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Lokales DNN-Spendenaktion: Hilfe für Pflegekinder
Dresden Lokales DNN-Spendenaktion: Hilfe für Pflegekinder
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10:11 24.11.2018
Mit Hilfe von Aufwind lernen Jonas und Marie Musikinstrumente. Quelle: Dietrich Flechtner
Coswig

Jonas* will zeigen, was er schon in der Musikschule gelernt hat, setzt sich ans Klavier im Wohnzimmer und beginnt zu spielen. Seine kleine Schwester Marie* traut sich erst nicht, doch dann beginnt auch sie kurz zu flöten. Zusammen mit ihrem vier Jahre alten Bruder leben die fünfjährige Marie und der elfjährige Jonas bei ihren Pflegeeltern Annegret und Volker in Coswig.

Rechtlich gesehen ist die Einrichtung der Outlaw gGmbH ein Kinderheim. „Aber wir leben wie eine Pflegefamilie zusammen“, sagt Mutter Annegret. Vom Staat bekommen sie für verschiedene Aktivitäten mit den Kindern Pauschalen. Für Hobbys gibt es pro Kind monatlich durchschnittlich rund acht Euro – Klavierstunden für Jonas können damit nicht bezahlt werden.

Der Dresdner Verein Aufwind unterstützt die Familie und finanziert Jonas beispielsweise den Musikunterricht. Insgesamt förderte Aufwind im vergangenen Jahr rund 460 Kinder aus Dresden und dem Umland im Bereich Musik, Theater und Tanz. Die DNN-Hilfsaktion Dresdner helfen Dresdnern sammelt auch für Aufwind.

Bereits 13 Pflegekindern ein Zuhause gegeben

Die Eltern sind beide gelernte Pädagogen, das sehen die gesetzlichen Regelungen so vor. Wer privat ein Pflegekind aufnehmen möchte, muss aber keine erzieherische Ausbildung vorweisen. „Bis zu fünf Pflegekinder haben wir schon gleichzeitig aufgenommen“, sagt Annegret. Bis heute hat das Paar bereits 13 Pflegekindern ein Zuhause gegeben. „Die Kinder sollen eine Heimat finden können. Es ist für sie sehr wichtig, konstante Bezugspersonen zu haben“, sagt Volker.

Jonas kam im Alter von drei Jahren zu ihnen, die anderen beiden waren erst einige Monate alt. „Die Gründe sind ganz verschieden“, berichtet die 58-jährige Annegret. Dazu gehören unter anderem psychische Erkrankungen der Eltern, Drogenprobleme oder häusliche Gewalt in der Familie.

In der Regel ist das Konzept der Pflegefamilie darauf ausgelegt, dass die Kinder irgendwann wieder zurück in ihre Herkunftsfamilie können. „Unsere drei haben eher langfristige Perspektiven und sollen bei uns aufwachsen. Das ist schon etwas Besonderes.““, sagt Annegret. „Trotzdem bleiben die Kinder wenn möglich in Kontakt zu ihren leiblichen Eltern. Das ist für ihre Entwicklung sehr wichtig.“

Kinder haben nicht gelernt, dass sie sich auf ihre Eltern verlassen können

Meist haben die Kinder schon verschiedene Stationen – von Notfallbetreuung bis Heimaufenthalt – hinter sich, wenn sie in die Familie von Annegret und Volker kommen. „Angst und Unsicherheit sind ein großes Problem“, sagt der 53-jährige Familienvater.

Vielen aufgenommenen Kindern falle es schwer Vertrauen und Bindungen aufzubauen, was unter anderem zu Lern- oder Verhaltensproblemen führen könne. Weil viele Pflegekinder in ihren Herkunftsfamilien nicht gelernt haben, dass sie sich auf ihre Eltern verlassen können, fehlt ihnen das Grundvertrauen in eine Eltern-Kind-Beziehung. „Um den Kindern Stabilität zu geben, sind Routinen ganz wichtig“, erklärt Annegret. Werden Routinen gestört, fühlen sie sich verängstigt und können dadurch auch aggressiv werden.

Aufwind unterstützt auch bei Geburtstagsgeschenken

„Wir wollen den Kindern einen familiären Alltag anbieten“, sagt Annegret. Dazu gehören auch Urlaube und Familienfeste. Doch auch hier ist das staatliche Geld eng bemessen. Für ein Geburtstagsgeschenk für Kinder in stationären Einrichtungen sieht das Jugendamt rund 15 Euro vor. Aufwind spendet ein Geschenk im Wert von 30 Euro dazu, dass von einem ehrenamtlichen Helfer als Geburtstagspate überbracht wird. 115 Kinder konnten sich im vergangenen Jahr so über ein Geschenk und einen Überraschungsgast an ihrem Geburtstag freuen.

„Für uns ist es eine große Freude, wenn die Kinder Selbstvertrauen entwickeln“, sagt Annegret. Denn das ist die Voraussetzung, dass Kinder – wie Jonas und Marie – als junge Erwachsene eine Ausbildung absolvieren können und so die Chance auf ein selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Leben bekommen.

Spenden für Aufwind oder ein anderes Projekt können Sie hier.

*Name geändert

Von Tomke Giedigkeit

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