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Lokales Hans-Jörg Kluge trifft die Flut zum zweiten Mal mit voller Härte
Dresden Lokales Hans-Jörg Kluge trifft die Flut zum zweiten Mal mit voller Härte
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18:09 09.09.2015
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Nun steht die Elbe zum zweiten Mal im Haus. Aufgeben will Kluge trotzdem nicht.

Von wo aus rufen Sie an und wie ist die Situation?

Von unserem Verlag in Alttolkewitz aus. Meine Zeit verbringe ich im Moment mit Handy aufladen, telefonieren, organisieren. Und in der Nacht sitze ich da und gucke auf die braune Brühe da draußen. Gott sei Dank haben wir ein Notstromaggregat. Wissen Sie, wir wohnen ja zugleich auch hier und harren aus, bis das Wasser wieder weg ist. Im Moment steht es mit 1,20 Meter etwa 40 Zentimeter unter der Hochwassermarke von 2002. Zwei Keller sind komplett geflutet und im Erdgeschoss stehen der Laden, das Verkaufsbüro und die Lagerräume unter Wasser. Wir wussten ja, dass wir nicht aus dem Haus raus kommen. Also haben wir uns mit Lebensmitteln eingedeckt, die nicht so schnell verderben.

Wie geht es Ihnen?

Nicht gerade rosig. Das Warten ist schlimm. Heute Nacht habe ich wieder nicht geschlafen, weil ich mich gefragt habe: Was kommt denn jetzt noch alles auf dich zu? Sie müssen sich vorstellen: Ich bin jetzt 64. Und mein Verlag ist innerhalb von elf Jahren zweimal abgesoffen. Ich habe die Firma im Wendejahr 1989 übernommen zu Bedingungen der DDR, kurze Zeit später mussten wir uns gegen die übermächtige Konkurrenz behaupten. Wir hatten es einigermaßen geschafft, da kam das erste Hochwasser - und jetzt das zweite. Alles Geld haben wir hineingesteckt in das Haus.

Wie haben Sie sich auf die Flut vorbereitet?

Am Anfang war die Anspannung riesengroß. Wir haben versucht, alles außer Haus oder in die oberen Etagen zu bringen. Etwa 20 000 Kalender und 300 000 Ansichtskarten mit 150 verschiedenen Motiven von Dresden und der Sächsischen Schweiz sowie jede Menge Bücher hatten wir am Lager. Wir haben alles auf Paletten gepackt und mit einem Lkw in Sicherheit gebracht. Unendlich viel Zeit hatten wir nicht. Angefangen zu räumen haben wir am Montag, und am Dienstag kam das Wasser ziemlich schnell. Am Ende waren wir alle erschöpft.

Wie ist es Ihnen 2002 ergangen?

Da waren wir gerade fertig mit der Sanierung. Das war ja ein altes, marodes Haus. Zehn Jahre Arbeit waren umsonst. Wir konnten ja nicht ahnen, dass die Elbe so hoch steigen würde. Wir haben damals die Ansichtskarten und Kalender, die wir im August in großen Mengen vorrätig hatten, nur aus den untersten Regalen ausgeräumt. Letzten Endes mussten wir 22 Tonnen bedrucktes Papier entsorgen. Wir hatten einen Schaden von 420 000 Euro.

Mit welchem Schaden rechnen Sie dieses Mal?

Das kann ich noch nicht abschätzen. Ich weiß nicht, ob die Ansichtskarten, Kalender und Bücher, die wir nur nach oben und nicht mehr außer Haus bringen konnten, nach einer Woche in Wassernähe noch brauchbar sind oder nicht. Unser Drama ist ja auch, dass wir in erster Linie Hotels und Gaststätten in der Sächsischen Schweiz mit Kalendern und Ansichtskarten beliefern. Und weil die überwiegend auch alle abgesoffen sind, haben wir gleichzeitig keine Kunden mehr, die Bedarf an Ansichtskarten haben, sind also doppelt geschädigt.

Wie haben Sie die Hilfsbereitschaft der Leute damals empfunden und wie heute?

Die war 2002 enorm. Die Leute sind spontan von der Straße hereingekommen, haben gefragt, ob sie helfen können. Und wir haben damals Spenden über die Hilfsaktion "Dresdner helfen Dresdnern" bekommen. Enttäuscht bin ich, dass weder THW noch Feuerwehr noch Bundeswehr bis zu uns hinter gekommen sind. Am nahe gelegenen Toom-Baumarkt hat die Bundeswehr Notstromaggregate und Pumpen verschenkt. Und bei uns ist eine Pumpe kaputt gegangen.

Das Grundstück aufzugeben, daran haben Sie nicht gedacht?

Ich bin ja in Alttolkewitz geboren. Wir haben mit Hochwasser an der Elbe immer gelebt. Und ich habe das Glück, dass mein Sohn mit seinen 40 Jahren noch den Elan hat und weitermachen will. Und da mach' ich mit.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 08.06.2013

Katrin Richter

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