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Lokales Hightech-Unternehmen aus Dresden baut für den Airbus A 380
Dresden Lokales Hightech-Unternehmen aus Dresden baut für den Airbus A 380
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19:51 18.04.2016
Sebastian Marthaler ist einer von 60 EAST 4D Mitarbeitern. Er bedient die Maschine, die mit dem hauseigenen „Filament Winding Forming“ arbeitet. Quelle: Fotos (3): Anja Schneider

Ohne den sogenannten „Nosecone“ aus Dresden könnte das weltweit größte Passagierflugzeug, der Airbus A 380, nicht abheben. Die Firma EAST 4D stellt diese Triebwerkseinlaufkegel aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff (CFK) exklusiv und weltweit einzigartig in ihrem Werk in Dresden her.

„Normalerweise sind diese Bauteile aus Metall, da sie extrem hohen Belastungen ausgesetzt sind. Unser Produkt aus CFK bietet die gleichen Eigenschaften, ist aber über 50 Prozent leichter“, erklärt Geschäftsführer und Firmengründe Raimund Grothaus. Sein Unternehmen besitzt das Patent auf eine neuartige Herstellungsmethode für CFK-Bauteile, das sogenannte „Filament Winding Forming“. Dabei werden in einem Wickelverfahren die einzelnen Fasern um einen Rohling „gesponnen“.

Mit einer mehrachsig bewegbaren Fadenführung können auch komplizierte Bauteile wie beispielsweise die konischen Triebwerkseinlaufkegel hergestellt werden. Einen großen Anteil an der positiven Entwicklung von EAST 4D hat die Zusammenarbeit mit dem Triebwerkshersteller Rolls Royce, der die „Nosecones“ aus CFK mittlerweile an drei seiner Triebwerke in der Serienproduktion verwendet.

Neben dem Airbus A 380 sind auch die neuen Baureihen von Boing 717 und Gulfstream G 650 mit den Triebwerkseinlaufkegel aus Dresden ausgestattet. „Natürlich ist die Gewichteinsparung mit Blick auf das ganze Flugzeug auf den ersten Blick nur minimal. Doch wenn man den Spritverbrauch einer ganzen Flotte für mehrere Jahre berechnet, ergeben sich beachtliche Einsparungen“, erklärt der Geschäftsführer.

Zudem baut das Unternehmen für die Luftfahrtindustrie auch Wassertanks und weitere Kleinteile aus CFK. „Flugzeugteile aus diesem Material werden in der Zukunft noch häufiger eingesetzt. Die Nosecones sind erst der Anfang“, ist sich Grothaus sicher.

Er gründete die Firma 1999 aus dem Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik (ILK) der TU Dresden heraus. Zunächst handelte es sich nur um ein kleines Ingenieurbüro mit vier Mitarbeiten. Entwickelt wurden dort unter anderem Ski, Rohre oder medizintechnische Geräte aus CFK. „Wir haben damals alles mögliche untersucht“, so Grothaus. 2006 richtete das Unternehmen dann eine Fabrik am heutigen Standort ein und spezialisierte sich mit der Entwicklung des „Nosecones“ auf den Flugzeugbau.

Drei Jahre später begann dann die Serienproduktion und die Zusammenarbeit mit Triebwerkshersteller Rolls Royce. Durch die patentierte Technologie zur Herstellung der CFK-Teile etablierte sich das Unternehmen schnell zu einer festen Größe im Flugzeugteilebau und beschäftigt heute über 60 Mitarbeiter.

Doch die Alleinstellung hat nicht nur positive Seiten. Da EAST 4D weltweit der alleinige Hersteller der „Nosecones“ aus CFK ist, sorgt sich Hauptabnehmer Rolls Royce um etwaige Lieferengpässe oder ungeplante Ereignisse. Diese Tatsache steht weiteren Großaufträgen derzeit noch im Weg. Doch der Geschäftsführer des mittelständigen Unternehmens sieht darin keine Probleme. „Wir haben alle Maschinen und Werkzeuge in doppelter Ausführung. Sollte einmal etwas ausfallen, sind wir gerüstet“, erklärt Grothaus. Zudem plant das Unternehmen den Bau einer neuen Produktionshalle, damit die Serienproduktion weiterer CFK-Bauteile vorangetrieben werden kann.

Für eine erfolgreiche Zukunft benötigt die Firma laut Grothaus noch weiteres Investitionskapital. „Wir müssen Prototypen und spezielles Werkzeug entwickeln und herstellen. Dazu bedarf es auch weiterer Ingenieure“, so der Geschäftsführer. Das sei deshalb so kostenintensiv, da nur ein Bruchteil dessen, was entwickelt werde, auch tatsächlich verkauft oder gar in Serie produziert werden könne, so Grothaus.

Um weiteres Kapital zu erschließen wird die Firma deshalb ab Juni ein sogenanntes „crowdfunding“-Portal im Internet einrichten. Neben den „Nosecones“ bietet das Unternehmen auch weitere innovative Bauteile aus CFK an. Es werden unter anderem Crashelemente für Schienenfahrzeuge oder Hubschrauber und schnell drehende Industriezentrifugen hergestellt. Schon jetzt hat EAST 4D durch vereinbarte Verträge einen Gesamtumsatz von über 30 Millionen Euro bis 2023 sicher.

Von Sebastian Burkhardt

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