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Herber Rückschlag für „Bienenstadt Dresden“

Amerikanische Faulbrut hat dramatische Folgen Herber Rückschlag für „Bienenstadt Dresden“

Es ist eine schöne Vorstellung: Städte fungieren als Retter der Bienen. Denn dort gibt es mehr Blütenpflanzen als auf dem Land und Leute, die bewusst Lebensräume für die Insekten schaffen wollen. Dresden wollte Bienenstadt werden. Doch nach Ansicht des Dresdner Imkervereins droht dem Projekt „Bienenstadt Dresden“ das Aus.

Biene.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Es ist eine schöne Vorstellung: Städte fungieren als Retter der Bienen. Denn dort gibt es mehr Blütenpflanzen als auf dem Land und Leute, die bewusst Lebensräume für die Insekten schaffen wollen. Dresden wollte Bienenstadt werden. Doch nach Ansicht des Dresdner Imkervereins droht dem Projekt „Bienenstadt Dresden“ das Aus.

Dabei nimmt die mit der politischen Wende drastisch gesunkene Zahl der Imker seit etwa drei Jahren wieder zu. Es sind meist junge Frauen zwischen 25 und 45 Jahren, die sich fürs Imkern entscheiden. Und zwar nicht, weil sie auf Nebeneinkünfte spekulieren, sondern etwas für Natur und Umwelt tun wollen.

Zahl der Bienenvölker in Dresden war 1987 dreimal höher

Lutz Meißner, Abteilungsleiter Tierschutz, Tierseuchenbekämpfung im Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt Dresden, beziffert die Zahl der Imker in Dresden auf gegenwärtig 428. Die Zahl der Bienenstandorte belaufe sich auf 534 und die Zahl der gemeldeten Bienenvölker auf über 2887. Das entspreche etwa einem Drittel des Bienenvolkbestandes von 1987 in Dresden, erfahren wir von Tino Lorz, Vorsitzender des Dresdner Imkervereins. Da seinen Worten zufolge die Neuimkerkurse immer gut besucht sind, besteht vom Prinzip her Hoffnung, dass der positive Trend anhält.

Trotzdem schlagen die Dresdner Imker Alarm. Denn nun sind die Bienen auch in der Stadt in Gefahr. Tino Lorz schätzt die Verluste bei diesen Insekten nach dem Winter auf „mindestens 30 Prozent“. Normal seien etwa 20 Prozent. „Selbst erfahrene Imker haben ganze Bienenstände verloren.“

Das sei an sich schon dramatisch, aber mit Sicherheit noch nicht das Ende der Fahnenstange. Denn aufgrund der in Dresden festgestellten Amerikanischen Faulbrut – einer für Bienen tödlichen Krankheit – laufen gegenwärtig in den sechs ausgerufenen Sperrbezirken vom Veterinäramt veranlasste Untersuchungen der Bienenvölker.

„Da Dresden komplett als bienenseuchengefährdetes Gebiet gilt, müssen auch die Stadtimker in den anderen Teilen der Stadt, die nicht zu einem Sperrgebiet gehören, ihre Bienenvölker beproben lassen. Und zwar auf eigene Kosten“, so Tino Lorz.

Imkerverein rechnet mit Verlust von 50 Prozent

Er rechnet damit, dass im Ergebnis dieser Untersuchungen noch weitere Bienenvölker getötet werden müssen. „Es droht die Situation, dass über 50 Prozent der im Spätsommer eingewinterten Bienenvölker zum Frühjahr 2017 tot sind bzw. im Rahmen der Seuchenbekämpfung getötet werden müssen und somit den Imkern bzw. zur Bestäubung von Wild- und Kulturpflanzen nicht mehr zu Verfügung stehen.“ Der Chef des Dresdner Imkervereins befürchtet zudem, dass viele der Freizeitimker die finanziellen Verluste nicht kompensieren können und aufgeben.

Aus städtischer Sicht klingt das nicht so dramatisch. „Seit Ausbruch der Amerikanischen Faulbrut in Dresden sind bisher nicht mehr als 20 Völker abgeschwefelt worden, viele erkrankte Völker konnten über Kunstschwarm saniert werden bzw. die Bekämpfungsmaßnahmen stehen erst bevor“, antwortete Lutz Meißner auf Anfrage der DNN.

