Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Gehirnwäsche auf Staatskosten? - SAB förderte Kurse bei Brockmann und Knödler
Dresden Lokales Gehirnwäsche auf Staatskosten? - SAB förderte Kurse bei Brockmann und Knödler
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:33 09.09.2015

Ehemalige Mitarbeiter berichten, dass sie Seminare von Hans-Peter Huber und seiner Progredi AG besuchen mussten, in denen sie bei Psychospielen gedemütigt wurden. Sektenexperten wie Harald Lamprecht von der evangelischen Landeskirche Sachsens bezeichneten Seminarinhalte wie zum Beispiel sogenannte Nullpunkt-Übungen, bei denen sich die Teilnehmer stundenlang in die Augen blicken müssen, bis einer zwinkert oder sich abwendet, als „scientologyähnliche Methoden“.

Da sich die Kursgebühren zum Teil auf mehrere zehntausend Euro summierten, ist auch die finanzielle Seite interessant. Und hier kommt die Sächsische Aufbaubank (SAB) ins Spiel. Nicht wenige Kursteilnehmer haben bei der Bank einen Förderantrag gestellt, um sich die Ausbildung bezahlen zu lassen. Sollten sich die Vorwürfe gegen Brockmann und Knödler bewahrheiten, könnte am Ende die absurde Situation entstehen, dass öffentliche Gelder verwendet worden sind, um Seminare von Scientology zu finanzieren. Erst kürzlich hat die Bank einer Friseurin für einen in der Kritik stehenden Weiterbildungslehrgang fast 15.000 Euro gewährt. Stellt sich die Frage, ob die SAB die Weiterbildungsträger, die sie unterstützt, nicht überprüft.

[image:php6tRxHZ20140203175339.jpg]Die klare Antwort von SAB-Sprecherin Beate Bartsch: „Nein. Es handelt sich um ein einzelbetriebliches Förderprogramm, das ein Unternehmer für sich oder seine Mitarbeiter in Anspruch nehmen kann, wenn es das jeweilige Arbeitsfeld betrifft und das Unternehmen unterstützt. Der Antragsteller muss Angebote von drei Weiterbildungsunternehmen einholen, vorlegen und begründen, welches Angebot er favorisiert. Wir prüfen diese Begründung, wir überprüfen nicht das ausgewählte Weiterbildungsunternehmen.“ Warum nicht? „Vertragspartner ist derjenige, der die Förderung in Anspruch nimmt. Nicht derjenige, der die Schulung durchführt.“

Während Fördergelder vom Bund und vom Freistaat nicht veröffentlicht werden müssen, ist das bei europäischen Programmen wie dem Europäischen Sozialfonds (ESF) anders. In der frei zugänglichen Liste finden sich in der Förderperiode von 2007 bis 2013 zahlreiche Antragsteller, die Gelder für Kurse bei Brockmann und Knödler beantragt haben. Mindestens 18.000 Euro, die nicht zurückgezahlt werden müssen, flossen auf diesem Wege dem Dresdner Unternehmen zu. Auch in Zukunft soll das Seminargeschäft, das 34 Prozent des Gesamtumsatzes von Brockmann und Knödler ausmacht, fortgesetzt werden. Allerdings ausdrücklich ohne Herrn Huber. „Die Bindungen zu Herrn Huber wurden am 2. Februar vollständig und unwiderruflich gelöst“, betonte eine Unternehmenssprecherin.

Darüber hinaus möchten die Dresdner Star-Friseure mit einer neuen Prüfkommission die Sektenvorwürfe entkräften. Nachdem am Montag Harald Lamprecht von der evangelischen Landeskirche Sachsens aus der Kommission ausgestiegen war, weil er einen Vertrag unterschreiben sollte, der ihm öffentliche Äußerungen verboten hätte, und auch die als Scientology-Jägerin bekannt gewordene Ursula Caberta absagte, gibt es nun neue Kommissionsmitglieder. Mit dabei sind unter anderem Religionswissenschaftler Prof. Hubert Seiwert von der Uni Leipzig sowie der Scientology-Experte Gerald Willms aus Göttingen.

