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08:00 30.10.2016
In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Einbrüche deutlich gestiegen. Quelle: dpa
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DRESDEN

Eine Hülse wird über den Fenstergriff geschoben und das daran befestigte Seil in die passende Richtung gefädelt. Dann ein Ruck und das Fenster ist offen. Ohne Einbruchsspuren. So einfach geht das, zeigt „Die Elster“, ein korpulenter Mittfünfziger mit auffälligem Backenbart. Er ist „Profi-Einbrecher“, nennt sich selbst „Signore Zappzarapp“ und erfüllt jedes Klischee. Tätowierungen überall, darunter eine Elster auf der Brust – sein Namensgeber. Die zeigt er nur, wenn er im Unterhemd vor seinem Wohnwagen sitzt, sonst trägt er schwarze Anzüge mit Nadelstreifen.

In fünf Kurzfilmen zeigt „Die Elster“ typische Einbrechertricks. Mit der Hülse kann er ganz einfach ein angekipptes Fenster öffnen. Auftraggeber der Streifen war die „Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes“ mit Sitz im Landeskriminalamt Baden-Württemberg in Stuttgart. Anlass ist der „Tag des Einbruchschutzes“ am Sonntag. Alarmierende Zahlen der Polizei sind Hintergrund der Initiative. Demnach ist die Zahl der Einbrüche seit 2009 bundesweit um mehr als 45 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung zeigt sich auch beim Blick auf die Dresdner Zahlen aus den letzten fünf Jahren. 348 Wohnungseinbrüchen 2011 standen im vergangenen Jahr 645 gegenüber, Tendenz weiter steigend. 954 Einbrüche in Büros, Lager und Werkstätten registrierte die Polizei in Dresden 2011, im vergangenen Jahr waren es 1239. Und 270 Mal haben 2011 die Verantwortlichen von Hotels und Gaststätten Einbrüche gemeldet. 314 waren es zwischen Januar und Dezember 2015.

Aktuell beschäftigen die Dresdner Kripo zwei Schwerpunkte. Einerseits eine Serie, bei der es die Täter vor allem auf Firmen abgesehen haben. Dabei ziehen die Täter die Sicherheitsschlösser aus den Eingangstüren mit Werkzeug, das jedermann im Internet kaufen kann. „Die Elster“ interessieren solche Feinheiten nicht, der „Profi-Einbrecher in den Polizeifilmen geht rabiater vor. Er hebelt Türen lieber auf, nachdem er sich zum Beispiel anhand voller Briefkästen davon überzeugt hat, dass die Wohnungsmieter im Urlaub sind. Bei den aktuellen Fällen aus Dresden und der Umgebung haben es die Täter auf Bargeld abgesehen. Einen solchen Fall meldete die Polizei Anfang der Woche aus Radebeul. Dort sind Langfinger in eine Firma am Ziegelweg eingestiegen, um anschließend den Tresor zu leeren.

Zweiter Ermittlungsschwerpunkt der Dresdner Polizei sind Einbrüche in Hotels und Gaststätten. Auch da seien die Täter auf den Inhalt von Tresoren aus, so die Polizei. Oder auf „wertintensive Gegenstände wie Uhren, Tablets und Laptops. Beispiele gibt es jede Menge, nicht nur aus Dresden, sondern auch aus der Umgebung der Stadt. So stiegen Langfinger Anfang Oktober innerhalb von zwei Tagen rund um Altenberg in drei Hotels ein. In Moritzburg erbeuteten Langfinger Ende August 500 Euro aus einem Hotel an der Schloßallee. Mit besonderem Nachdruck gingen Einbrecher zur Sache, die es am 27. August auf ein Hotel an der Weißeritzstraße in der Friedrichstadt abgesehen hatte. Sie hebelten die Eingangstür auf und setzten dann eine Überwachungskamera außer Gefecht, indem sie die Linse mit Farbe besprühten. Dann versuchten sie, in ein Hotelbüro einzudringen. Das gelang ihnen aber nicht. Die bis dahin verhinderten Einbrecher starteten einen zweiten Versuch. Sie liefen aus dem Gebäude auf die Rückseite und hebelten dort ein Fenster auf. So gelangten sie schließlich in einen Raum, in dem ein 500-Euro-Laptop lag. Das Gerät nahmen die Einbrecher mit, der Sachschaden betrug rund 2000 Euro.

Auch wenn es bei diesem Fall nicht so scheint, ist die Polizei überzeugt, dass Einbrüche heute oft gut organisiert sind. Die Täter gehörten zu Gruppen oder Banden, die Einbruchsziele würden zuvor ausgekundschaftet, sagt Marko Laske, Sprecher der Polizeidirektion Dresden. Sie bevorzugen Objekte, bei denen sie davon ausgehen können, dass sie kaum gestört werden – in verkehrsberuhigten Gegenden oder auf dem Land zum Beispiel. „Die Einbruchshandlungen selbst werden durch Bandenmitglieder abgesichert, während mindestens zwei weitere die eigentliche Tathandlung begehen.“ Und dann geht es meistens schnell. Die Täter steigen durch Terrassentüren, Kellerfenster oder -türen ins Gebäude ein, wühlen in Schränken und Schubfächern und verschwinden in Windeseile, sobald sie Beute gemacht haben. „Aber auch gekippte Fenster und Türen werden von Einbrechern als Zugang genutzt.“ Noch leichter hatten es die Täter, die am 11. Oktober eine Seniorin in Weixdorf bestohlen haben. Die Frau kehrte gerade den Gehweg vor ihrem Haus an der Alten Dresdner Straße, die Eingangstür stand offen. Die Täter bedienten sich unbemerkt in dem Einfamilienhaus. Sie erbeuteten einen Tresor mit Geld und Gold im Wert von mehreren tausend Euro.

Von Christoph Springer

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