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Lokales Große Probleme für TU-Studenten durch vorzeitiges Aus der Jurafakultät
Dresden Lokales Große Probleme für TU-Studenten durch vorzeitiges Aus der Jurafakultät
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17:05 19.04.2018
Bald gibt es in den Hörsälen der ’TU Dresden keine Jura-Ausbildung mehr. Quelle: dpa
Dresden

 Statt wie geplant 2019 soll die juristische Fakultät an der TU Dresden bereits im kommenden September schließen. Viele der 660 Studierenden fürchten negative Konsequenzen für ihre Ausbildung.

In einem offenen Brief kritisiert der Fachschaftsrat Jura (FSR) ein gebrochenes Versprechen seitens der Uni. Während der letztmaligen Immatrikulation im Wintersemester 2016/2017 für den Studiengang „Law in Context – Recht mit seinen internationalen Bezügen zu Technik, Politik und Wirtschaft“ sei den Studierenden stets versichert worden, ihren Abschluss regelkonform an der juristischen Fakultät ablegen zu können, sagt „Law in Context“- Student Sven Koenig.

Juristen sollen Abschluss von philosophischer Fakultät erhalten

Jetzt sieht der Senatsbeschluss der TU vor, die Fakultät zum 1. September zu schließen und die auslaufenden Studiengänge „Law in Context“ und den Master „Wirtschaftsrecht – Unternehmen zwischen Freiheit und staatlicher Steuerung“ an die philosophische Fakultät zu verlegen.

 Räumlich liegen die beiden Einrichtungen schon nahe beieinander – einige Institute der beiden Fakultäten nutzen gemeinsam den Gerberbau. „Aber wenn auf unserem Abschlusszeugnis Philosophische Fakultät steht, kann das negative Auswirkungen auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt haben“, sagt FSR-Sprecher Julian Freudiger. „Dazu kommt, dass für weiterführende Studiengänge, Auslandsaufenthalte und Promotionen im Bereich Jura oft der Abschluss an einer juristischen Fakultät gefordert wird“, erklärt Jonathan Sieber.

Der 20-jährige Politikstudent ist zwar nicht unmittelbar betroffen, aber Mitglied im „Ring Christlich-Demokratischer Studenten“ (RCDS), der sich für den Erhalt der juristischen Ausbildung in Dresden einsetzt.

Zu viele Professoren bereits nach Leipzig abgewandert

Schon jetzt sind die Probleme für die Studenten konkret. Durch den Beschluss des Hochschulentwicklungsplans soll die juristische Ausbildung im Freistaat in Leipzig konzentriert werden. Drei Professoren sind schon nach Leipzig gewechselt, zwei weitere sollen jetzt folgen.

Damit würde die Anzahl der Professoren an der juristischen Fakultät in Dresden auf sechs sinken. Sieben sind aber nötig, damit die Fakultät bestehen bleiben darf.

„Gleichwertige Qualität des Studiums nicht mehr möglich“

Durch den Abzug der Professuren haben die verbliebenen Studenten nun weniger Wahlmöglichkeiten. Eine gleichwertige Qualität des Studiums sei nicht mehr möglich, erklärt der Dekan Horst-Peter Götting.

Die Fakultät zeichnete sich durch sehr spezialisierte Professuren im Bereich Energie- und Steuerrecht aus. Zwar habe die Fakultät Geld zur Verfügung gestellt bekommen, um Ersatz zu finden – doch es ist schwierig, geeignete Nachfolger zu finden.

Deutschlandweit ein Einzelfall

Da das Prozedere in Dresden mit juristischen Studiengängen an einer philosophischen Fakultät deutschlandweit ein Einzelfall ist, hat das Rektorat angeboten, „Hochschulleitungen und rechtswissenschaftlichen Dekanate der deutschen Universitäten mit Juristenausbildung brieflich zu informieren“, damit den Studenten kein Nachteil entsteht.

Das Dekanat berichtet über eine Studentin, die ohne Abschluss an einer juristischen Fakultät auf ihre Bewerbung an einer US-amerikanischen Universität verzichten muss.

„Im nächsten Schritt sind Klagen möglich“

Auch der FSR zeigt sich nicht mit dem Angebot des Rektorats einverstanden. „Wir haben eine sehr gute rechtswissenschaftliche Ausbildung. Im nächsten Schritt sind Klagen möglich“, sagt Freudiger.

Der Dekan sieht durch die Fakultätsschließung eine verpasste Chance für die Uni, sich interdisziplinärer zu gestalten, da die Rechtswissenschaftler auch anderen Fachbereichen beratend zur Seite stehen. Zum Beispiel wenn es um Haftungsfragen für selbstfahrende Autos geht.

Götting kann die Anliegen seiner Studenten verstehen, doch ist er gleichzeitig verpflichtet, sich an Beschlüsse der Universität zu halten, auch wenn er die Schließung der juristischen Fakultät bedauert. Zum Zeitpunkt der letztmaligen Immatrikulation für den Bachelorstudiengang „Law in Context“ vor zwei Jahren sei die „Hochschulentwicklungsplanung 2025“ noch nicht abgeschlossen gewesen, heißt es in einer Stellungnahme der TU.

Rechtswissenschaftliche Studiengänge nur noch in Leipzig

Künftig werden rechtswissenschaftliche Studiengänge mit und ohne Staatsexamen in Sachsen nur noch in Leipzig angeboten werden. Bis 2003 war das Jura-Studium mit Staatsexamen auch noch in Dresden möglich.

In Leipzig werden Plätze für 750 Erstsemester jährlich angestrebt. Aktuell begannen im Wintersemester 2017/2018 540 neue Studenten ihr juristisches Studium. Im November 2017 erregten die Leipziger Jura-Studenten Aufsehen mit einer Protestaktion gegen einen Professor, dem fremdenfeindliche Äußerungen vorgeworfen wurden. Das stellte die juristische Fakultät in Leipzig vor Herausforderungen – teilweise wurde über Unterricht im Kino nachgedacht.

Kritische Entwicklung zu Massenunis

 Der Dresdner Dekan beobachtet die Entwicklung hin zu „Massenunis“ in Deutschland kritisch. Gerade in Jura sei die Durchfallquote an diesen Unis allgemein hoch. Er befürchtet, dass sich der Juristenmangel in Sachsen durch den Wegfall der juristischen Fakultät in Dresden noch weiter verschärft.

Im Protokoll zur Sitzung des Senats der TU Dresden vom 10. Januar heißt es „eine Auflösung der Juristischen Fakultät zum 1. September 2018 ist unumgänglich“. Die Studenten und der Dekan hoffen auf weitere Gespräche mit der Uni, um eine einvernehmliche Lösung des Problems zu finden.

Von Tomke Giedigkeit

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