste ist aber trotzdem lang. Das Interesse an Arbeit ist groß. Der Tag geht schneller vorüber und man kann sich etwas Geld verdienen. "Hier ist vieles möglich, wenn man will. Und sie müssen lernen, sich um sich selbst zu kümmern. Das fällt vielen schwer, deshalb sind sie ja oft hier. Wir müssen daran denken, dass diese Menschen auch einmal wieder unter uns sind. Was passiert dann? Wenn sie nur mit Hass auf die ganze Welt hier rausgehen, sind sie bald wieder hier."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.09.2013

Monika Löffler

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