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Hasstiraden gegen Flüchtlinge in Dresden: Gericht verhandelt gegen junge Frau

Anschlag auf Boxberger Straße Hasstiraden gegen Flüchtlinge in Dresden: Gericht verhandelt gegen junge Frau

Eine 23 Jahre alte Frau steht seit Mittwoch in Dresden wegen eines Brandanschlages auf eine Flüchtlingsunterkunft sowie weiterer Straftaten vor Gericht. Im Fall der Brandstiftung ist die Dresdnerin wegen Beihilfe angeklagt. Zu Prozessbeginn im Dresdner Landgericht schwieg sie und machte auch keine Angaben zu ihrem Lebenslauf.

Im Oktober 2015 hatten Brandstifter sogenannte Molotowcocktails auf ein früheres Schulgebäude in Dresden-Prohlis geworfen.
 

Quelle: Roland Halkasch (Archiv)

Dresden. Im Prozess um den Brandanschlag auf ein Dresdner Flüchtlingsheim und weitere Straftaten hat die 23 Jahre alte Angeklagte ihr anfängliches Schweigen gebrochen. Nachdem sie zum Prozessauftakt am Landgericht Dresden am Mittwoch zunächst sogar Angaben zu ihrem Lebenslauf abgelehnt hatte, räumte sie nach einer Pause zumindest in zwei Fällen eine Tatbeteiligung ein. Die Frau steht wegen Nötigung, versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beihilfe zur Brandstiftung vor Gericht.

Vier Männer hatten in der Nacht zum 7. Oktober 2015 auf ein Schulgebäude, das zur Unterbringung von Flüchtlingen dienen sollte, Brandsätze geworfen. Bei dem Anschlag im Stadtteil Prohlis war niemand verletzt worden. Die Feuerwehr konnte die Flammen schnell löschen. Die Brandstifter im Alter zwischen 32 und 35 Jahren wurden im Sommer 2016 zu Haftstrafen bis zu dreieinhalb Jahren verurteilt. Ein Urteil ist bereits rechtskräftig. Alle Verurteilten hatten Revision beantragt.

Die 23-Jährige steht in diesem Fall im Verdacht, einen der Männer per SMS über einen Polizeieinsatz an der Asylunterkunft informiert und einen anderen Zeitpunkt für den Anschlag vorgeschlagen zu haben: „Wir können erst morgen etwas machen, wenn die Bullen weg sind“, soll die entsprechende Kurzmitteilung gelautet haben. Die Angeklagte bestritt, dass sie damit einen konkreten Anschlag meinte. Sie habe nicht gewusst, dass ihre SMS so etwas auslösen könnte. Es sei nicht ihre Art, etwas kaputt zu machen oder anzuzünden, gab sie zu Protokoll.

Der Beisitzende Richter Sven Andreae zweifelte an den Aussagen der Beschuldigten. Sie räume zwar bestimmte Dinge ein, lasse sie aber in einem anderen Licht erscheinen. Zu hasserfüllten Kommentaren auf ihrer Facebookseite konnte die 23-Jährige gleichfalls keine sinnvolle Erklärung abgeben. Die Staatsanwaltschaft hielt hier Sprüche vor, in denen sie sich darüber ausließ, dass Flüchtlinge in den Schweinestall gehören und dort auch von Schweinen gefressen werden sollten. Das sei nicht ihre Meinung, sagte sie auf eine Nachrage nur leise.

Der Frau wird zudem vorgeworfen, nach einer NPD-Demonstration am 24. Juli 2015 vor dem Dresdner Flüchtlingscamp in der Bremer Straße ein Kamerateam des ZDF attackiert und im August bei den Krawallen vor einer Asylunterkunft in Heidenau mit einer Wasserflasche nach einem Mann geworfen zu haben. Die Anklage wertet das als Nötigung beziehungsweise versuchte gefährliche Körperverletzung. Den Angriff auf das ZDF-Team gab die Beschuldigte zu, beim Flaschenwurf will sie angeblich weit daneben gezielt haben.

Das Landgericht unter Vorsitz von Richter Joachim Kubista hörte am ersten Prozesstag mehrere Zeugen, darunter Polizeibeamte, und schaute auch ein Video von den gewalttätigen Auseinandersetzungen in der Bremer Straße. Bis 13. Januar sind noch drei weitere Verhandlungstage angesetzt.

Von dpa

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