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Haus der Jüdischen Gemeinde Dresden wird zum Denkzeichen

Einweihung Haus der Jüdischen Gemeinde Dresden wird zum Denkzeichen

Am Haus der Jüdischen Gemeinde Dresden hängen neue Informationstafeln. Sie befassen sich mit dem Leid Dresdner Juden und wurden angebracht, um das geschichtsträchtige Gebäude an der Bautzner Straße als Denkzeichen zu würdigen.

Nora Goldenbogen und Annekatrin Klepsch bei der Einweihung.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Vor dem Eingang der Hausnummer 20 hat sich eine Menschentraube gebildet. Nachbarn, Spender und Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Dresden versammeln sich am 7. November 2017, um das Denkzeichen an der Bautzner Straße einzuweihen.

Die neben dem Gebäudeeingang angebrachte Tafel ist bereits das elfte Denkzeichen, welches dem Leben und Leiden Dresdner Juden während des Nationalsozialismus gedenkt. „Denkzeichen sind jedoch keine Mahnmale“, erklärt Hildegart Stellmacher von der Gesellschaft Christlich-Jüdischer Zusammenarbeit. Man solle den Ort wahrnehmen, weiter fragen und suchen, aber nicht bedrückt sein.

Annekatrin Klepsch (Linke) ist auch zur Einweihung anwesend. „Nach dem Rechtsruck im Bundestag muss wieder die Frage gestellt werden, wie der Nationalsozialismus damals überhaupt Fuß fassen konnte“, meint die Kulturbürgermeisterin. Man müsse Menschenbildung betreiben, so dass Ausgrenzung und Rassismus nie wieder einen Platz in der Gesellschaft bekommen können. Dafür sei das Denkzeichen an die Hauswand montiert worden: „Diese Tafel spricht die Menschen unmittelbar auf der Straße an“, so Klepsch.

Dr. Nora Goldenbogen von der Jüdischen Gemeinde zu Dresden erzählt die Geschichte des Hauses. Seit 1937 gehörte es der Israelitischen Religionsgemeinde Dresden, ab April 1940 funktionierten die Nationalsozialisten das Wohngebäude in ein Judenhaus um, in dem jüdische Familien zwangsweise wohnen mussten und anschließend deportiert wurden. Nach der Befreiung durch das sowjetische Militär im Mai 1945 wurde das Haus der jüdischen Gemeinde zurückgegeben. Bis 2001 befanden sich an der Bautzner Straße 20 Gemeinderäume, die Verwaltung und die Jüdische Wohlfahrtspflege. Das neue Zentrum, in das die Gemeinde umzog, befindet sich am Hasenberg.

Das Anbringen der Informationstafeln im Gebäudeeingang und an der Hausfassage kostete etwa 1 700 Euro. Finanziert wurde das Denkzeichen Bautzner Straße durch Spenden und das Programm „Förderung für stadtteilbezogene Maßnahmen“ des Ortsamtes Neustadt.

Im Jahr 2006 wurden die Denkzeichen von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Dresden e. V. ins Leben gerufen. Das Judenlager Hellerberg, das Polizeipräsidium Schießgasse oder die gläserne Bank auf der Brühlschen Terrasse sind weitere Denkzeichen.

Die Jüdische Gemeinde zu Dresden gedenkt am 9. November den Ereignissen der Reichspogromnacht. In der Nacht vom 9. bis 10. November 1938 brannten jüdische Synagogen in ganz Deutschland. Anlässlich des 79. Jahrestages findet eine Reihe von Veranstaltungen statt.

Von Junes Semmoudi

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