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Hat die Elbeschifffahrt eine Zukunft?

Diskussion im Dresdner Rathaus Hat die Elbeschifffahrt eine Zukunft?

Der Dresdner Alberthafen ist mehr als ein Umschlagplatz für Rohstoffe und Güter. Das Industriegebiet ist aber untrennbar mit der Wasserstraße Elbe verbunden. Wie es mit ihr weitergeht, ist ungewiss: Ausbau oder Rückbau, lauten die Alternativen.

Blick auf den Alberthafen.

Quelle: Jürgen-M. Schulter

Dresden. Dresdens Alberthafen ist eines der wenigen Industriegebiete in der Stadt. Etwa 40 Unternehmen mit insgesamt 500 Mitarbeitern haben sich dort angesiedelt, darunter auch einige lärmintensive. Heiko Loroff, Geschäftsführer der Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe, nennt gern die Vorzüge: „Der Hafen ist Drehscheibe für den Maschinen- und Anlagenbau. Er besitzt einen der größten Schwerlastkräne in einem europäischen Binnenhafen. Aufgrund seiner Lage hat er eine nicht unerhebliche Bedeutung für zukünftige Logistiklösungen der Stadt Dresden.“ Auch wenn viele Transporte heute verstärkt auf der Straße und der Schiene erfolgen, sei die Elbe nach wie vor ein wichtiger umweltfreundlicher Verkehrsträger. „Wir müssen auch an unsere Enkelkinder denken, niemand gibt uns das Recht, diese Ressource kaputt zu machen“, sagt er.

Doch es gibt einen Haken. Die Elbe ist zwischen dem tschechischen Usti und Geesthacht in Schleswig-Holstein weder kanalisiert noch mit Staustufen versehen – sondern über 600 Kilometer ein freifließender Fluss, der von Schneeschmelze und Regenwasser gespeist wird und damit einen stark schwankenden Wasserstand aufweist. In den Wintern 2014/15 und 2015/16 gab es in Tschechien kaum Schnee. Das wirkt sich auf den Pegelstand aus.

Zudem wurde die Unterhaltung des Flussbetts jahrzehntelang vernachlässigt. Wegen der Unsicherheit über die Zukunft der Elbeschifffahrt blieb auch der Neubau von Schiffen weitgehend aus. Derzeit gibt es im Hafen nach der langen Periode mit Niedrigwasser reichlich zu tun. So geht Loroff davon aus, dass die Bilanz diesmal etwas besser ausfällt als in den vergangenen Jahren.

Die ökologische Wasserstraße Elbe hält auch Klaus Kautz vom Wasser- und Schifffahrtsamt Dresden für unverzichtbar. Er verweist darauf, dass der Güterverkehr in Deutschland bis 2030 um 38 Prozent steigen soll. Straßen und Schienen sind jedoch schon jetzt überlastet. So begrüßt es Kautz auch, dass die Elbe künftig eine durchgängige Mindesttiefe der Fahrrinne von 1,40 Meter haben soll. Das sei ein Kompromiss, die Schifffahrt hatte 20 Zentimeter mehr gefordert. Nun geht es nicht darum, die Elbe überall auszubaggern, aber es müssen sieben Engstellen hauptsächlich in Sachsen-Anhalt beseitigt werden. Das ist teuer und setzt langwierige Genehmigungsplanungen voraus.

In Dresden gebe es eine gute Zusammenarbeit mit fast allen Umweltverbänden. „Im Stadtgebiet Dresden haben wir mit dem NaBu ein gemeinsames Projekt zur Anpflanzung von Schwarzpappeln an der Prießnitz-Mündung. Zudem haben wir dem NaBu ein Grundstück am Loschwitzer Hafen für Anpflanzungsmaßnahmen übertragen und versuchen gemeinsam, wo möglich, die wertvollen Bäume, die im Abflussprofil der Elbe stehen, zu schützen“, sagt Kautz.

Doch eitlen Sonnenschein gibt es in Sachen Elbe nicht. Aus Sicht des Umweltverbandes BUND-Elbeprojekt sollten die Nutzung der Elbe für den Gütertransport sowie die damit verbundenen Kosten in Frage gestellt werden. „Ein enges Korsett aus Deichen, Uferbebauungen und Buhnen schnürt die Elbe ein“, sagt Iris Brunar vom BUND. Eine Vertiefung der Flusssohle habe dramatische Folgen für das Grundwasser, die Auen und die darin lebenden Tier- und Pflanzenarten. Viele von ihnen seien selten. Der BUND legt eine Vision für die Elbe 2050 vor, für eine „lebendige und intakte Flusslandschaft“. Brunar geht dabei von einem naturverträglichen Tourismus aus, der der Region einen enormen Aufschwung verleihen soll.

Entgegen früherer Prognosen sei der Transport auf der Elbe deutlich gesunken. „Mehr als 90 Prozent der in den Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe Dresden, Riesa und Torgau umgeschlagenen Waren wurden mit dem Lkw und der Bahn transportiert und nicht mit dem Schiff“, sagt Stephan Kühn. Der Bundestagsabgeordnete der Grünen fordert in einem Antrag an den Bundestag, die Erosion der Sohle der Elbe zu stoppen.

Lassen sich Naturschutz und Schifffahrt auf der Elbe vereinen? Diesem Thema widmet sich am Dienstag, 7. November, um 19 Uhr im Plenarsaal des Dresdner Rathauses das erste von vier Umweltgesprächen der Reihe „4 Elemente“. Im Podium diskutieren darüber Hafenchef Heiko Loroff, Grünen-Bundestagsabgeordneter Stephan Kühn, Robert Rausch von der Sächsischen Dampfschiffahrt, Klaus Kautz, Chef des Wasserstraßen-und Schifffahrtsamt Dresden Schifffahrtsamt Dresden und Iris Brunar vom BUND. Der Eintritt ist frei.

Von Andreas Blanken

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