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Lokales Gehe Berufsschulzentrum – Schüler und Lehrer leiden unter Baulärm
Dresden Lokales Gehe Berufsschulzentrum – Schüler und Lehrer leiden unter Baulärm
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10:04 25.09.2018
Schülersprecherin Melissa Funke, Lehrer Axel Körsten und Vize-Schülersprecher Patrick Leupold (v.l.) vor Baumaschinen. Diese laufen trotz Schulbetrieb. Quelle: Dietrich Flechtner
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Der Lärm von Presslufthammer, Kreissäge und Co. gehört am Berufschulzentrum (BSZ) Franz-Ludwig-Gehe in Gorbitz seit einigen Wochen zum Alltag. Seit Mitte Juni lässt die Stadt das etwa 35 Jahre alte Schulgebäude am Leutewitzer Ring sanieren. Die Baumaßnahmen bringen jedoch unzumutbare Arbeitsbedingungen für Schüler und Lehrer mit sich.

Eigentlich war eine zweijährige Komplettsanierung in Höhe von 17 Millionen Euro geplant – nun wird das Objekt im Rahmen eines Förderprogrammes des Bundes nur energetisch saniert. Schulleiter Lars Kluger erfuhr lediglich durch einen Bericht der DNN von der Aufnahme in das Förderprogramm.

Asbestmaterial neben dem Schuleingang

Statt in Teilabschnitten werden jetzt beide Schulhäuser gleichzeitig saniert. Das macht den geplanten Umzug in den frisch renovierten Gebäudeteil unmöglich. Durch die thermische Sanierung werden auch die finanziellen Mittel gekürzt: Nur noch 10 Millionen Euro beträgt das Budget. Durch diese Einbuße fallen die geplante Renovierung des Außengeländes, der Ausbau der Schulausstattung und die Innenanstriche der Klassenzimmer komplett weg. Aus der ursprünglich zugesagten Gesamtsanierung wird also eine Teilsanierung. Deswegen verkürzt sich die Dauer der Baumaßnahme auch auf ein Jahr.

Schüler und Lehrer sind gleichermaßen entrüstet über die Zustände am BSZ. Säcke mit Asbestmaterial neben dem Schuleingang, Lärmpegel bis zu 100 Dezibel während der Unterrichtszeit, ein Teil des Gebäudes ohne sanitäre Anlagen und kaum fließendes Wasser – das sind nur einige Probleme mit denen Schüler und Lehrer momentan zu kämpfen haben.

Axel Körsten, Lehrer und Personalratsvorsitzender, unterrichtet seit 1997 am BSZ. „Solche Zustände habe ich in dieser Zeit noch nie erlebt“, berichtet er. „Es ist äußerst besorgniserregend, wenn Schüler und Lehrer bei Kranarbeiten unter schwebenden Lasten das Schulhaus betreten oder verlassen müssen“, gibt der Lehrer zu bedenken. Auch die eingeschränkten Fluchtmöglichkeiten im Brandfall sieht er als hohes Risiko.

„Das ist auf Dauer einfach kein Zustand“

Obwohl die Landeshauptstadt und die Bauleitung laut eigenen Angaben Wert darauf legen, den Unterricht nicht über Gebühr zu beeinträchtigen, „kommt es leider auch ungeplant zu hohen Belastungen für die Schule“, so das Schulverwaltungsamt. Man arbeite kontinuierlich an der Verringerung solcher Störungen. Das Amt war bereits vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen.

Viel ist seitdem allerdings nicht passiert. Mittlerweile führt das BSZ Lärmschutzprotokolle. Werte um die 100 Dezibel sind dabei keine Seltenheit und liegen massiv über dem kritischen Grenzwert von 85 Dezibel. Die Absprache zwischen Schulleitung, Bauleiter und Hochbauamt, lärmintensive Arbeiten außerhalb der Unterrichtszeit durchzuführen, wurde bisher nicht umgesetzt. „Die Lehrer tun wirklich alles was sie können, um uns einen normalen Unterricht zu ermöglichen“, berichtet Schülersprecherin Melissa Funke. Dennoch erreichen sie stündlich Beschwerden von Schulkameraden über die Beeinträchtigungen während der Schulzeit.

Bauarbeiten am BSZ Franz-Ludwig-Gehe: Klausuren wurden bisher verschoben, lange wird das aber nicht mehr möglich sein. Quelle: Dietrich Flechtner

„Die Baumaßnahmen haben immense Auswirkungen auf den Unterricht. Wir arbeiten viel unkonzentrierter und sind unruhig. Die Schüler wollen hier etwas erreichen und lernen – dabei fühlen sie sich gestört“, sagt die 17-Jährige. Schülersprecher Patrick Leupold stimmt ihr zu: „Ich schaffe es nicht mal die Unterrichtstexte zu lesen, wenn ich mir die Ohren zu halte.“ Der 27-Jährige strebt momentan seine Fachhochschulreife an und sieht diese durch den Baulärm ernsthaft gefährdet. Sogar der Unterricht muss aufgrund mangelnder Kommunikationsmöglichkeit teilweise eher beendet werden. „Das ist auf Dauer einfach kein Zustand“, sind sich beide Schülersprecher einig.

Ausbildungsbetriebe werden aufmerksam

Körsten macht sich große Sorgen um die Gesundheit von Schüler- und Lehrerschaft. „Wir schicken wirklich viele Schüler und Lehrer wegen Kopfschmerzen nach Hause“, erzählt der Lehrer. Die Baumaßnahmen bezüglich der Asbestentfernung hält er ebenfalls für nicht tragbar. „Es kam lediglich die Anweisung von 8 bis 9 Uhr die Fenster zu schließen. Wohin das giftige Material bei der Entfernung vorgedrungen ist, ist nun nicht mehr nachvollziehbar“, so Körsten. Warum solche Baumaßnahmen nicht außerhalb der Schulzeit durchgeführt werden, ist für ihn unverständlich.

Aber auch die bevorstehenden Klausuren geben Schülern und Lehrern zu bedenken. Durch die jetzige Situation sind Leistungskontrollen bisher aufgeschoben worden – was aber kein Dauerzustand sein kann. Lehrpersonal und Schülerschaft sehen die Prüfungsabschlüsse gleichermaßen beeinträchtigt.

Die ersten Ausbildungsbetriebe sind bereits auf den stark eingeschränkten Lehrbetrieb aufmerksam geworden. So auch Gunther Seifert, Vorstand der Konsum Dresden eG: „Die Lärm- und Schmutzbelästigungen erfüllen mich mit großer Sorge. Unser Nachwuchs soll über bestmögliche Bedingungen an das Ausbildungsziel herangeführt werden. Die gegenwärtig anzutreffenden Wertungen und Kommunikationen am Schulstandort sind diesem Ziel absolut nicht zuträglich.“

Die Stadt ist jedoch weiterhin der Auffassung, dass Baumaßnahmen im laufenden Schulbetrieb grundsätzlich möglich seien. Voraussetzung seien eine enge Abstimmung des Bauablaufes auf den schulischen Alltag und ein hohes Maß an Kompromissbereitschaft beider Seiten.Lehrer Körsten hofft indes weiterhin auf eine zeitnahe Lösung, um in Zukunft dem Bildungs- und Erziehungsauftrag wieder in hoher Qualität gerecht zu werden.

Von Annafried Schmidt

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