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Lokales Hightech-Gründer ringen um Risikokapital
Dresden Lokales Hightech-Gründer ringen um Risikokapital
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08:43 19.10.2016
Ein Markt für innovative Geschäftsideen: die Hightech Venture Days in der Gläsernen VW-Manufaktur in Dresden.
Dresden

Technologieorientierte junge Unternehmen haben es in Deutschland immer noch schwer, rasch genug Kapital einzusammeln, um ihre innovativen Ideen zur Marktreife weiterzuentwickeln. Das haben Gründer, Forscher, Risikokapitalisten und Wirtschaftspolitiker gestern zum Auftakt des Investorenkongresses „Hightech Venture Days“ in Dresden eingeschätzt. „In den Neuen Bundesländern steht auch 2016 noch viel zu wenig Kapital für technologieorientierte Jungunternehmen zur Verfügung“, betonte Kongress-Chefin Bettina Voßberg.

Deshalb hat sie 48 Hightech-Jungunternehmer und Gründer von Wachstumsfirmen nach Dresden eingeladen, damit sie sich hier rund 80 Investoren aus Europa, den USA, Saudi-Arabien und Japan vorstellen können. Insgesamt haben die eingeladenen Firmen einen Finanzbedarf von zirka 280 Millionen Euro. Mit acht Hochtechnologie-Gründungen sind die Sachsen besonders stark vertreten, es präsentieren sich aber auch Start-ups aus West- und Süddeutschland, Skandinavien und Westeuropa. Sie öffnen vor den Kapitalisten eine ganze Wundertüte aus Geschäftsideen. Die lassen teils schon auf den ersten Blick erahnen, wie lange, riskant und teuer es sein könnte, sie zu realisieren – wie sehr sie aber auch die Wirtschaft umkrempeln und unser Leben verbessern könnten.

Die TU-Ausgründung „CommSolid“ aus Dresden zum Beispiel entwickelt derart genügsame und preisgünstige Funkchip-Lösungen, dass es bald möglich sein dürfte, jedes Gerät und jeden Quadratmeter Straße auf Erden per Mobilfunk zu vernetzen. Die „DustBiosolutions“ aus München hat derweil ein verblüffendes Mittel gegen lungenschädlichen Staub erdacht: Ihre bayerischen Bakterien verwandeln selbst feinsten Staub in harten Stein. Die Erfindung der jungen Firma „InfanDx“ aus Bonn wiederum könnte vielen noch ungeborenen Menschen viel Leid ersparen: Kinderärzte, Chemiker und Medizintechniker haben einen Weg gefunden, um Luftmangel während der Geburt eines Babys so früh zu erkennen, dass eine Therapie gegen eine dauerhafte spastische Lähmung rechtzeitig starten kann. Und die aus der TU Dresden ausgegründete Watttron GmbH hat Präzisionsheizsysteme nach dem Vorbild moderner Pixel-Bildschirme konstruiert, die enorme Materialersparnisse bei der Produktion von Joghurtbechern versprechen.

Solche junge Firmen sind typisch für Dresden und Sachsen: Oft sind es Ausgründungen aus der Uni oder aus einem der Fraunhofer-Institute, meist sehr technologieorientiert. Oft brauchen sie erstmal teure Technik und Geld für jahrelange Experimente, bis ihre Produkte marktreif sind.

Und dies ist auch einer der Gründe, warum viele Risikokapitalisten lieber in Berlin statt in Sachsen investieren. Denn die App-Firmen und Online-Geschäfte, die in der Bundeshauptstadt aus dem Boden schießen, brauchen vergleichsweise wenig Kapital, die Chancen ihrer Geschäftsmodelle sind selbst für Laien halbwegs abschätzbar und sie versprechen rasche und hohe Renditen bei einem Weiterverkauf. Und die drei Unis der Millionenstadt bringen fast pausenlos neue Ideen und kreative Absolventen hervor. Zudem pflegt Berlin sehr erfolgreich das Image als erfolgreicher „Start-up Hub“ und als „sexy Stadt“ bei Investoren. Folge: Ein Großteil des Risikokapitals fließt in diesen Berliner Hub. Allein im ersten Halbjahr 2016 steckten Risiko-Investoren rund 520 Millionen Euro in junge Berliner Unternehmen, auf dem zweiten Platz folgte Bayern mit 194 Millionen Euro.

Für sächsische Start-ups fielen da gerade mal fünf Millionen Euro Risikokapital ab.

Von Heiko Weckbrodt

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