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Gott im Reich der Zahlen - Auftakt einer ungewöhnlichen Veranstaltungsreihe in Dresden

Gott im Reich der Zahlen - Auftakt einer ungewöhnlichen Veranstaltungsreihe in Dresden

Ein wunderliches Ding, dieses Möbiusband. Ein Streifen, um 180 Grad verdreht, zusammengefügt zum Ring - und schon ist oben ebenso unten, innen zugleich außen.

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Mathematik kann helfen, Gott besser zu verstehen, meint Reinhard Pöschel. Pfarrerin Gabriele Führer organisiert die neue Reihe "Glauben im Kontext".

Quelle: C. Fritzsche

Im "Erlebnisland Mathematik" der Technischen Sammlungen in Dresden hängt es als großes rotes Paradoxon unter der Decke. An diesem Abend erinnert es ein bisschen an einen Heiligenschein. Unter ihm haben Menschen Platz genommen, die etwas vom christlichen Glauben hören und über ihn diskutieren wollen.

Die 60 bereitgestellten Stühle reichen nicht. Herbeigeholt wird alles, worauf man sitzen kann. Über 100 Leute mögen es sein. In der Mehrzahl Ältere. Dazwischen nur wenige unter 50. Ein ungewohntes Publikum für diese Räume, in denen es um Zahlen, Formeln und geometrische Gebilde geht.

Da passt der Referent, ein älterer Mann mit grauem Vollbart, schon eher hier her. Reinhard Pöschel ist Mathematikprofessor an der TU Dresden, Spezialgebiet Algebra. Das Ungewöhnliche an ihm ist sein Thema. "Hätte ich einen Vortrag über Mathematik angekündigt, ob dann so viele Leute da wären?", fragt er in die Runde. "Und wenn ich nur über den Glauben sprechen würde, wären es auch so viele?"

In seinem Referat jedenfalls verbindet er beides miteinander. Lässt Geistesgrößen von Novalis über Nikolaus von Kues, Galileo Galilei bis Kardinal Faulhaber in Zitaten zu Wort kommen, die von Mathematik als einem anderen Ausdruck des Göttlichen sprechen. "Religion und Mathematik scheinen ganz gut zusammenzupassen", sagt er. "Viele Mathematiker waren zugleich gläubige Menschen."

Professor Pöschel nimmt die Zuhörer mit auf eine kleine Rundreise, vorbei an euklidischer und nichteuklidischer Geometrie und Gödelschem Unvollständigkeitssatz, macht Station am Hilbertschen Hotel mit seinen unendlich vielen Zimmern, in das, selbst wenn es vollständig belegt wäre, noch einmal eine Busladung mit unendlich vielen Touristen passen würde. Ein vergnüglicher Trip durch Gedankenexperimente, Logik und Abstraktionen. So oft dürften die Zuhörer einst in ihrem Mathematikunterricht kaum gelacht haben.

Gott freilich könne man mit Mathematik weder beweisen noch widerlegen, meint er. Aber, so seine These: "Mathematik kann helfen, Gott besser zu verstehen und Zugang zum Glauben zu finden." Das Gegenteil dessen also, was Schulkindern in der DDR eingetrichtert wurde und eingefleischte Atheisten bis heute behaupten: dass Religion mit Wissenschaft und vernünftigem Denken unvereinbar sei.

Logisch Unsinniges im täglichen Leben erkenne ein Mathematiker rascher, sagt Pöschel. Widersprüche in der Wirklichkeit halte er leichter aus. Sicher, existenzielle Fragen des Lebens werde er nicht leichter bewältigen. Doch auf Gedankenexperimente könne er sich eher einlassen. Mathematische Systeme gehen von Denkvoraussetzungen aus, die sich weder beweisen lassen, noch bewiesen werden müssen, sogenannte Axiome. Als solches könne man auch Religion verstehen. "Man kann den Glauben als Lebensgrundlage ausprobieren."

Schon in der Pause beginnen die Zuhörer lebhaft zu diskutieren. In der Gesprächsrunde wollen sie den Unterschied zwischen Wissen und Glauben geklärt haben, sprechen von verschiedenen Erfahrungen mit Gott, von Vertrauen und Zweifeln.

Es ist der erste Abend einer Veranstaltungsreihe mit dem Titel "Glauben im Kontext", zu der die beiden evangelischen Kirchgemeinden in Strehlen und Leubnitz-Neuostra eingeladen haben. Im Laufe dieses Monats sollen noch eine Philosophin, ein Wirtschaftswissenschaftler und ein Musiker vors Publikum treten. "Von ihnen wollen wir erfahren, ob und wo christlicher Glaube mit ihrer Disziplin zu tun hat", erläutert Christoph Ilgner, Pfarrer der Strehlener Christuskirche.

16. Januar: 19.30 Uhr, Sächsische Landes- und Universitätsbibliothek (Zellescher Weg 18), "Glauben im Kontext von Philosophie: Denken und Glauben - ein Widerspruch?" mit Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz.

24. Januar: 19.30 Uhr, TU Hörsaalzentrum, EG 01 (Bergstr. 64), "Glauben im Kontext von Wirtschaftswissenschaft: Schulden, Profit, Zinsen etc. - Ökonomisch notwendig oder unchristlich?" mit Prof. Thomas Günther.

31. Januar: 20 Uhr, Chorsaal der Hochschule für Kirchenmusik (Käthe-Kollwitz-Ufer 97), "Glauben im Kontext von Musik: Musik als Brücke" mit Prof. Christfried Brödel, ehemaliger Rektor.

31. Januar: 20 Uhr, Café Neustadt (Bautzner-/Ecke Pulsnitzer Str.), "Theologie in der Kneipe", Thema "UnvERhofft. Lebens-Wege. Von Aufbrüchen, Irrwegen und Neuanfängen" mit Pfarrerin Margrit Klatte, Pfarrer Eckehard Möller und Jürgen Küfner.

weitere Glaubenskurse: Loschwitz (Tel. 0351/2150050); Klotzsche (Tel. 0351/8805173); "Religion für Neugierige" Kreuzkirche und Frauenkirche (Tel. 0351/4393920 oder 65606510); Dreikönigskirche (Tel. 0351/8985130)

Weitere Informationen finden Sie im Internet auf der Seite www.kurse-zum-glauben.org.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.01.2013

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