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Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden fordert mehr Gestaltungssatzungen

Bauqualität Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden fordert mehr Gestaltungssatzungen

Die vom Stadtrat berufene Gestaltungskommission darf kein Feigenblatt für die Kommunalpolitik bei der Stadtentwicklung sein, fordert Torsten Kulke, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden. Die GHND begrüße die Berufung der Kommission. Diese dürfe aber kein Feigenblatt sein.

Das neue Quartier an der Schlosstraße wird von den Neumarkt-Wächern gelobt.

Quelle: Baywobau

Dresden. Die vom Stadtrat berufene Gestaltungskommission darf kein Feigenblatt für die Kommunalpolitik bei der Stadtentwicklung sein, fordert Torsten Kulke, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND). Die GHND begrüße die Berufung der Kommission und habe mit Jörg Sulzer einen Stadtplaner vorgeschlagen, der zum Vorsitzenden gewählt wurde. Die Gestaltungskommission könne aber erst in einem Moment aktiv werden, in dem es vielfach schon zu spät sei.

„Wenn der Bauantrag eingereicht ist, lässt sich kaum noch etwas machen“, so Kulke. Dresden brauche für bestimmte Gebiete Bebauungspläne, Dresden brauche für bestimmte Stadtviertel aber auch Gestaltungssatzungen. So könnten Gebäude entstehen, die auf die Ortstypik eingehen. Mit Plänen und Satzungen würden enge Grenzen für die Architektur definiert. „Die Stadt muss ein Gegengewicht schaffen, um die Bauqualität hochzuhalten“, so der GHND-Vorsitzende.

Damit das Stadtplanungsamt in die Lage versetzt werden könne, derart aufwendige Planungsprozesse zu steuern, müsse es personell aufgestockt werden, fordert Kulke. „Wegen der niedrigen Zinsen fließt gegenwärtig sehr viel Geld in den Bausektor. Wir brauchen mehr Personal und mehr Geld in der Verwaltung, um ein Gleichgewicht mit den aufgerüsteten Investoren herstellen zu können.“

Das Bauamt müsse Anträge nach Paragraf 34 – dem vereinfachten Verfahren – genehmigen. „Das muss uns zu denken geben. Hier müssen wir gegensteuern und Instrumente einbauen.“ Die Verwaltung müsse in die Lage versetzt werden, das Geschehen in vernünftige Kanäle zu bringen. Da mehr gebaut werde, fließe auch mehr Grunderwerbssteuer und Grundsteuer – die Stadt solle die zusätzlichen Einnahmen in Personal und Ausstattung für die Stadtplanung investieren, fordert der GHND-Vorsitzende.

Anhand von Bebauungsplänen und Gestaltungssatzungen könnten dann Wettbewerbe ausgelobt werden, bei denen paritätisch besetzte Gremien die Entscheidungen treffen würden. Die Ergebnisse müssten dann publiziert werden, damit auch die Öffentlichkeit Einfluss nehmen könne, so Kulke.

Seit Jahren sei eine radikale Ökonomisierung des Bauens zu beobachten. „Scharfkantige Einfallslosigkeit bringt mehr Geld“, heißt laut Kulke die Devise, es handele sich auf maximalen Gewinn getrimmte Renditeobjekte. „Aber wir können doch nicht auf lebenswerte Städte und Architekturqualität verzichten.“ Laut einer Erhebung der Universität Chemnitz betrage der Anteil der Gestaltung an den Gesamtkosten eines Vorhabens zehn Prozent. Käufer und Mieter seien aber durchaus bereit, für Wohnraum in einem schönen architektonischen Umfeld mehr zu zahlen.

Die GHND denke darüber nach, eine Expertenkommission zu berufen, die konkrete Vorschläge unterbreiten soll, wie architektonische Qualität gesichert werden könne. „Dann werden wir mit der Stadt in Klausur gehen müssen“, erklärte Kulke.

Die GHND hatte vor wenigen Tagen in einem offenen Brief gemeinsam mit der Initiative StadtbilDD die Baukultur in Dresden kritisiert (DNN berichteten). Die Initiative hat jetzt ihre Kritik – ohne Beteiligung der GHND – noch verschärft und dem Stadtplanungsamt „das permanente Aushöhlen von Gesetzen sowie des vom demokratisch gewählten Stadtrat beschlossenen städtebaulichen Konzeptes für den Neumarkt“ vorgeworfen. Der „arrogante Missbrauch des Stadtplanungsamtes“, der an den Interessen der Bürger vorbeigehe, sei nicht länger tolerierbar, teilte die Initiative in einem fünfseitigen Schreiben mit, in dem insbesondere eine Vielzahl von Flachdächern bei Neubauvorhaben kritisiert wird.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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