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Handwerk in Dresden bietet noch zahlreiche offene Lehrstellen

Ausbildung hat begonnen Handwerk in Dresden bietet noch zahlreiche offene Lehrstellen

Larissa war in ihrem Ausbildungsbetrieb nicht glücklich. Sie fand einen neuen. Das klappt nicht immer: Viele Bewerber suchen noch ihren Traumjob; und viele Betriebe suchen noch junge Nachwuchskräfte.

Larissa Hempel will Friseurin werden – das war ihr schon lange klar. Jetzt fühlt sie sich in ihrem neuen Ausbildungsbetrieb auch richtig wohl.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Fachkräftemangel hier, unbesetzte Ausbildungsstellen da – der Arbeitsmarkt ist in Bewegung. „Das Handwerk“, sagt allerdings Manuela Salewski, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Dresden, „ist als Ausbilder bei den jungen Menschen gefragt.“ 1996 junge Menschen haben sich in diesem Jahr für eine Ausbildung im Handwerk des Dresdner Kammerbezirks entschieden und einen festen Ausbildungsvertrag erhalten. Der Kammerbezirk der Handwerkskammer umfasst die Landeshauptstadt und die Landkreise Meißen, Sächsische Schweiz-Osterzgebirge und Görlitz.Die Zahl der unterschriebenen Lehrverträge stieg im Vergleich zum Vorjahr um 326. „Das ist ein sehr gutes Ergebnis“, findet Manuela Salewski.

Larissa Hempel hat ihren Ausbildungsplatz, auch wenn sie mit einigen Umwegen an ihr Ziel gekommen ist. Die 18-Jährige ist jetzt eine von zehn Lehrlingen bei dem Dresdner Friseurunternehmen Haarpflege eG. Annett Dietze, geschäftsführende Vorsitzende, kann sich über zu wenige Bewerber eigentlich nicht beklagen. „In den letzten zwei Jahren haben wir guten Zuspruch erfahren“, betont die Friseurmeisterin. Sie sieht vor allem das Potenzial selbst ausgebildeter Fachkräfte und setzt in ihrem Unternehmen auch aktiv auf die Werbung um Nachwuchs, besonders auf Berufsmessen und in Schulen.

Im ersten Betrieb unterfordert

Larissa Hempel hatte zum ersten August bereits mit unterschriebenem Lehrvertrag in einem Friseursalon angefangen, merkte aber schnell, dass sie nach kurzer Zeit unterfordert war. Sie habe sich nicht willkommen gefühlt. „Für die nächsten drei Jahre wäre das keine Arbeitsatmosphäre gewesen“, erzählt die Coswigerin. Nach langer Bedenkzeit entschied sie sich zur Kündigung. „Ich habe mich sehr schlecht gefühlt. Erst kämpft man um einen Abschluss, dann um einen Ausbildungsplatz und muss schließlich noch einmal ganz von vorn anfangen“, so die Auszubildende.

„Eigentlich stellen wir nur vier bis fünf Auszubildende pro Ausbildungsjahr ein“, berichtet Annett Dietze. Gerade in diesem Jahr sei noch eine Stelle aufgemacht worden, die dann leider unbesetzt blieb. Larissa kam gerade zur rechten Zeit – den Kontakt zu dem 57-jährigen Traditionsunternehmens bekam sie von der Handwerkskammer und bewarb sich.

Chefin freut sich über Eigeninitiative

Annett Dietze, die als Geschäftsführerin 14 Filialen vorsteht, sieht es gern, wenn Jugendliche Eigeninitiative ergreifen. „Die Menschen wollen gefordert werden, sie wollen Friseur werden“, lobt Dietze. Leider erlebt es die Friseurmeisterin nicht selten, dass viele junge Einsteiger den Anforderungen des Friseurberufs kaum gewachsen sind. „Unser Beruf wird von manchen Auszubildenden massiv unterschätzt.“

Neben den reizvollen Aspekten des Berufs, wie Kreativität, Erfolg und flexibler Zeitplanung, würden viele die körperliche wie auch psychische Anstrengung, die ein Beruf am Kunden mit sich bringt, übersehen. „Der Kunde muss das Gefühl haben, sich wohlzufühlen. Die Frisur kann noch so gut aussehen. Hat er sich nicht wohl gefühlt, kommt er nicht wieder“, meint Dietze. Persönlichkeitsmerkmale wie Durchhaltevermögen, Engagement und Kritikfähigkeit vermisse sie bei vielen Bewerbern. Dass Larissa Durchhaltevermögen besitzt, hat sie bereits bewiesen. „Ich wollte mein Hobby unbedingt zum Beruf machen“, unterstreicht die 18-Jährige.

