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Dresden Lokales Gute Nachrichten für Dresdner Stasi-Aktenarchiv
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10:40 17.01.2018
Die modernen Aufsteller, wie hier mit Informationen zur Überwachung der feierlichen Eröffnung der Semperoper 1985, sollen nach den Bauarbeiten im gesamten Ausstellungsbereich die alten Metallträger ersetzen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Gute Nachrichten für das Dresdner Stasi-Aktenarchiv: Der Mietvertrag für das Gebäude auf der Riesaer Straße ist um acht Jahre verlängert worden. Das erklärte Außenstellenleiter Konrad Felber gegenüber DNN. Gleichzeitig kündigte er Bauarbeiten in der Außenstelle an, die im Januar beginnen sollen.

In der Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen der DDR sind Bauarbeiten geplant. Ausstellung und Arbeitsbedingungen für Archivare sollen moderner werden. Zudem gibt es gute Nachrichten zur Zukunft des Standortes.

Aktuell wird an einem Konzept gearbeitet, wie das Stasi-Unterlagen-Archiv in den kommenden Jahrzehnten eigenständig sichtbar bleiben und mit dem Bundesarchiv zusammen gehen soll, dabei stehen auch immer wieder die drei Standort in Sachsen zur Disposition. Im ungünstigsten Fall könnte am Ende der Debatte lediglich ein Standort in Leipzig verbleiben. Dagegen hat sich jedoch bereits Protest formiert. Unter anderem hat sich der sächsische Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Lutz Rathenow, gegen solche Überlegungen ausgesprochen. „Der Kern der täglichen Arbeit der BStU ist nicht die Berliner Zentrale, sondern das, was sich in den Außenstellen an privater Akteneinsicht, an wissenschaftlicher Akteneinsicht, an Bildungsarbeit und vor allem auch an Beratung oft in Kooperation mit den Mitarbeitern des Landesbeauftragten abspielt“, hatte Rathenow im DNN-Interview erklärt.

Dezentrale Akteneinsicht soll bleiben

Auch die Grünen im Landtag sprachen sich zuletzt gegen eine Reduzierung der Außenstellen aus. „Entscheidend ist, dass die Akteneinsicht und die dazugehörige professionelle Beratung auch künftig dezentral und unabhängig vom Lagerungsort der Akte möglich ist“, fordert die demokratiepolitische Sprecherin Katja Meier. Bei der Diskussion um die Archivstandorte dürfe es keine Vorfestlegung auf einen Standort geben, ohne dass alle Möglichkeiten geprüft wurden. Entscheidend sei, dass die Akteneinsicht und die dazugehörige professionelle Beratung auch künftig dezentral und unabhängig vom Lagerungsort der Akte möglich ist. „Es geht darum, dass junge Menschen erleben und verstehen können, dass Demokratie nichts Selbstverständliches ist und immer wieder um sie gekämpft werden muss“, erklärte Meier.

In der Dresdner Außenstelle sind gegenwärtig etwa 60 Mitarbeiter beschäftigt. Sie verwalten insgesamt etwa zehn Kilometer Archivbestände. Vom früheren Material der Stasi-Bezirksverwaltung gelten 95 Prozent als erschlossen. Das heißt, es ist bekannt, dass zu einem Sachverhalt etwas vorliegt und wo es zu finden ist. 1100 Säcke mit zerstückelten Akten lagern derzeit in der Außenstelle Suhl. Die kostenintensive digitale Zusammensetzung ruht vorerst.

Planungssicherheit für Standort Dresden

Vor diesem Hintergrund verschafft die Vertragsverlängerung zunächst eine gewisse Planungssicherheit. Felber ist der Meinung, dass es sich bei den Reformen eher um mittelfristige Planungen handelt und Investitionen in Zwischenlösungen deshalb sinnvoll sind. So stehen in der Dresdner Außenstelle nun zunächst Bauarbeiten an. Brandschutz- und Sicherheitsanlagen werden erneuert. Für Archivare, die mit der Erschließung von Stasi-Akten befasst sind, sollen sich die Arbeitsbedingungen verbessern. Angaben zur Investitionshöhe konnte Felber nicht machen, da sich auch der private Vermieter daran beteiligt.

Veranstaltungen

25. Januar: Vortrag und Diskussion: Stasi auf dem Eis – Durch Zwangsdoping und Überwachung auf Weltniveau im Eiskunstlauf, Thomas Purschke (Journalist)

22. Februar: Vortrag: Widerstand aus der Kirche – Die Innere Mission in Sachsen unter den Augen der Stasi, Bettina Westfeld (Historikerin)

3. März, Tag der Archive: Bürgerrechte und Demokratie, Vortrag von Sergej Goldberg (Historiker) zu den Botschaftsflüchtlingen

26. April bis 15. Juni: Ausstellungseröffnung und Podiumsdiskussion, „Es ging seinen Gang“ – Kritische Literatur in der DDR“ (Leihgeber: Martin-Luther-King-Zentrum Werdau e.V.), Referenten Lutz Rathenow, Landesbeauftragter Sachsen für die Aufarbeitung der SED-Diktatur und Autor, sowie Utz Rachowski, Schriftsteller

Die Veranstaltungen sind in der Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, Riesaer Straße 7, geplant. Beginn ist jeweils 18 Uhr.

Mit dem Umbau wird auch die Sicherheitskonzeption überarbeitet und technisch aktualisiert. „Die Gefährdungslage ist vor mehr als 20 Jahren noch kritischer eingeschätzt worden“, erklärte Felber. Damit kann Personal in anderen Bereichen eingesetzt werden.

Veränderungen in der Ausstellung

Im Ausstellungsbereich sollen jahrzehntealte Metallträger gegen moderne Module ausgetauscht werden, die mobil sind und in der gesamten Behörde des Bundesbeauftragten zum Einsatz kommen. Ältere Teile des jetzigen Informations- und Dokumentationszentrums sollen in die Gedenkstätte auf der Bautzner Straße umgesiedelt werden. Felber schwebt dort auch der Ausbau der generellen Informationen über die Stasi-Akten vor. Die Gedenkstätte ist im ehemaligen Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR (MfS) angesiedelt und wird vom Verein „Erkenntnis durch Erinnerung“ betrieben. Bis Mitte des Jahres sollen die Bauarbeiten abgeschlossen werden. Die Archivarbeit der Außenstelle für Anträge zur Akteneinsicht oder Forschungsanträge werde nicht eingeschränkt, versprach Felber.

Von Ingolf Pleil

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