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Lokales Hilfe für das Leben nach dem Schlaganfall
Dresden Lokales Hilfe für das Leben nach dem Schlaganfall
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13:09 21.09.2018
Schlaganfall-Lotsin Nastasja Pfaff besucht ihren Patienten Christian Ritter und misst seinen Blutdruck. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Täglich Blutdruck messen und verschiedene Medikamente zu verschiedenen Uhrzeiten nehmen – Sein Schlaganfall im März begleitet Christian Ritter bis heute jeden Tag. Drei Wochen lag der Dresdner im Krankenhaus, bevor er entlassen wurde und zurück in seine Wohnung durfte. Mit der Freude über die Entlassung mischen sich aber auch Ängste vor einem erneuten Schlaganfall und viele Aufgaben zur Vorbeugung und Nachsorge, die der 62-Jährige nun beachten muss.

Hier helfen ihm die Schlaganfall-Lotsen „SOS-Care Hilfe nach dem Schlaganfall“ vom Neurovaskulärem Netzwerk Ostsachsen/Südbrandenburg am Dresdner Uniklinikum. „Dass sich eine Krankenkasse an dem Projekt beteilige, mache das Nachsorgeprojekt deutschlandweit einmalig, berichtet Nastasja Pfaff, die Ritter seit seinem Schlaganfall betreut. Möglicher Auslöser kann ein unentdecktes Hirnaneurysma sein. Zu den Diagnose- und Therapiemöglichkeiten findet am 22. September am Dresdner Uniklinikum die Herbsttagung des Vereins für Hirn-Aneurysma-Erkrankte statt, bei dem Experten Patienten und Angehörige informieren.

„Wir begleiten Schlaganfall-Patienten von der Akutbehandlung im Krankenhaus über die Reha und darüber hinaus bei der Rückkehr in die Häuslichkeit“, sagt Pfaff. In einem „Schlaganfall-Pass“ werden verschiedene Daten, wie Blutwerte, festgehalten und individuelle Zielvereinbarungen zur Risikoverminderung eines erneuten Schlaganfalls vereinbart. Dazu gehören beispielsweise Ziele in der Gewichtsreduktion durch Bewegung und Ernährung, sowie einen eventuell erhöhten Blutdruck zu senken. Dass ein Schlaganfall auch Menschen treffen kann, die nicht zur Risiko-Gruppe gehören, zeigt Ritter. „Ich rauche nicht und bewege mich regelmäßig“, sagt er.

Es gibt zwei Arten von Schlaganfall: Mit rund 80 Prozent erleidet die Mehrheit der Patienten einen Schlaganfall durch ein verstopftes Gefäß. Das Risiko eines erneuten sogenannten Reinfarkts wollen die Lotsen mit ihrer Arbeit reduzieren. Die zweite Form des Schlaganfalls ist der hämorrhagische Schlaganfall, bei dem zum Beispiel ein geplatztes Gefäß eine Blutung im Gehirn verursacht.

„Der Hausarzt und der niedergelassene Neurologe sind die wichtigsten Ansprechpartner für nach einem Schlaganfall entlassene Patienten im ambulanten Bereich“, sagt Pfaff. Doch der Unterstützungsbedarf für viele Patienten kann nicht allein durch die medizinische Versorgung gedeckt werden. „Wir helfen zum Beispiel auch bei der Suche nach weiteren Hilfsangeboten, wie Essen auf Rädern, oder bei der allgemeinen Alltagsbewältigung“, erklärt Pfaff. Alle zehn bis zwölf Wochen telefonieren Pfaff und Ritter miteinander. Wenn es notwendig ist, besuchen Pfaff und ihr Kollege die Patienten auch über den Aufnahmebesuch und das Abschlussgespräch hinaus zu Hause. Ein Dauerbrenner ist für die Schlaganfall-Lotsen die richtige Medikamenteneinnahme. Einige seien mit der Dosierung und Zeiteinteilung überfordert, berichtet Pfaff. Da komme es vor, dass alte Medikamente noch aufgebraucht werden und gleichzeitig bereits ein neu verordnetes geschluckt werde. Besonders bei Blutverdünnern kann das lebensbedrohlich werden.

Ein Jahr lang begleiten Pfaff und ihr Kollege die Schlaganfallpatienten. „Insgesamt betreuen wir aktuell rund 130 Patienten“, berichtet die 38-Jährige. Nach einer ersten Auswertungsstudie zeichnet sich ab, dass die Betreuung durch die Schlaganfall-Lotsen, das Risiko für einen erneuten Schlaganfall senken kann. Die genauen Zahlen sollen bald publiziert werden. „Das Ziel ist unser Programm ausweiten zu können und damit die Lebensqualität von mehr Patienten verbessern“.

Von Tomke Giedigkeit

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