Die Diskussion um die Vergütung in der Friseurausbildung hat Larissa in den Medien durchaus verfolgt, abgeschreckt habe sie die geringe Verdienstaussicht in der Branche aber nicht. In elf Bundesländern hatte die Gewerkschaft ver.di auf die schlechte Vergütung aufmerksam gemacht und sieht nun den Tarifverhandlungen im Herbst positiv entgegen. Eine Erhöhung von 10 bis 20 Prozent wird gefordert. Damit würde das Mindestgehalt von 269 Euro im Osten auf mindestens 325 Euro monatlich steigen. Der Gesamtdurchschnitt der tariflichen Ausbildungsvergütung lag über sämtliche Branchen hinweg bei 826 Euro.

Branche kämpft mit Vorurteilen

Auch Friseurmeisterin Annett Dietze hat oft mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass der Beruf zwangsläufig einen Geringverdienst mit sich brächte. „Wir wollen mit unseren Azubis keine preiswerten Servicekräfte“, betont sie entschieden. Wie auch Larissa sei es vielen Kollegen wichtig, ihre Berufung gefunden zu haben. „Ich möchte vor allem eine gute Ausbildung. Das Geld spielt für mich dabei keine große Rolle“, meint Larissa. Die angehende Friseurin findet besonders die Arbeit mit dem Kunden und die handwerklichen Aspekte des Berufs spannend. „Ich freue mich darauf, den Kunden gut zu beraten und ein schönes Ergebnis zu erzielen.“

Seit dem 1. September ist sie nun offiziell Auszubildende bei Haarpflege eG im Salon auf der Bautzner Straße. Ihre Ausbilderin Jeannette Strauch wird Larissa sofort in die Arbeitsabläufe einbinden. Schneiden dürfe die neue Kollegin nach den gelernten Grundlagen sofort, wenn auch nur am Modell. Wann die Auszubildende an den Kundenkopf dürfe, sei eine Talentfrage.

Wie auch Larissa Hempel entscheiden sich für eine Ausbildung zur Friseurin vor allem junge Frauen. Allgemein beliebt ist der Beruf des Mechatronikers, noch vor Elektroniker und Tischler. Andreas Brzezinski, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, verweist auf die dringend benötigten Fachkräfte und die guten Karrierechancen. „Als qualifizierte Fachkräfte von morgen sind sie sehr gefragt“, betont Brzezinski und beobachtet einen schärferen Wettbewerb um die Auszubildenden. Verträge würden immer häufiger frühzeitig unterschrieben, um Planungssicherheit auf beiden Seiten zu gewährleisten. Seit vier Jahren steigt die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im ostsächsischen Handwerk kontinuierlich an. Derzeit stehen knapp 5600 Jugendliche in Ausbildung.

Zahlreiche Ausbildungsplätze nicht besetzt

Dennoch sind in diesem Jahr rund 5000 Ausbildungsplätze noch nicht besetzt, und mehr als 3000 junge Leute sind noch ohne Lehrstelle. „Für die Schüler sind die Chancen auf eine Berufsausbildung in Sachsen sehr gut. Vergangenes Jahr gab es für fast jeden Schüler mindestens eine Lehrstelle“, betont Klaus-Peter Hansen, Chef der Landesarbeitsagentur Sachsen. Frank Vollgold von der Arbeitsagentur Dresden sieht das Problem darin, dass feste Wunschberufe und fehlende Alternativen die Stellenbesetzung erschweren. „In vielen Berufen fehlen interessierte Jugendliche“, beobachtet Vollgold. In Branchen wie der Hörakustik, der Lebensmitteltechnik und im Fleischereifachverkauf stehen jedem Bewerber nach wie vor fast zehn freie Stellen gegenüber. Bei der „Last-Minute-Ausbildungsvermittlung“ legt Vollgold noch suchenden Jugendlichen die örtliche Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit ans Herz.

Von Carolin Seyffert

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