Doch eben genau die Sanierung der Bienenstöcke sei ein Problem, erläutert der Chef des Imkervereins. Denn die Sanierung sei kompliziert, aufwändig und es sei dafür eine Ausrüstung erforderlich, die sich die meisten Imker schlicht nicht leisten könnten. „Die Bienenhaltung ist in Sachsen für 95 Prozent der Imker nur mit finanziellem Verlust möglich. Denn die Bestäubungsleistung wird nicht prämiert, und auch die Honigpreise sind nicht kostendeckend. Das Finanzamt geht bei einer Bienenvölkerzahl unter 30 von keinem finanziellen Gewinn aus.“ Die Sächsischen Imker seien fast ausschließlich Freizeitimker mit im Schnitt sieben Völkern je Imker. Die Imker in der Stadt Dresden haben laut Tino Lorz im Schnitt zwei bis drei Völker und oft nicht mal einen eigenen Garten. „Diese neue Art des Imkerns braucht Unterstützung. Das ist in den Köpfen vieler Politiker offenbar noch gar nicht angekommen.“

Aufruf zu Spenden für Bienengesundheitsmobil

„Es besteht die Möglichkeit, sich beim Landesimkerverband eine Ausrüstung gegen Gebühr zu leihen“, argumentiert Lutz Meißner von der Stadt. „Die vorhandene Ausrüstung ist nur rudimentär, schwer zu transportieren und reiche für so viele Betroffene nicht aus, hält Lorz dagegen.

Die einzige Möglichkeit, sehr viele Bienenvölker vor dem Tod zu retten und einem „solchen, bis dato unbekannten Ausmaß der Bienenseuche in Zukunft vorzubeugen“, wie der Chef des Dresdner Imkervereins sagt, sieht er in der Anschaffung eines „Bienengesundheitsmobils“ mit einer Sanierungsausrüstung und einer Ausstattung zur Entseuchung von Bienenwachs, Rähmchen und Beuten.

„Die Imker könnten dann auch den selbst gewonnen und entseuchten Wachs wieder in ihr Bienenvölker zurück geben und sind nicht auf belasteten und unreinen Fremdwachs angewiesen. In den meisten Bundesländern ist eine öffentlich finanzierte Ausrüstung zur Seuchenbekämpfung und für Vorbeugemaßnahmen zur Bienengesundheit Standard.“ „Es gibt keine gesetzliche Notwendigkeit, dass die Stadt Dresden hier mittels Technik in Vorleistung geht“, heißt es von der Stadt. Deshalb ruft der Imkerverein Dresden e.V. jetzt zu Spenden auf, um eine mobile Entseuchungsausrüstung anschaffen zu können. Doch die Frage sei, ob überhaupt und wie schnell die dafür erforderlichen 15000 Euro zusammenkommen.

„Laboruntersuchung für Gesundheitszeugnis muss Standard werden“

Tino Lorz Kritik richtet sich vor allem an die Landespolitik, denn in Sachsen werde aus Sicht der Imker zu wenig in die Seuchenbekämpfung investiert. „Ein Imker, der mit seinen Bienen von einem in den anderen Landkreis wechselt, muss sich mit einem Gesundheitszeugnis beim zuständigen Veterinäramt anmelden.“ Während in anderen Bundesländern Laborkontrollen vorgeschrieben seien, spare man sich in Sachsen das Geld und verlasse sich seit Jahren auf eine Sichtkontrolle der Bienenvölker. „Ein dramatischer Fehler, denn eine Infektion eines Bienenstockes kann man nur durch eine Laboruntersuchung zuverlässig ausschließen“, weiß Lorz.

Der Dresdner Imkerverein hatte nach eigenen Angaben schließlich selber Stichproben veranlasst und war so auf die Faulbrut gestoßen. Laut einer im Internet veröffentlichten Tabelle des Landesverbandes Sächsischer Imker gibt es Stand gegenwärtig 25 Sperrbezirke der Amerikanischen Faulbrut in Sachsen. Das macht die Dimension des Problems deutlich.

Eine weitere Ursache, dass sich Bienenkrankheiten ausbreiten können, sieht Tino Lorz im illegalen Imkern und im illegalen Besorgen von Bienenvölkern. „Da wird sogar in Fachzeitschriften zum Beispiel für Paketbienen aus Italien geworben. Bei Nacht und Nebel trifft man sich dann zur Übergabe auf einem Autobahnrastplatz“, weiß der Vorsitzende des Dresdner Imkervereins, der angesichts dieses florierenden internationalen Handels und fehlender Kontrollen das Schlimmste befürchtet. „Denn der kleine Beutenkäfer ist in Süditalien schon eingeschleppt. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass er auch hier auftaucht.“

Aufgeben will der Imkerverein nicht. Auch die Neuimkerkurse führt er fort. „Wir planen, eine Bienenlehrwiese anzulegen, wo Neuimker mit einem Bienenstock beginnen können und jederzeit fachlich beraten und unterstützt werden können“, so Lorz.

Von Catrin Steinbach

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