Dass sich anschließend grundsätzlich etwas ändert, bezweifelt Michael Marciniak. Der Kommunikationstrainer hat von 2002 bis 2010 für Brockmann und Knödler gearbeitet und wurde laut eigener Aussage von Hans-Peter Huber verdrängt. „Ich glaube, dass Thomas Brockmann-Knödler und Petra Brockmann selbst Opfer sind. Sie haben persönlich und finanziell gelitten, während das Unternehmen von Hans-Peter Huber unterwandert wurde“, sagt Marciniak. Er sei der Meinung, dass die Dresdner Star-Friseure mittlerweile an einem Punkt sind, an dem sie nicht mehr mitbekommen, was um sie herum passiert. „Sie leben in ihrer eigenen Wirklichkeit“, sagt der Trainer und erinnert sich, wie Huber ins Leben der Friseure trat: „2006 war er zunächst der persönliche Coach von Frau Brockmann, bevor er tröpfchenweise immer präsenter wurde“, so Marciniak.

Scientology-Jägerin Ursula Caberta fände ein derartiges Vorgehen durchaus plausibel. „Ich habe es bei Scientology oft erlebt, dass erst die Chefetage bearbeitet wurde, bevor dann der Rest der Firma an der Reihe war.“

Unterdessen könnten auch bestimmte Symbole, die Brockmann und Knödler im Marketing verwenden, auf die Sekte Scientology hinweisen. Unter anderem sieht das Unendlichkeitszeichen der Produktserie „Organic Lifestyle“ in seiner grafischen Gestaltung dem bei Scientology üblichen Unendlichkeitssymbol verblüffend ähnlich.

„Ich möchte Symbole nicht überbewerten, weil man auch schnell etwas hineininterpretieren könnte. Als weiteres Indiz in der Kette kann ich es aber auch nicht vollkommen von der Hand weisen“, sagt Harald Lamprecht. Brockmann und Knödler teilen dazu nur kurz und knapp mit: „Sollte es eine grafische Ähnlichkeit geben, ist diese rein zufällig.“

Gleichwohl verdichten sich die Hinweise weiter. Wie bekannt wurde, befindet sich der Zwickauer Salon des Dresdner Friseur-Ehepaares ausgerechnet in einem Haus, das der bekennende Top-Scientologe Kurt Fliegerbauer im Jahr 2001 gebaut hat. Der 61-Jährige ist „Lebenszeit-Mitglied“ des Scientology-Dachverbandes IAS und hat in Zwickau etwa 279 Häuser saniert oder neu gebaut. Dass ihm das Haus in der Magazinstraße wohl noch gehört, wird daran deutlich, dass die Bewohner ihre Miete an eine Hausverwaltung überweisen, deren Adresse mit der Kontaktanschrift auf Fliegerbauers Homepage übereinstimmt.

Stephan Hönigschmid und Catrin Steinbach

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Staatsarchiv Sachsen will 100 Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges zahlreiche Dokumente ins Internet stellen und sie damit allen Interessenten zugänglich machen.

09.09.2015

Dem Zoo Dresden ist die zweite Nachzucht einer bedrohten Papageienart, den Großen Soldatenaras, gelungen. Wie Zoodirektor Karl-Heinz Ukena am Freitag mitteilte, sind bereits Anfang Dezember zwei junge Aras geschlüpft.

09.09.2015

Der Streikposten vor der Kneipe „Trotzdem“ an der Alaunstraße in der Äußeren Neustadt ist geräumt. Die drei gekündigten Kellner, die sich vier Wochen allabendlich gemeinsam mit ihren Mitstreitern von der Anarcho-Gewerkschaft Freie Arbeiter Union (FAU) vor ihrer ehemaligen Arbeitsstätte protestierten, geben ihren Arbeitskampf auf, da die „Trotzdem“-Inhaberin Johanna Kalex zu keinen Gesprächen bereit sei, so der ehemalige Kellner Wolf Meyer.

09.09.2015