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Lokales HTW Dresden verschärft Attest-Regeln bei Prüfungen
Dresden Lokales HTW Dresden verschärft Attest-Regeln bei Prüfungen
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17:26 10.09.2018
Jens Fritze, Maximilian Franke, Julia Krebs und Christopher Miersch (v. l. n. r.) vom Studentenrat der HTW zeigen die kritisierten Formulare. Quelle: Foto: Junes Semmoudi
Dresden

An der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) gelten ab diesem Wintersemester verschärfte Attest-Regelungen für Examina. Eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, auch „gelber Schein“ genannt, reicht nun nicht mehr aus, um die Prüfungsunfähigkeit zu beweisen. Stattdessen müssen die Studenten künftig ihre Krankheitssymptome und somit vertrauliche Gesundheitsdaten preisgeben. Andernfalls wird die Prüfungsleistung mit „nicht ausreichend“ bewertet und die Probanden fallen durch.

Studenten unter Generalverdacht?

„Notwendig ist die Darlegung der konkreten körperlichen oder psychischen Beschwerden für die Prüfung“, so heißt es auf dem Attestformular der Hochschule. Auf diesem muss der Arzt ab sofort Angaben zu den Krankheitszeichen des Studenten eintragen.

„Wir sehen die aktuelle Änderung der Prüfungsordnung sehr kritisch. Die Studierenden werden genötigt, ihren Arzt von der Schweigepflicht zu entbinden. Und das nur, um ihr Studium weiterhin erfolgreich bewältigen zu können. Das halten wir für unverhältnismäßig“, sagt Julia Krebs vom HTW-Studentenrat. „Psychisch kranke Prüflinge würden ihr Krankheitsbild lieber für sich behalten.“

Die verschärften Vorschriften begründet die HTW damit, dass die bisherigen Atteste des Arztes nach aktueller Rechtsprechung als „nicht tauglich“ angesehen werden. Nach Auffassung der Studentenvertretung will die HTW-Chefetage aber eigentlich nur verhindern, dass sich Probanden durch „Gefälligkeitskrankenscheine“ zusätzliche Prüfungsversuche erschleichen. „Deshalb wird nun allen Studierenden der Eindruck vermittelt, sie würden sich unbegründet krankschreiben lassen“, meint Krebs. „Aus unserer Sicht wird mit derartigen Regelungen weit über das ursprüngliche Ziel hinausgeschossen.“ Kritisch sei zudem, dass die Studenten das Hochschulattest selbst bezahlen sollen. Die meisten Kassen übernehmen die Arztrechnung nicht.

Angst vor willkürlichen Entscheidungen

Viele der rund 5000 HTW-Studenten plagt derzeit die Unsicherheit darüber, wie die Hochschule mit ihren Gesundheitsdaten umgeht. Was passiert etwa, wenn die genannten Symptome nicht ausreichen, um als prüfungsunfähig eingeschätzt zu werden? Im konkreten Fall entscheidet nämlich nicht der Arzt, sondern die Hochschule selbst über die Annullierung einer Prüfung. „Es bleibt die Angst, dass Personen ohne medizinischen Hintergrund willkürlich darüber entscheiden, ob der Student tatsächlich krank genug ist“, sagt Studentenvertreter Maximilian Franke. „Im schlimmsten Fall schreiben die erkrankten Studenten dann zur Sicherheit lieber mit, als durch die Prüfung zu rasseln. Um das zu verhindern, suchen wir schon jetzt das Gespräch mit der Hochschulverwaltung. Wir wollen das genaue Prozedere des Prüfungsausschusses erfahren.“

Ärzte kritisieren neue Vorschriften scharf

Auch an anderen Hochschulen in Sachsen kommt das neue Attestpapier seit Kurzem zum Einsatz. So wurde an der Technischen Universität Dresden (TU) bereits im April ein ähnliches Formular eingeführt. „Allerdings betrifft das an der TU nur einzelne Fakultäten, während an der HTW alle Bereiche von den neuen Vorschriften betroffen sind“, ärgert sich Franke.

Nicht nur die angehenden Akademiker üben harsche Kritik am Vorgehen der Hochschulen. Schon Ende April hat der Landtagsabgeordnete René Jalaß (Linke) Strafanzeige wegen Anstiftung zum Geheimnisverrat und Nötigung gestellt. Und Klaus Lorenzen, stellvertretender Vorsitzender des Landeshausärzteverbandes, hält die neuen Regelungen schlichtweg für einen Skandal. Es sei absolut unverständlich, weshalb sich Prüflinge bei einer Erkrankung nicht mehr auf den „gelben Schein“ berufen dürfen. Den Ärzten werde dadurch ihre Fachkompetenz abgesprochen.

„Die Forderung der Prüfungsämter nach Offenlegung sämtlicher Beschwerden unterstellt der Ärzteschaft, sie würde in diesen Fällen grundsätzlich Gefälligkeitsatteste ausstellen“, sagt Klaus Lorenzen. Gleichermaßen seien die neuen Praktiken im Hinblick auf die ärztliche Schweigepflicht empörend. „Nach unserer Ansicht kann diese Haltung durch keinerlei juristische Konstruktion gerechtfertigt werden“, betonte der Verbands-Vizevorsitzende.

HTW weist Vorwürfe zurück

Die HTW wehrt sich gegen diesen Vorwurf. Die Rechtsprechung habe sich sehr wohl mit der Entbindung des Arztes von der Verschwiegenheitspflicht auseinandergesetzt. Deshalb muss der Arzt auf dem Attestformular lediglich die Symptome benennen – und nicht die Krankheit an sich. Für die betroffenen Studenten dürfte das aber nur ein sehr schwacher Trost sein.

Von Junes Semmoudi

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