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Lokales Hilbert bedauert späte Reaktion auf Zeltstadt - Stadt Dresden distanziert sich von Flugblatt
Dresden Lokales Hilbert bedauert späte Reaktion auf Zeltstadt - Stadt Dresden distanziert sich von Flugblatt
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19:41 09.09.2015
Urlaubsgrüße vom OB: Während Ehrenamtliche den Aufbau der Zeltstadt organisierten, postete Dirk Hilbert fleißig Familienbilder auf Facebook. Quelle: Screenshot Facebook

Es ist Urlaubszeit.

In Dresden kämpften ehrenamtliche Helfer mit dem Aufbau der Zeltstadt, hunderte Flüchtlinge hatten gerade die erste Nacht in der Landeshauptstadt hinter sich, als der designierte Oberbürgermeister Dirk Hilbert am Freitag seinen Dresdnern via Facebook zeigte, was er im Südkorea-Urlaub erlebt: Dirk Hilbert beim Essen, die Familie am Strand. Bei Nachfragen zur Zeltstadt verwies die Stadt auf die andere Elbseite, die Erstaufnahme von Asylbewerbern sei Landessache, hieß es vom Dr.-Külz-Ring. Damit schien die Stadt aus dem Schneider.

Kehrtwende am Montag

Am Montag nun hat Hilbert eine Kehrtwende gemacht. „Ich bekam zurecht kritische Rückmeldungen, dass ich in den vergangenen Tagen Urlaubsbilder gepostet habe, während in Dresden leider wieder negative Schlagzeilen produziert werden“, schrieb er. „Hierfür entschuldige ich mich ausdrücklich.“ Der Aufbau des Zeltcamps und die „unsäglichen NPD-Gegendemonstrationen“ seien ihm zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt gewesen, die Entwicklung habe ihn „zu spät erreicht“.

Nun soll die amtierende Stadtspitze aktiv werden. Hilbert kündigte eine Zusammenkunft der „amtsführenden Verantwortlichen“ im Rathaus an und erklärte, Dresden solle ihnen Heimat auf Zeit sein und die traumatischen Erlebnisse überwinden helfen. „Ich wünsche, dass alle Dresdnerinnen und Dresdner, Unternehmen, Vereine und Verbände ebenso wie die Stadtverwaltung selbst ihren Beitrag hierfür leisten. Wie der gewünschte Beitrag der Stadtverwaltung aussehen könnte, ließ er offen.

Das soll voraussichtlich am Dienstag bekannt gegeben werden, sagte  Rathaussprecherin Heike Großmann auf DNN-Anfrage. Sie verwies auf eine erste Reaktion aus dem Rathaus, in der sich Hilberts Stellvertreter, Bürgermeister Winfried Lehmann (CDU),  zu Wort meldete. Dabei lobte er das Engagement der freiwilligen Helfer, die am Wochenende für die Bewohner der Zeltstadt gespendet haben. „Diese Welle der Hilfsbereitschaft zeigt das wahre Gesicht unserer Stadt“, sagte Lehmann. Auch den Einsatz der Landesdirektion Sachsen, des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), des Technischen Hilfswerks (THW) und des Ausländerrats lobte Lehmann.

Kurz darauf meldete die Initiative „Dresden für Alle“, die seit Sonnabend Spenden für die Flüchtlinge gesammelt hat, dass sie die Spendenkoordinierung ans DRK abgibt. Als „rein ehrenamtlich arbeitendes Netzwerk“ müsse die Initiative erkennen, dass sie „mittelfristig an ihre Grenzen stößt“, sagte Sprecher Eric Hattke. Die Freiwilligen seien zwar weiter einsatzbereit, sie könnten aber keine Verantwortung für die Lage im Camp übernehmen.

Parallel dazu wurde am Montag ein Flugblatt bekannt, das in der Friedrichstadt gefunden wurde und Verhaltensregeln beim Umgang von Einheimischen mit Flüchtlingen enthält. Darin steht zum Beispiel, Frauen sollten auf kurze und leichte Röcke und schulterfreie Tops verzichten, wenn sie Umgang mit Flüchtlingen haben. Als Ansprechpartner stehen unter anderem Hattke und DRK-Landesschef Rüdiger Unger auf dem Zettel. Hattke bestätigte auf DNN-Anfrage, dass es sich um eine Fälschung handelt. Das Flugblatt wurde wahrscheinlich von Rechten verfasst. „Ich erwäge eine Strafanzeige“, so der Sprecher von „Dresden für Alle“.

Auch die Stadtverwaltung reagierte. Sie distanzierte sich von dem Flugblatt und „prüft nunmehr strafrechtliche Schritte“ angesichts des Logos und des Namens von Sozialamtsleiterin Susanne Cordts auf der Fälschung.

Christoph Springer

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