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Herzinfarkt am Dresdner Hauptbahnhof: 4200 Euro Geldstrafe für unterlassene Hilfeleistung

Gerichtsurteil Herzinfarkt am Dresdner Hauptbahnhof: 4200 Euro Geldstrafe für unterlassene Hilfeleistung

Was am Pfingstmontag 2014 auf dem Dresdner Hauptbahnhof passierte, war eine tragische Geschichte, die ein Menschenleben forderte. Bei schneller Hilfe hätte dies vielleicht verhindert werden können. Aber da haben sich wohl einige darauf verlassen, dass der andere das Richtige tut.

Der Dresdner Hauptbahnhof
 

Quelle: Dietrich Flechter

Dresden.  Was am Pfingstmontag 2014 auf dem Dresdner Hauptbahnhof passierte, war eine tragische Geschichte, die ein Menschenleben forderte. Bei schneller Hilfe hätte dies vielleicht verhindert werden können. Aber da haben sich wohl einige darauf verlassen, dass der andere das Richtige tut. Wegen unterlassener Hilfeleistung saß Falk S. gestern auf der Anklagebank des Amtsgerichts. Er war zwar der Erste, aber nicht der Einzige, der nicht richtig reagierte.

Was tun im Notfall?

Untersuchen, ob Person auf Ansprache oder feste Schulterberührung reagiert.
Schnellstmöglich einen Notruf absetzen, hier gilt: erst 112 anrufen, dann gegebenenfalls 110.
Bei vorhandener Atmung Betroffenen direkt in stabile Seitenlage legen und auf den Notarzt warten.
Bei nicht vorhandener Atmung, wenn möglich, mit einer Herz-Lungen-Wiederbelebungsmaßnahme beginnen, bis der Notarzt eintrifft.
Wer einen Unfall bemerkt, jedoch keinerlei Reaktion zeigt, Hilfe zu leisten, macht sich strafbar.

9. Juni 2014 gegen 15.30 Uhr: Ein Mitarbeiter des Reinigungspersonals erleidet auf einem Außenbahnsteig des Hauptbahnhofes einen Herzinfarkt und stürzt bewusstlos auf einen Prellbock im Gleisbett. Minuten später bemerkt Falk S., Lok-Führer eines ICE, den Mann, der eine Warnweste trägt und so als Bahnmitarbeiter erkennbar war. Er steigt aus, beugt sich über den Bewusstlosen, stupst ihn mit den Füßen an und informiert per Telefon den Bereitstellungsleiter im Abstellbahnhof Reick. Er trifft noch zwei Kollegen vom Bahnschutz, erzählt ihnen von dem Mann, steigt in seinen Zug und fährt weg. Das zeigen Bilder der Überwachungskameras. Der Lokführer fuhr übrigens nicht fahrplangemäß in eine andere Stadt, sondern zum Bahnwaschen. Er hätte also durchaus warten können.

Erst weitere zehn Minuten später erfahren Mitarbeiter der Bundespolizei auf dem Bahnhof von dem Vorfall. „Ich bin hin, habe die leblose Person vorgefunden. Da waren auch zwei Kollegen vom Bahnschutz, aber keiner hatte bis dahin einen Rettungswagen gerufen. Ich habe dann, bis der Notarzt kam, versucht, den Mann wiederzubeleben“, gab der Polizeibeamte Andreas P. in der Verhandlung an. Neun Minuten lang kämpfte er um das Leben des Mannes – vergeblich, der 38-Jährige starb. Den Polizisten nimmt die Sache noch heute sehr mit, er kämpfte gestern mit den Tränen.

Der Angeklagte und der Disponent sahen das nicht so emotional. „Ich war in einer totalen Stresssituation und nicht in der Lage, Erste Hilfe zu leisten“, erklärte Falk S. Damit haben viele Probleme, aber die 112 hätte er rufen können, ein Handy hatte er dabei. „Ich dachte, durch meine Mitteilungen habe ich alles richtig gemacht. An den Notruf habe ich gar nicht gedacht.“ Das tat auch der Bereitstellungsleiter nicht, der nur im Bahnhof die Zentrale für Sauberkeit, Sicherheit und Service anrief. Für ihn war es allerdings schwieriger per Ferndiagnose eine Entscheidung zu treffen. Der Notruf erfolgte viel zu spät, so ging wichtige Zeit verloren, in der das Hirn des Opfers nicht mit Sauerstoff versorgt wurde.

Ob der Mann überlebt hätte, wenn der Angeklagte sofort professionelle Hilfe gerufen hätte, war nicht zu klären, aber die Chancen wären auf jeden Fall größer gewesen. Frank S. wurde zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen à 60 Euro verurteilt. Er wurde bestraft, aber da haben sich auch andere nicht mit Ruhm bekleckert.

Von Monika Löffler

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