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Lokales Hannah kassiert und schweigt – die (zuweilen) stille Glocke der Frauenkirche
Dresden Lokales Hannah kassiert und schweigt – die (zuweilen) stille Glocke der Frauenkirche
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12:00 28.08.2018
Die Glocke Hannah aus dem ersten Fehlguss für die Frauenkirche steht am Schillerplatz und erklingt, wenn man einen Euro einwirft - machmal. Quelle: Bernd Hempelmann
Dresden

Jeder verdient eine zweite Chance. Auch Hannah. Aber sie will nicht läuten. Auch der zweite Euro kann sie nicht zum Klingen bringen. Hannah hängt still und schweiget.

Hannah ist eine der sieben Glocken der Frauenkirche, die im Dezember 2002 gegossen wurden für das wiederaufgebaute Gotteshaus. Doch der erste Versuch hatte einen leichten Klangfehler, vermutlich wegen der starken Verzierungen; die Glocken mussten noch einmal gefertigt werden. Aus diesem ersten Fehlguss stammt auch die Glocke „Hannah“. Sie hängt seit Ende 2015 in einer kleinen Konstruktion am Rande des Schillerplatzes in Blasewitz und ist Teil einer Gedenkstätte.

Die erinnert an Fritz Büttner. Er wurde 1922 in Dresden geboren, nach dem Krieg verschlug es ihn zunächst nach Bayern, später promovierte er an der FU Berlin, arbeitete als Regisseur und Dramaturg und war leidenschaftlicher Flieger, Segelflieger und Fluglehrer. Noch vor dem Fall der Mauer gründete er 1988 in Remagen die „Fördergemeinschaft zum Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche“ und es gelang ihm, die gesamten Kosten für den Neuguss der sieben Glocken, die Antriebe und die Glockenstühle durch Spendensammlungen aufzubringen. Bei der festlichen Weihe der Glocken am 4. Mai 2003 in Dresden war er noch dabei, starb aber kurz darauf.

All das ist auf Tafeln an der Gedenkstätte nachzulesen. Auch, dass die Glocke Hannah Eigentum ist der George Bähr Stiftung, die sie zu Ehren des Fritz Büttner dort an der Loschwitzer Straße aufgestellt hat. Und dass man einen Euro einwerfen kann, dann werde die Glocke läuten. Dazu gibt es eine ausgefeilte Konstruktion, in der man seinen Euro beobachten kann, wie er in einer langen Schiene entlangrollt, in ein Kästchen fällt (in dem schon einige Münzen liegen) und… nichts. Kein Glockenton. Es gibt offenbar einen technischen Defekt.

Was es indes nicht gibt, ist ein Kontakt, eine Telefonnummer für Störfälle. Oder von dem, der die Anlage wartet, ab und an leert eventuell. Die Stiftung selbst hat sich bislang auf Anfrage nicht geäußert.

Doch aller guten Dinge sind drei. Wenige Tage später ist der Münzbehälter geleert, die Euro-Schine ist neu überdacht, die Anlage offensichtlich gewartet und – Hannah lässt einen feinen, kleinen Ton erklingen. So soll es sein. Aber ob der Euro-Spender den Glockenklang hört, das ist offenbar Glückssache...

Eine weitere Glocke aus diesem ersten Fehlguss ist übrigens auf der Hauptstraße in der Dresdner Neustadt zu sehen. Die Verkündungsglocke „Johannes“ ist dort im Brauhaus Watzke aufgestellt. Erklingen tut sie zwar ebenfalls nicht, aber eine Infotafel verrät, dass man sie anfassen darf. Und das sollte man tun - denn es bringt angeblich Glück für den ganzen Lebensweg.

Bernd Hempelmann (Text und Fotos)

Von Bernd Hempelmann

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